Fischerei : Guter Hering, schlechter Dorsch

Fischer holen im Greifswalder-Bodden bei Greifswald-Wiek ihre Stellnetze mit Hering ein.
Fischer holen im Greifswalder-Bodden bei Greifswald-Wiek ihre Stellnetze mit Hering ein.

Die Fischer im Nordosten bilanzieren ein eher durchwachsenes Jahr. Ihre Zahl ist weiter im Abwärtstrend

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03. Januar 2016, 09:00 Uhr

Trotz gestiegener Heringsquote bilanzieren die Kutter- und Küstenfischer in Mecklenburg-Vorpommern ein eher durchwachsenes Fischereijahr. Grund dafür seien die schlechten Dorschfänge. Die guten Heringserträge hätten die nur in geringem Maße ausgleichen können, sagte der Vorsitzende des Landesverbandes der Kutter- und Küstenfischer, Norbert Kahlfuß. Trotz der zum Vorjahr abgesenkten Dorschquote sei diese wegen der schlechten Qualität des Fisches und der niedrigen Preise nicht abgefischt worden.

Die Kutter- und Küstenfischer erwarten für 2015 ähnliche, eventuell etwas höhere Erlöse als im Vorjahr, wie Kahlfuß sagte. Mit 8,5 Millionen Euro lagen 2014 die Gesamterlöse erheblich unter dem Jahresdurchschnitt der zurückliegenden fünf Jahre mit zehn Millionen Euro. In der Heringsfischerei stiegen die Erlöse laut Agrarministerium in diesem Jahr um rund 1,1 Millionen Euro, in der Dorschfischerei gingen sie um 400 000 Euro zurück.

Die Fischer durften 2015 in der westlichen Ostsee 12 Prozent mehr Hering fangen, in der östlichen Ostsee 45 Prozent. „Wir gehen davon aus, dass die Quote zum Jahresende abgefischt sein wird“, sagte Kahlfuß. Trotz der steigenden erlaubten Fangmengen bringe dies die Fischer nicht an die Kapazitätsgrenzen. Im kommenden Jahr soll die Quote erneut um 18 Prozent steigen. Eine bessere Vermarktbarkeit verspricht die MSC-Zertifizierung, die in diesem Jahr für die Schleppnetzfischerei in der Ostsee erfolgte.

Aus Mecklenburg-Vorpommern haben sich laut Agrarminister Till Backhaus (SPD) 18 Betriebe mit einer Fangmenge von knapp 6    000 Tonnen an dem Verfahren beteiligt. Damit seien rund 60 Prozent der Heringsanlandungen von Betrieben aus Mecklenburg-Vorpommern zertifiziert und könnten mit einem gesicherten Absatz im Euro-Baltic Fischwerk in Sassnitz rechnen.

Die Ostseefischer hatten in den vergangenen Jahren mit niedrigen Preisen zu kämpfen, da die Heringsfischerei in der Ostsee bislang nicht das Ökosiegel trug. Für den Stellnetzhering wurden in diesem Jahr die Voruntersuchungen eingeleitet. Kahlfuß rechnet nicht vor 2017 mit einem Abschluss des Verfahrens. Es werde alle Stellnetz- und Reusenfischer um 100    000 Euro kosten, sagte der Verbandschef. „Das Geld muss erstmal von den Fischern aufgebracht werden.“ Zudem sei zu befürchten, dass es Auflagen geben könnte.

Seien die Auflagen und Kosten zu hoch, rechnet Kahlfuß mit einer deutlichen Anzahl an Fischern, die den Beruf an den Nagel hängen werden.

Mit den Vorgaben wie dem Rückwurfverbot für unbeabsichtigten Beifang oder einem seit Jahren fehlenden Managementplan für die Ostseefischerei würden die Rahmenbedingungen für die kleine handwerkliche Fischerei nicht besser, bilanzierte Kahlfuß. Es gebe für einzelne Fischer kaum noch Substanz für größere Investitionen.

2016 beginnt die neue Förderperiode für den Europäischen Meeresfischereifonds (EMFF). Es werden knapp 54 Millionen Euro EMFF-Mittel zur Förderung der Fischwirtschaft in MV von 2016 bis Ende 2023 zur Verfügung gestellt. Diese Mittel müssen mit knapp 18 Millionen nationaler Kofinanzierungsmittel kombiniert werden, wie das Agrarministerium mitteilte.

Noch sei aber nicht klar, ob ausreichend Kofinanzierungsmittel zur Verfügung stehen werden. Die finanziellen Schwerpunkte will Mecklenburg-Vorpommern laut Backhaus voraussichtlich in der Fischereiforschung für die Aquakultur, die Küsten- und die Binnenfischerei setzen.

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