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Volkswerft Stralsund : Hängepartie ohne Ende

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Ein Spitzengespräch am Montag in der Schweriner Staatskanzlei brachte keinen Durchbruch. Dabei drängt die Zeit: Ende April drohen auf der Volkswerft die Lichter auszugehen.

svz.de von
erstellt am 07.Apr.2014 | 16:09 Uhr

Vorentscheidung für die insolvente Volkswerft Stralsund: Das Land ist bereit, das Werftgrundstück zu übernehmen und so herzurichten, dass es für Firmen aus der maritimen Branche attraktiv sei, kündigte Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) vor der Volkswerft-Belegschaft in Stralsund an. 1000 Stralsunder hatten am Montag für den Erhalt des Schiffbaus demonstriert. Es gehe „um die letzten Industriearbeitsplätze in der Region“, sagte IG-Metallsprecher Guido Fröschke bei der Kundgebung. Für die  Volkswerft haben zwei Werftgruppen als auch der Kranbauer Liebherr Interesse angemeldet.

Die Zukunft der Volkswerft Stralsund bleibt auch nach einem Spitzengespräch mit Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann am Montag offen. Für die Schiffbauer geht damit die seit August 2012 bestehende Hängepartie und Ungewissheit weiter.

Nach den Worten von Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) gibt es zwei Optionen für Stralsund - den Aufbau eines maritimen Industrieparks, den das Land mit der Übernahme der Werftengrundstücke und Anfangsinvestitionen unterstützen würde. Zudem haben zwei Werftengruppen ein Angebot für die Übernahme der Volkswerft vorgelegt.

„Beide Angebote sind verhandlungsfähig“, sagte Sellering nach dem Spitzengespräch in der Schweriner Staatskanzlei auf einer Schiffbauer-Kundgebung in Stralsund. „Das ist ein kleiner Lichtblick.“ Sellering machte vor den rund 1000 - teilweise wütenden - Schiffbauern und Stralsundern aber auch deutlich: „Der Schiffbau in Europa ist weiter in der Krise.“ Stralsund brauche keine Lösung für die nächsten Wochen, sondern eine die viele Jahre trage.

Die Werftarbeiter und die IG Metall forderten ein klares Bekenntnis zum Schiffbau. „Das Land ist getrieben von der Angst, dass es mit Werftenbürgschaften nochmals in Risiken gehen muss“, sagte IG-Metall-Sprecher Heino Bade unter Beifall der Demonstrierenden. Die Schiffbauer reagierten skeptisch auf die Ankündigungen der Landesregierung. „Wie lange sollen wir noch warten“, tönte es aus der Menge. Linksfraktionschef Helmut Holter machte am Rande der Kundgebung die Landesregierung und das von ihr beschlossene Werftenfinanzierungsgesetz dafür verantwortlich, dass es bislang nur zögerliche Angebote aus der Werftenbranche gegeben habe. „Diese Landesregierung will den Schiffbau los werden“, sagte Holter.

Bei den Interessenten aus dem Schiffbau handelt es sich um die Nordic Yards GmbH aus Wismar und Warnemünde, die am Freitag ihr Angebot nachgebessert hatte, und die im Stahl- und Schiffbau tätige Heinrich Rönner-Gruppe aus Bremerhaven. Der Kranbauer Liebherr bestätigte am Montag, sich im Rahmen eines möglichen Ausschreibungsverfahrens um Flächen eines zukünftigen maritimen Gewerbegebietes auf dem Gelände der insolventen Volkswerft in Stralsund bewerben zu wollen.

Insolvenzverwalter Brinkmann sagte angesichts der vorliegenden Angebote, die Lage sei jetzt deutlich besser als noch Anfang Februar, da es jetzt Alternativen gebe. „Der Knoten ist hoffentlich geplatzt.“ Beide Werftenangebote zielten darauf ab, dass 500 Mitarbeiter beschäftigt werden sollen und das investiert werde. Zugleich stellte Brinkmann auch klar, es werde eine längere Zeit des Aufbaus geben.

Unterdessen wir die Zeit immer knapper. Derzeit sind noch 250 Schiffbauer in Stralsund beschäftigt, deren Verträge Ende April auslaufen. Den rund 50 Ingenieuren ist vorsorglich für Ende April gekündigt worden. Landesregierung und Insolvenzverwaltung streben deshalb eine Entscheidung zum Monatsende an. „Wenn es keine Lösung bis Ende April gibt, wird der Standort geschlossen“, zeigte IG Metall-Sprecher Bade die Konsequenzen auf. „Wir brauchen ein Konzept, das den Standort nicht nur kurzfristig, sondern auch mittel- und langfristig absichert.“ 

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