Gerangel im Hafenbecken : Güterboom an Rostocker Pier

Größter deutscher Ostseehafen: In Rostock holten Hafenarbeiter 2013 etwa 24,1 Millionen Tonnen an Land.
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Größter deutscher Ostseehafen: In Rostock holten Hafenarbeiter 2013 etwa 24,1 Millionen Tonnen an Land.

Mehr Erz, Kohle, Getreide, Trailer: Prognose für Ostseehafen besser als bekannt / Bis 2030 könnte sich Umschlag verdoppeln

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12. Dezember 2014, 08:00 Uhr

Gerangel im Hafenbecken: Der Hafen Rostock wird in den kommenden Jahren deutlich mehr Massen-, Stück- und Flüssiggüter sowie Fracht von Fährschiffen umschlagen als bisher angenommen. Erze, Getreide, Futtermittel, Kohle, Baustoffe, dazu Waren auf Trailern: Bis 2030 rechnen Experten mit einem Ladungszuwachs von durchschnittlich 2,2 bis 2,5 Prozent im Jahr, geht aus einem gestern in Rostock vorgestellten Gutachten des Instituts für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) in Bremen hervor. Nach einem so genannten Potenzialszenario, das auch auf dem Ausbau des Seekanal vor Rostock beruht, könnten sogar um bis zu 3,6 Prozent mehr Waren an Rostocks Kaikanten umgeschlagen werden – insgesamt knapp 40 Millionen Tonnen, etwa doppelt so viel wie 2010. Nach der Krise 2009 gehe es seit 2012 wieder „deutlich bergauf“, erklärte Studienautor Prof. Burkhard Lemper. Die Ansiedlungen im Hafen in den vergangenen 20 Jahren im Hafen machten sich in gestiegenen Umschlagszahlen bemerkbar. Zuwächse sehen die Gutachter vor allem im Fährverkehr: Der Umschlag von Ro-Ro-Ladung könnte sich im günstigsten Fall verdoppeln – auf knapp 14 000 Millionen Tonnen netto. Angesichts des wachsenden Kostendrucks der Reeder mit der Einführung des schwefelarmen Treibstoffs ab 2015 biete Rostock gute Voraussetzungen, meinte der scheidende Hafenchef Ulrich Bauermeister. In Rostock beginne der kürzeste Seeweg von einem deutschen Ostseehafen nach Finnland.

Auf den wachsenden Güterverkehr ist Rostock indes vorbereitet: Nach Investitionen von 206 Millionen Euro in den vergangenen acht Jahren sei der Hafen deutlich ausgebaut worden und beispielsweise der Umbau des Fähr- und Ro-Ro-Anleger nahezu abgeschlossen. „Was mittelfristig zusätzlich an Gütern nach Rostock kommt, können wir umschlagen“, meinte Bauermeister: Der Umschlag könnte ohne weiteres sofort um 100 Prozent steigen.

Mit der selbst in Auftrag gegebenen Studie wehrt sich der größte deutsche Ostseehafen gegen eine im Frühjahr vorgelegte Prognose des Bundes, die für Rostock lediglich ein Wachstum von 1,2 Prozent vorhersagt – deutlich weniger als im Schnitt der anderen deutschen Ostseehäfen. Ein überraschendes Ergebnis, da Rostock in den letzten Jahren regelmäßig mehr Güter umgeschlagen habe als Lübeck. Falsche Ist-Zahlen, fragwürdige Annahmen, in Teilen zweifelhafte Methodik: Das Gutachten lässt der Rostock nicht gelten. „Man hat eine sehr merkwürdige Entwicklung des gesamten Wirtschaftspotenzials im Einzugsgebiet des Hafens angenommen“, kritisierte Bauermeister: Da sei entweder Vorgaben des Auftraggebers gefolgt worden oder es lägen der Prognose nur beschränkte Kenntnisse über den Ostseeverkehr zugrunde.

Hinter der Berliner Prognosenpanne vermuten Experten den Versuch des Bundes, mit der Vorlage schlechter Daten aus Finanznot zum Nachteil für Rostock die derzeit in Planung befindliche Vertiefung des Seekanals in Frage zu stellen. Die Fahrrinne soll von derzeit 14,5 Meter auf 16,5 Meter ausgebaut werden, damit künftig größere Schiffe den einzigen deutschen Universalhafen an der Ostsee ansteuern können. Kosten: rund 100 Millionen Euro. Das Projekt ist derzeit zwar für den Bundesverkehrswegeplan angemeldet, konkurriert dort aber mit Vorhaben anderer deutscher Häfen.

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