Vogelgrippe : Geflügel muss in den Stall

Hochinfektiöser Virus in MV entdeckt. Mehr als 32 000 Tiere werden getötet

svz.de von
06. November 2014, 14:06 Uhr

Ab in den Stall: Nach dem Ausbruch der hochansteckenden Geflügelpest in einem 31 000 Tiere zählenden Putenstall im Altkreis Uecker-Randow ist in MV für Hausgeflügel in der Nähe von Wasserrastplätzen von Zugvögeln an Binnenseen und der Ostseeküste Stallpflicht angeordnet worden. Das gilt auch in Teilen Brandenburgs, teilte das Landwirtschaftsministerium gestern mit. Tiere in einem Sperrbezirk drei Kilometer um den Betrieb sollen vorsorglich getötet werden, kündigte Agrarminister Till Backhaus (SPD) an. Betroffen sind 81 Tierhalter mit 1300 Tieren. Weitere 230 000 Tiere im Umkreis von zehn Kilometern stünden unter Beobachtung. Die Restriktionen gelten mindestens für drei Wochen. Im Innenministerium sei ein Krisenzentrum eingerichtet worden.

Am Mittwoch war in einem Geflügelstall in Hinrichswalde in Vorpommern das bislang nur in Asien bekannte Influenzavirus vom Subtyp H5N8 entdeckt worden. Das hochpathogene Virus hat es bislang in Europa noch nicht gegeben, sagte Backhaus: „Das ist beunruhigend.“ Der Fall sei aber nicht mit dem Seuchenzug 2006 vergleichbar. Damals habe es ein massives Krankheitsgeschehen bei Wildvögeln gegeben.

In dem Stall habe es erhöhte Todesraten gegeben. Mehr als 2000 Tiere sind Backhaus zufolge bislang an dem Virus in „kürzester Zeit“ verendet. Der Betrieb wurde gesperrt, die 31 000 Mastputen werden vorsorglich getötet – bis Freitagabend.

Noch ist unklar, wie das Virus in den Stall gelangte. Experten des Bundesforschungsinstituts für Tiergesundheit fahnden vor Ort nach der Ursache. Eine Übertragung sei möglicherweise durch Vogelzug erfolgt. Bislang gebe es aber keine Hinweise, dass es ein weiteres Geschehen gebe, erklärte Backhaus. Tierhalter dürfen indes Hausgeflügel nur noch an Stellen füttern, die für Wildvögel nicht zugänglich sind. Futter und Einstreu seien vor Wildvögeln zu schützen.

Experten warnen indes vor Panik: Nach bisherigen Erkenntnissen sei keine Übertragung auf den Menschen festgestellt worden, sagte Backhaus. Solche Fälle seien auch nicht aus Südkorea bekannt, wo bereits hunderttausende Tiere getötet werden mussten. Der Chef des Bundesforschungsinstituts für Tiergesundheit, Thomas Mettenleiter, warnt dennoch, „dass jeder hochpathogene Erreger auch eine Gefährdung für den Menschen darstellen kann“.


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