Keine Lust auf eigene Firma : Gründerflaute: Halb so viele neue Firmen

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Zahl der Gewerbeanmeldungen in MV auf niedrigstem Stand seit 15 Jahren

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11. Juni 2015, 07:30 Uhr

Keine Lust auf eine eigene Firma: Trotz guter Wirtschaftsaussichten melden so wenige Mecklenburger und Vorpommern ein eigenes Gewerbe an wie seit 15 Jahren nicht mehr. In den ersten drei Monaten dieses Jahres wagten nur noch 3087 den Weg in die Selbstständigkeit, wenig mehr als im Jahr davor, teilte das Statistische Amt gestern. Im vergangenen Jahr hatten die Ämter in MV lediglich 10 833 Anmeldungen registriert, 2004 waren es fast doppelt so viele.

In den Jahren zuvor hätten sich oft Arbeitslose entschlossen, auf eigene Rechnung zu arbeiten, erklärte Klaus Uwe Scheifler, Unternehmensexperte der Industrie- und Handelskammern Schwerin (IHK). Angesichts der guten Konjunktur gebe „es keinen Druck mehr für Notgründungen“. Bei guter Konjunktur blieben viele lieber Angestellte. Die Firmen bieten ihnen dafür gute Chancen: Von Januar bis Ende Mai hatten die Personalchefs im Land 18 000 offenen Stellen gemeldet und erreichten damit fast das überdurchschnittliche Niveau des Vorjahres, teilte die Landesarbeitsagentur mit.

MV brauche eine bessere Gründungskultur, forderte Wirtschaftsstaatssekretär Stefan Rudolph gestern beim Gründertag „MVpreneur Day“ an der Universität Rostock. Junge Startup-Unternehmen müssten auch die ihnen gebührende gesellschaftliche Anerkennung erhalten. Vor allem die Banken sollten die neuen Gründer mit ihren neuen Ideen „freudiger begleiten und sie noch besser als Innovations-, Wachstums- und Arbeitsplatzmotoren verstehen lernen“, sagte Rudolph.

Die Wirtschaft fordert indes, eine bessere Gründerhilfe aufzustocken. Seinerzeit seien die zum Teil kritisierten Ich-AGs mit Zuschüssen für die Sozialabgaben gefördert worden, erklärte Scheifler. Das sei ausgelaufen. Jede zweite Ich-AG sei aber immer noch am Markt und habe Leute eingestellt. Auch angesichts der hohen Sozialkosten der Kommunen müsse der Bund die Existenzgründerförderung wieder aufstocken, forderte Scheifler. Das Land sollte die auf mehrere Häuser verteilte Gründerförderung im Wirtschaftsministerium konzentrieren und die Informationen über das Gründergeschehen verbessern.  

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