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Grünen Woche : Häppchenjagd in neuer Länderhalle

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Landespolitik lobt zum Aktionstag umgestalteten Auftritt auf der Grünen Woche / Aussteller sind mit Auftakt sehr zufrieden, sehen aber auch noch Verbesserungsbedarf für kommende Jahre

svz.de von
erstellt am 19.Jan.2014 | 21:00 Uhr

„Sehr gelungen“, die „schönste Länderhalle“, „wunderschön“, die Landespolitik hat sich zum Aktionstag auf der Grünen Woche in Berlin geradezu überschlagen ob des neuen Auftritts von Mecklenburg-Vorpommern am Berliner Funkturm. Ob Ministerpräsident Sellering, ob Hausherr und verantwortlicher Minister Till Backhaus (beide SPD) oder Bauernpräsident Rainer Tietböhl, sie alle zeigten sich sehr angetan, was aus „ihrer“ Halle 5.2b in diesem Jahr so geworden ist.

Und in der Tat hat die neue Länderhalle mit den früheren Auftritten nur noch wenig zu tun. Große „Sehnsuchtsmotive“ von Land und Natur hängen geschickt verteilt in riesigen Rotunden an der Decke, es gibt neue Panoramamotive. Vor allem aber gibt es deutlich mehr Platz zwischen den Ständen der 60 Aussteller. Natürlich sind auch die Verkaufsstände komplett neu, größer und geschickter auf den 1800 Quadratmetern verteilt worden. Alles in einheitlichen Farben, abgestimmt in Farben und Fußboden. Alles wirkt heller und freundlicher als bisher. Doch zu einem kompletten Neuanfang haben sich die Verantwortlichen dann doch nicht entschließen können. Wiedererkennung ist ein hohes Gut auf der Grünen Woche. Denn angesichts der Reizüberflutung kommt es vor allem darauf an, an Bekanntes anzuknüpfen und erkannt zu werden. Und so wurde die Hauptbühne zwar umgebaut und bietet in der Tiefe mehr Platz. Doch im Hintergrund prangt das schon seit sehr vielen Jahren bekannte Motiv vom Schweriner Schloss.


85 Prozent der Aussteller seit Jahren dabei


Der Begriff Länderhalle ist eigentlich auch nicht ganz richtig, denn die Halle 5.2b gehört zu gut einem Drittel auch Landkreisen aus Thüringen mit ihren Ständen. Seit 2000, dem Jahr, in dem das Land MV zum ersten Mal mit einer eigenen Halle in der beispiellosen Schlacht um die Aufmerksamkeit Hunderttausender Besucher in Berlin antrat, wurde nur ein einziges Mal die Halle auch komplett gefüllt. Den Rest des wuchtigen Betonbaus auch noch mit Mecklenburg-Vorpommern zu bestücken, würde einfach zu viel Geld kosten, hieß es am Sonnabend dazu bei den Marketingverantwortlichen des Landes.

Ein Stand wie der Schiffsnachbau der Störtebecker, blieb genau so in der Halle wie der Piratenkreuzer des Grevesmühlener Schauspiels. Deren Akteure mit einem gut geschminkten Jack Sparrow als Animateur gehörten zu den auffälligsten Figuren in der Halle. Die Grevesmühlener sind schon lange dabei. „Für uns ist es enorm wichtig, in Berlin zu sein. Das merken wir später sofort an den Buchungen. Und der Aufwand hält sich für uns in Grenzen, weil die meisten Schauspieler sowieso in Berlin wohnen“, erklärt Peter Venzmayer, Intendant und Projektleiter.

Kontinuität wird groß geschrieben bei den Ausstellern, 85 Prozent sind nach Angaben des Landes identisch mit denen der Vorjahre. Für Till Backhaus ein Zeichen, dass man mit dem eingeschlagenen Pfad richtig liege.

Das neue Gewand der Halle erhielt von den Ausstellern überwiegend gute Noten. Spürbar war vor allem die Erleichterung, dass das Land diesen Schritt überhaupt gewagt hat. Viele hatten nach Jahren die alten Buden und Plakate nicht mehr sehen können.


Bester Messeauftakt seit Jahren


Politisch ist die Marschroute klar, Ministerpräsident Sellering gab sie zu Eröffnung am Sonnabend in Berlin vor: „Wir brauchen Berlin für unsere Marken, für unsere Produkte. Es ist von großer Wichtigkeit, hier zu sein“, sagte er.

Sowohl Sellering als auch Backhaus gingen kurz auf die parallel in Berlin laufenden Bauernproteste für eine Abkehr von einer meist industriell organisierten Landwirtschaft ein. Die Lebensmittelskandale der Vergangenheit seien nicht von den Landwirten ausgegangen, schimpfte Backhaus. Es sei der Lebensmitteleinzelhandel, der die Preise drücke. Die Landwirte müssten endlich vernünftige Preise für ihre Rohstoffe bekommen. „Unsere Landwirte haben ihre Aufgaben vorbildlich erfüllt. Ich erwarte, dass sie jetzt auch vernünftig bezahlt werden“, forderte er.

Gut 100 000 Besucher sollen am Ende der Grünen Woche, die bis zum 26. Januar dauert, die Mecklenburg-Vorpommern-Halle gesehen und erlebt haben. Das wäre ein Viertel aller Gäste. Die Chancen dafür stehen gut. Nach übereinstimmenden Berichten vieler Aussteller war bereits der vergangene Freitag einer der besten Starttage, den man jemals erlebt habe. Und zum Aktionstag war die Halle bereits in den späten Vormittagsstunden brechend voll. Was übrigens auch an vielen Gästen aus Mecklenburg und Vorpommern lag. Denn zu den Aktionstagen werden ganze Busladungen aus den Kreisen und Regionen nach Berlin gefahren.

Natürlich spielen Essen und Trinken immer noch die entscheidende Rolle auf der Grünen Woche. Daran ändern auch die zahlreichen touristischen Stände und Informationen nichts. Umlagert sind vor allem die Verkostungen, das meiste muss der Besucher jedoch bezahlen. Angesichts des Aufwandes und der Kosten für die Firmen macht dabei eigentlich niemand Gewinn.


Aussteller wollen Messehalle komplett


Es sei eine Imagefrage, in Berlin dabei zu sein, erklärt z. B. Ulrich Müller, der Chef der Ludwigsluster Fleischwaren. Ähnlich geht es der Mannschaft der Mecklenburger Landpute aus Severin. Geschäftsführer Frank Kremer betont die Werbemöglichkeiten und setzt auf der Messe z. B. gezielt Kleinwüchsige als Promoter für neu entwickelte Mini-Würste ein.

Präsenz ist auch für die Lübzer Brauerei das Thema in Berlin. Das Unternehmen hat seinen neuen Stand direkt neben der Hauptbühne aufgebaut. Geschäftsführer Wilfried Horn war mit der Resonanz der ersten Tage durchaus zufrieden. Aber Horn gehört mit einigen anderen Ausstellern zu denen, die die Halle noch gern verbessern würden. So müsse aus seiner Sicht die Hauptbühne neu eingefasst werden, die Decke sei zu überladen. Andere monieren, dass an den Schildern der Stände die Ortsangaben fehlen, andere vermissen die Strandkörbe als Markenzeichen. Doch am meisten wird gefordert, dem ersten Schritt den zweiten folgen zu lassen und die Halle ganz zu belegen. Dazu wird das Land neue Aussteller aus MV gewinnen müssen. Eine Quelle wäre die starke Ernährungsindustrie, die im Land heimisch ist.

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