Verkauf : Größter Bodendeal droht zu platzen

14 Bieter für Gut Boldebuck - Gerichtsentscheidung erwartet

svz.de von
26. März 2014, 11:56 Uhr

Käuferandrang für die Privatisierung der bisher größten zusammenhängenden Ackerfläche in MV: Für das zum Verkauf zum Höchstgebot stehende 615 Hektar große Gut Boldebuck nahe Güstrow sind bei der bundeseigenen Bodenverwertungs- und -verwaltungsgesellschaft (BVVG) bis zu der gestern um 10 Uhr endenden Gebotsfrist insgesamt 14 Kaufangebote von kapitalkräftigen Investoren eingegangen. Es seien alles ernsthafte Gebote, für die die Finanzierung bestätigt worden sei, erklärte Schwerins BVVG-Chef Johann Jacob Nagel gestern nach dem Ende der Ausschreibungsfrist: „Unsere Erwartungen wurden übertroffen.“

Das Filetstück samt Seen, Forsten und mehr als 40 Gebäuden hat Investoren aus ganz Deutschland angezogen – aus Bayern, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und mehrere Interessenten aus MV. Nach Sichtung der Angebote solle dem Bieter mit dem höchsten Gebote ein Vertrag unterbreitet werden – inklusive der Auflage, mindestens zehn Jahre 180 Hektar für Vermehrung und Zuchtgarten zu nutzen, und einem Vorkaufsrecht für den Alteigentümer Fürst zu Schaumburg-Lippe. Dem Chef von Schloss Bückeburg in Niedersachsen hatte die BVVG bei der langfristigen Verpachtung der Flächen eine Kaufoption eingeräumt – zum Höchstgebot kann er beim Flächenkauf einsteigen. Angaben zu den Kaufangeboten machte der BVVG-Chef nicht. Früheren Schätzungen zufolge kann der Bund mit Einnahmen zwischen 10 und 20 Millionen Euro rechnen.

Allerdings: Die bisher größte Bodenprivatisierung in MV droht noch in letzter Minute zu scheitern: Der bisherige Nutzer, der Vermehrungsbetrieb I.G. Saatzucht, hatte gegen den Verkauf geklagt. Saatzucht-Chef Berthold Bauer zufolge sei die Ausschreibung rechtswidrig, da die Treuhandanstalt noch vor der langfristigen Verpachtung an Fürst zu Schaumburg-Lippe Anfang der 90er-Jahre den Saatzuchtbetrieb an Bauer mit der Auflage gekauft habe, am Standort dauerhaft Saatzucht zu betreiben. Die BVVG habe Schaumburg-Lippe gegen alle Rechtsregeln eine Kaufoption eingeräumt, obwohl er die Bedingungen dafür nicht erfüllt habe. Mit der Privatisierung des Bodens werde den Saatzüchtern allerdings die Grundlage entzogen werden, kritisierte Bauer. Seinen Einwänden sind offenbar auch die Richter am Kammergericht Berlin gefolgt. Nach Bauers Angaben habe das Kammergericht einem Antrag auf Erlass eines Veräußerungsverbots stattgegeben. Noch müsse aber die Urteilsbegründung abgewartet werden. Das wollte das Kammergericht gestern nicht bestätigen. Nur so viel: Es sei ein Beschluss ergangen, sagte eine Sprecherin. Allerdings müsse den Beteiligten erst die Entscheidung zugestellt werden. Auch bei der BVVG war die Entscheidung gestern noch nicht bekannt, sagte eine Sprecherin.

Fürst zu Schaumburg-Lippe ließ gestern noch offen, ob er zum Höchstgebot in das Ackerrennen einsteigen wolle. Nur so viel: Man wisse um die Möglichkeiten und verfolge das Verfahren sehr genau, meinte Christian Weber, Chef der Fürstlichen Hofkammer in Bückeburg.


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