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Tierschutz : Gibt es zu viele Biber in MV?

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CDU und SPD wollen im Landtag Lockerungen des Biberschutzes

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erstellt am 23.Apr.2016 | 08:00 Uhr

In der Diskussion um den Schutz des Bibers in MV hat der Schweriner Landtag sich mehrheitlich für Lockerungen der bestehenden Schutzbestimmungen ausgesprochen. Der Landtag forderte Umweltminister Till Backhaus (SPD) auf, sich dafür beim Bund und der EU einzusetzen. Backhaus dämpfte jedoch die Erwartungen. Änderungen der europaweiten Richtlinie zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie wildlebender Tiere und Pflanzen, kurz FFH-Richtlinie, bedürfen einstimmiger Beschlüsse. Backhaus plädierte daher dafür, den bestehenden Schutzstatus des Bibers auf Bundesebene neu zu bewerten.

JA: Nager gefährden Sicherheit

Die gute Nachricht ist: Der Biber ist wieder da. Die schlechte Nachricht ist: Der Biber ist wieder da. Gerade einmal um die 2000 Exemplare soll es in Mecklenburg-Vorpommern geben. Klingt nicht viel. Doch die Schäden, die die großen Nager anrichten, sind immens meint Beate Schlupp. Die agrarpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion setzte sich daher auf dem gestrigen Landtag dafür ein, den Schutzstatus des Bibers für Deutschland „anzupassen“ und einen „praxistauglichen Umgang“ zu ermöglichen.

„Durch die Ausbreitung des Bibers wird die öffentliche Sicherheit in MV mehr und mehr gefährdet“, so Schlupp. Der Nager unterhöhle Bahnanlagen, Deiche und Straßen, zerstöre wasserwirtschaftliche Anlagen, wie Staue und Wehre und überflute landwirtschaftliche und forstwirtschaftliche Flächen. Gerade in hochwassergefährdeten Gebieten wie Elbe, Warnow, Peene und Trebel käme es zu erheblichen Konflikten. 200 Problemstandorte gebe es derzeit. Durch die Tiere seien allein im vergangenen Jahr 500 Meter Deich beschädigt worden.

„Die Gefährdung der betrieblichen Existenz von Unternehmen der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft, aber auch des Hochwasserschutzes und der Verkehrssicherheit ist vor dem Hintergrund der positiven Bestandsentwicklung des Bibers nicht mehr vertretbar“, so Schlupp.

Das Problem: Der Biber gilt gemäß des Bundesnaturschutzgesetzes sowie der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie als streng geschützte Art. Eingriffe in den Bestand sind verboten. Dämme und Burgen dürfen nur mit Ausnahmegenehmigungen zerstört werden. Doch die zuständigen Behörden seien, so Schlupp, kaum noch in der Lage Anträge auf Ausnahmegenehmigungen zu bearbeiten.

Die CDU-Politikerin fordert daher, dass der Biber in den Anhang V der Richtlinie zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie wildlebender Tiere und Pflanzen, kurt FFH-Richtlinie aufgenommen wird. Mit dieser Aufnahme wäre die Regulierung des Bestandes möglich.

Landwirtschaftminister Till Backhaus (SPD) bestätigt, dass die Zunahme der Biberpopulation in den vergangenen Jahren zu vielen Konflikten geführt hätten. Die Änderung der europaweiten Richtlinie bedürfe jedoch einstimmiger Beschlüsse. Dennoch wolle er sich in Brüssel dafür einsetzen, dass Bestandsobergrenzen festgesetzt werden, mit denen Eingriffe in die Populationen erleichtert würden.

NEIN: Erfolgsgeschichte für Naturschutz

Jahrhundertelang wurde auf Biber Jagd gemacht. Erst wegen des Fells und des Fleischs, später wurde ihm der Lebensraum vom Menschen immer weiter weggenommen. Mit dem Ergebnis: Noch vor ein paar Jahren galt der Nager in MV als ausgestorben. Erst durch strenge Schutz- und Wiederansiedlungsmaßnahmen konnte sich die Population erholen.

„Das ist für mich und meine Fraktion eine Erfolgsgeschichte in Sachen europäischer Naturschutz“, meint Mignon Schwenke. Die Linken-Politikerin sieht den Populationsanstieg sogar als wirtschaftliche Chance. Mittlerweile gebe es eine steigende Nachfrage nach geführten Bibertouren. Solche Wanderungen werden zum Beispiel durch das Naturparkzentrum Sternberger Seenland am Wariner See angeboten.

Dennoch gibt Schwenke zu, die Entwicklung freue längst nicht jeden. „Es ist eine Tatsache, dass die vom Biber verursachten Schäden zunehmen. ... Die Entnahme von Tieren muss aus unserer Sicht trotzdem in jedem Fall eine Einzelfallentscheidung bleiben.“ Ansonsten werde ein „massenhaftes Abschießen von Bibern“ zu einfach gemacht.

Auch Ursula Karlowski, umweltpolitische Sprecherin der bündnisgrünen Landtagsfraktion kritisiert die Forderung der SPD und CDU. „Frau Schlupp beharrt unbeirrt auf ihrer unsinnigen Forderung, Biber auch ohne vorliegende Genehmigung abschießen zu dürfen, um auftretende Nutzungskonflikte zu lösen.“ Der Biber gehöre jedoch nach wie vor zu den vom Aussterben bedrohten Tierarten und stehe daher zu Recht unter Naturschutz.

Der Biberbeauftragte, Mathias Hippke, macht immer wieder deutlich, dass bisher aufgetretene Probleme mit dem Biber lösbar wären, so Karlowski. Vorbeugende Maßnahmen, wie Bibertäuscher und das Anbringen von Verbissschutz seien hierzulande sogar förderfähig. Die Grünenpolitiker empfiehlt daher, einen Managementplan einzuführen, der Schäden ausgleiche.

Schwenke ist dafür, dem Biber einem gleichartigen Monitoring zu unterstellen, wie es bei dem Wolf bereits getan wird. Ein unbürokratisches Beratungs- und Unterstützungsprogramm sei besser, „als gleich die ganz große Keule über Bundesrat und Bundesregierung zu schwingen“. Immerhin hätte MV seinen guten Ruf in Sachen Naturschutz zu verlieren.

„Der Biber hat zwei Feinde: Den Menschen und den Wolf“, sagt Schwenke. „Vielleicht brauchen wir einfach mehr Wölfe.“

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