Frauen im Handwerk : Handarbeit für Bäder und Küchen

Sigrid Koch in ihrem Meisterwerk: ihre Küche.
Sigrid Koch in ihrem Meisterwerk: ihre Küche.

Sigrid Koch verlegt Fliesen in Eldena und Umgebung. Werbung macht sie nur mit ihrer Telefonnummer auf dem Auto

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21. August 2015, 09:00 Uhr

Es war ein langer Weg zum erfüllten Handwerkerleben, das Sigrid Koch heute führt. Geboren und aufgewachsen in Eldena, wollte sie eigentlich „so einen typischen Mädchenberuf haben, Krankenschwester, Kindergärtnerin oder sowas in der Art“, erinnert sich die 55-Jährige.

„Doch das klappte nicht, und so lernte ich im Plastmaschinenwerk Schwerin Zerspanungsfacharbeiter.“ Später arbeitete sie im Hydraulikwerk Schwerin-Süd, wurde quasi nebenbei auch Maschinen- und Anlagenmonteurin. Zwischendurch hatte sie geheiratet und Kinder bekommen. Bei Hydraulik blieb sie bis nach der Wende, saß aber zum Schluss nur noch im Betriebsrat. „Das war auf die Dauer nichts – ich muss immer was mit den Händen machen.“ So zog die Familie zurück nach Eldena in Sigrid Kochs Elternhaus. Nur einen Job hatte die zweifache Mutter dort nicht.

Eine Zeit lang arbeitete sie als Aushilfe beim Fliesenlegermeister im Ort. „Mit Hammer und Meißel alte Fliesen von der Wand schlagen – das war das Erste, was er mir zu tun gab.“ Mit der Zeit ließ der Meister sie auch bei echten Fliesenleger-Arbeiten mithelfen. „Wir haben immer zu dritt gearbeitet, zwei Facharbeiter und ich. Als die beiden mal gleichzeitig krank wurden, habe ich einfach weitergearbeitet. Als der Chef das Ergebnis sah, ernannte er mich sofort zum Fliesenleger.“ Sie lacht noch heute über den überraschenden Karrieresprung. „Es war vorbei mit Hilfsarbeiten, ich bekam selbst einen Gehilfen. Und Geld wie ein Gelernter.“

Doch was, wenn mal eine Kündigung käme? Sigrid Koch wollte sich selbständig machen. Nach zehn Jahren als Angestellte bei dem Kollegen wagte sie den Sprung. „Bei der Handwerkskammer sagte man mir, wenn man irgendeinen Facharbeiterabschluss hat und außerdem mehr als sechs Jahre als Fliesenleger gearbeitet hat, kann man ein eigenes Unternehmen gründen.“ Sechs Monate lang bekam sie Förderung. „Wenn’s bis dahin nicht geklappt hätte, hätte ich’s wieder gelassen“, sagt sie heute. Doch das Geschäft lief gut an, und es läuft immer noch – seit fast zehn Jahren.

Werbung macht sie nur mit ihrer Telefonnummer auf dem Auto. Und mit guter Arbeit. Sigrid Koch nimmt an Weiterbildungen und Vorführungen teil, hält Kontakt zu Kollegen, lernt neue Trends kennen. Die Arbeit erledigt sie komplett allein: „Was ich nicht selbst schaffe, geht eben nicht.“ Neuerdings werden manchmal größere Fliesen verlegt, bis zu 60 mal 90 Zentimeter und entsprechend schwer. In solchen Fällen einigt sich die Handwerkerin unkompliziert mit dem Kunden über tatkräftige Hilfe.

Überhaupt hat sie ein herzliches Verhältnis zu ihren Auftraggebern, hauptsächlich Privatleute, und wird oft weiterempfohlen. „Sie haben dann auch das Geld dafür, sie würden ja nicht anrufen, wenn sie’s nicht hätten. Wenn man als Subunternehmer bei größeren Projekten dabei ist, kann man nicht sicher sein.

Ich hab mal einen Reinfall erlebt, bei dem ich dann kein Geld gesehen habe. Aber bei meinen Kunden bekomme ich noch ’n Kaffee und das Mittag dazu.“ Sie wohnen im Umkreis von etwa 50 Kilometern – „um den Kirchturm rum“, wie Sigrid Koch sagt. „Es gibt genug zu tun hier.“ Dennoch teilt sie sich ihre Zeit sehr frei ein, empfindet nicht den Druck anderer Selbstständiger. „Mal geht es schneller als geplant, mal bin ich auch zehn Stunden unterwegs. Aber das gleicht sich aus. Ich möchte es nicht mehr anders haben.“ Körperlich sei die Arbeit manchmal anstrengend, aber immer noch gut zu schaffen.

Und zum Schluss leuchten die Augen der Leute, wenn die letzte Fliese verlegt, die letzte Fuge geschlossen ist. Dann weiß Sigrid Koch, dass alles gut ist.
 

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