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Arbeit in MV : Häftlinge gehen auf Jobsuche

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Arbeit zu haben ist in MV auch für einen Strafgefangenen nicht selbstverständlich.

svz.de von
erstellt am 20.Jan.2014 | 11:45 Uhr

Arbeit zu haben ist in MV auch für einen Strafgefangenen nicht selbstverständlich. Rund 15 Prozent der Häftlinge könnten aus unterschiedlichen Gründen gar nicht zu einer Arbeit eingesetzt werden, erklärte ein Sprecher des Schweriner Justizministeriums. In den fünf Justizvollzugsanstalten, davon eine Jugendanstalt, liege der Bedarf an Arbeitsplätzen derzeit bei rund 1100 Stellen bei 1300 Gefangenen. Einer regelmäßigen Berufstätigkeit gingen derzeit insgesamt nur 354 Häftlinge in MV nach.

102 Gefangene sind in JVA-eigenen Werkstätten wie Tischlereien oder Schlossereien tätig oder arbeiten für den einzigen Unternehmerbetrieb innerhalb einer Anstalt des Landes, einen Kunststoffverarbeiter in der JVA Waldeck bei Rostock. Allein die Eigenbetriebe erzielten 2012 Einnahmen von rund 200 000 Euro. Mit wirtschaftlichen Tätigkeiten im Gefängnis wie Putz- oder Küchendiensten sind außerdem 252 Häftlinge beschäftigt, teilte der Sprecher mit.

Arbeitende Gefangene in den Anstalten bekommen einen Tagessatz zwischen 7,17 Euro und 14,93 Euro gezahlt. Das sei ein guter Anreiz für regelmäßige sinnvolle Beschäftigung, versicherten JVA-Sprecher. Die Arbeitszeiten variierten entsprechend der jeweiligen Therapievorgabe. Hinzu kämen landesweit 299 Gefangene, die sich in einer schulischen oder beruflichen Qualifizierungsmaßnahme befinden. Abschlüsse würden eher selten erreicht, die Regel seien Teil-Zertifikate. In der Jugendanstalt Neustrelitz sind Berufsberater der Arbeitsagentur ein- bis zweimal pro Monat Ansprechpartner vor Ort, hieß es. Zudem gebe es dort eine berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme für 15 Jugendliche.

Eine hundertprozentige Beschäftigung der Strafgefangenen könne nicht gewährleistet werden, räumte der Ministeriumssprecher ein. Allerdings wolle der Großteil der Gefangenen arbeiten, die meisten müssten nicht extra motiviert werden. In der JVA Waldeck kann nur der Hälfte der 280 Gefangenen im geschlossenen Vollzug ein Job angeboten werden, erklärte Sprecherin Sandra Moddelmog-Reimers. In der JVA Bützow, der größten Haftanstalt des Landes, gehen 50 Prozent der bis zu 550 Inhaftierten in der JVA einer Arbeitstätigkeit nach oder nehmen an einer Qualifizierungsmaßnahme teil. Arbeit fülle den Tag der Gefangenen aus, erklärte Moddelmog-Reimers. „Viele Gefangene haben draußen in den Tag hinein gelebt, sie hatten keine Struktur. Viele arbeiten hier das erste Mal richtig und finden dabei auch Anerkennung.“ Allerdings gebe es in den Gefängnissen zunehmend Menschen mit akuter Sucht- und Drogenproblematik, meinte der Ministeriumssprecher. Deren Arbeitsfähigkeit müsse in der Haft quasi erst wieder hergestellt werden.

Gesetzlich sei seit Juni 2013 die Arbeitspflicht im Strafvollzug des Landes aufgehoben. In der JVA Stralsund wurde Ende letzten Jahres ein spezielles Arbeitstraining als Therapie eingerichtet. Hinzu kämen Ausbildungsmodule in den Bereichen Gastronomie und Metallbearbeitung, die sehr gefragt und stets gut ausgelastet seien.


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