Abzocke bei Ärzten in MV : Frauenärzte mit Talent als Verkäufer

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Keine Facharztgruppe bietet in MV so viele Privatzahler-Leistungen an

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30. November 2015, 06:00 Uhr

Ob Brust oder Eierstöcke: Ultraschalluntersuchungen zur Krebsfrüherkennung beim Frauenarzt gehören nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen, da es keine wissenschaftlichen Belege für ihren Nutzen gibt. Dessen ungeachtet versuchen viele Gynäkologen, sie ihren Patientinnen anzubieten – als Individuelle Gesundheitsleistungen (Igel), die aus der eigenen Tasche bezahlt werden müssen. Nach Angaben der Landesvertretung der Techniker Krankenkasse (TK) wurden 38 Prozent aller gesetzlich krankenversicherten Frauen in Mecklenburg-Vorpommern in einer Frauenarzt-Praxis schon einmal diese oder andere Privatzahler-Leistungen angeboten.

Auch Zahnärzte offerieren ihren Patienten gern Leistungen, die diese dann allein bezahlen müssen, allen voran die längst nicht von jeder Kasse übernommene professionelle Zahnreinigung: Laut TK werden einem Drittel aller Zahnarzt-Patienten Igel angeboten. Auch Augenärzte (29 Prozent), Urologen (17 Prozent der gesetzlich krankenversicherten Männer), Hautärzte (15 Prozent) und Allgemeinmediziner (11 Prozent) verkaufen oft und gerne Privatleistungen. Das geht aus dem „Meinungspuls Gesundheit“ der TK hervor, für den das Meinungsforschungsinstitut Forsa 2014 rund 2000 Menschen befragte. Demnach sind mehr als der Hälfte aller gesetzlich Versicherten schon einmal privat zu bezahlende Leistungen beim Arzt angeboten worden, jedem Dritten ist das sogar schon mehrfach passiert.

Manon Austenat-Wied, Leiterin der TK-Landesvertretung, rät dazu, sich niemals zur Inanspruchnahme einer Individuellen Gesundheitsleistung drängen zu lassen. „Igel sind niemals dringend“, betont sie und rät, zuerst Rücksprache beispielsweise mit seiner Krankenkasse zu halten. Ohne einen schriftlichen Behandlungsvertrag, in dem die einzelnen Leistungen und ihre Kosten aufgeschlüsselt werden und ohne Zustimmung des Patienten dürften Igel nicht erbracht werden, so Austenat-Wied. Zur umfassenden Aufklärung gehöre im Übrigen auch zu erläutern, warum eine Leistung nicht von den Krankenkassen bezahlt wird.

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