Spionage-Verdacht : Harz-Werk wehrt sich

Wurde mit 3,6 Millionen Euro vom Steuerzahler unterstützt: das Acrylicon-Werk
Wurde mit 3,6 Millionen Euro vom Steuerzahler unterstützt: das Acrylicon-Werk

Kunstharzhersteller Acrylicon aus Neustadt-Glewe prüft Gegenklage. Landesförderung von 3,6 Millionen Euro wirft Fragen auf.

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20. November 2015, 18:24 Uhr

Juristischer Gegenschlag des unter Betrugs- und Spionageverdacht stehenden Kunstharzherstellers Acrylicon Neustadt-Glewe: Nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaften Schwerin und Darmstadt gegen Manager des erst vor eineinhalb Jahren mit 3,6 Millionen Euro öffentlichen Fördermitteln errichteten Werkes hat Acrylicon Vorwürfe zurückgewiesen, in Neustadt-Glewe würde die Produktion von Kunstharzen für Industriefußsböden auf Technologien und Rezepturen eines Wettbewerbers beruhen, bei dem Acrylicon-Manager zuvor beschäftigt gewesen sein sollen.

Die Staatsanwaltschaft Darmstadt ermittelt wegen des Verdachts des Verrats von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen. Bei Hausdurchsuchungen Anfang November hatten die Ermittler Geschäfts- und Wohnräume in verschiedenen Bundesländern durchsucht und Akten sichergestellt.

Acrylicon-Chef Björn Hegstad ließ jetzt mitteilen, „die gegenüber der Staatsanwaltschaft Darmstadt von Silikal vorgebrachte Behauptung, AcryliCon nutze Rezepturen der Silikal, ist unrichtig“. Vielmehr habe Hegstad vor Jahrzehnten „gemeinsam mit Dritten, Rezepturen für diverse Kunstharze entwickelt...“. Hegstad: „Die Vorwürfe, die unser Wettbewerber Silikat gegenüber hessischen Behörden erhebt, sind eine billige Retourkutsche sowie ein Ablenkungsmanöver “ – Hegstat zufolge wegen einer 2014 in Amerika von einem mit dem Werk in Neustadt-Glewe verbundenen Unternehmen Acrylicon in den USA eingereichten Klage gegen Silikal. Das Unternehmen soll einen 2010 geschlossenen Vergleich zwischen Silikal und der amerikanischen Acrylicon-Schwestergesellschaft verletzt haben. Hegstad sicherte zu, die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen unterstützen zu wollen. Acrylicon prüfe indes, eine Gegenanzeige wegen falscher Verdächtigungen zu erheben, teilte das Unternehmen mit.

Zu den Betrugsvorwürfen hüllt sich Acrylicon allerdings weitgehend in Schweigen. Die Staatsanwaltschaft Schwerin ermittelt gegen einen Geschäftsführer des Unternehmens wegen Betruges. Wie es hieß, soll Acrylicon Rechnungen eines Anlagenbauers in Höhe von 400000 Euro nicht bezahlt haben. Jetzt teilte das Unternehmen lediglich mit: „Wir sind liquide...“, „alle Rechnungen, für die Fördermittel bewilligt wurden, sind vollständig bezahlt.“ Gespräche über einen „wirtschaftlich vernünftigen Vergleich mit dem Unternehmer, der in Schwerin Anzeige erstattet hatte, sind weit fortgeschritten“.

Fragen wirft indes auch die von Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) bewilligte Auszahlung von 3,6 Millionen Euro Fördergeld an Acrylicon auf. So scheinen bislang entgegen bisherigen Angaben doch nicht alle Förderauflagen erfüllt zu sein. Während das Wirtschaftsministerium mitteilte, das Unternehmen habe seine Verpflichtungen erfüllt und alle vereinbarten 18 neuen Arbeitsplätze geschaffen, gibt Acrylicon nun selbst Versäumnisse zu.

Beim Bau des Werkes sei es „wegen Unstimmigkeiten mit unserem Generalunternehmer zu Verzögerungen bei der Fertigstellung der zweiten Produktionslinie“ gekommen, teilte Acrylicon schriftlich mit: „Somit können wir die 18 Arbeitsplätze, die wir ursprünglich bis zum 31. Dezember 2015 schaffen wollten und sollten, erst im Laufe des kommenden Jahres vollständig besetzen.“

Wie viele Arbeitsplätze derzeit tatsächlich besetzt seien, darauf wollte das Unternehmen trotz mehrmaligen Nachfragen keine Angaben machen. Noch im Sommer hatte Werksleiter Bern Diel öffentlich erklärt, lediglich fünf Mitarbeiter zu beschäftigen, Anfang November sprach er von zwölf.

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