Bauchspeicheldrüsenkrebs : Forscher entwickeln Risikotests

Thomas Marschall untersucht an der Universität Greifswald  eine DNA-Sequenzierung.
Thomas Marschall untersucht an der Universität Greifswald eine DNA-Sequenzierung.

svz.de von
14. Dezember 2013, 00:36 Uhr

Mit neuartigen Testverfahren soll künftig das genetische Risiko für eine Erkrankung an Bauchspeicheldrüsenkrebs erfasst werden können. Mediziner und Biotechnologen aus Greifswald und Rostock entwickeln einen ersten genetischen Risikotest für die Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) und den Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom), so der Greifswalder Medizinprofessor Markus Lerch.

Das mit 2,2 Millionen Euro veranschlagte Projekt der Universitäten Greifswald und Rostock sowie der auf Gen-Diagnostik spezialisierten Rostocker Biotechnologiefirma Centogene wird mit gut einer Million Euro von Land und EU gefördert. In dem Projekt wollen die Forscher Biomarker für die akute und chronische Pankreatitis sowie das Pankreaskarzinom identifizieren und diagnostische Tests entwickeln. Sie hoffen, aus einer einfachen Blutprobe auf das Erkrankungsrisiko schließen zu können, um möglichen Risikopatienten rechtzeitig Vorsorgeuntersuchungen empfehlen zu können.

An Bauspeicheldrüsenentzündung erkranken in Deutschland jährlich rund 50 000 bis 60 000 Menschen, etwa 12 000 an dem als sehr gefährlich geltenden Bauchspeicheldrüsenkrebs. Die mittlere Lebenserwartung nach der Krebsdiagnose beträgt bei optimaler Therapie zwei bis drei Jahre, sagte Lerche. „Wir müssen unbedingt etwas tun.“ Größte Risikofaktoren für die Erkrankung seien Alkoholmissbrauch und das Rauchen. Dennoch würden häufig auch vollkommen gesund lebende Menschen an der Bauchspeicheldrüse erkranken.

Die Forscher gehen deshalb davon aus, dass nicht beeinflussbare genetische Faktoren als Auslöser eine Rolle spielen könnten. Basis bilden die Daten von 1000 Patienten, die in den vergangenen Jahren an der Unimedizin in Greifswald wegen Bauspeicheldrüsenerkrankungen behandelt wurden.

Mit neuen Analyseverfahren, der Next-Generation-Sequencing-Technologie, könnten Hunderte von Genen oder ganze Genome untersucht und bisher unbekannte Genmutationen identifiziert werden.

Die auf die genetischen und biochemischen Analysen spezialisierte Rostocker Firma Centogene setzt diese Verfahren bereits ein. Mit diesen Verfahren sollen auch die Biomarker identifiziert werden, die für Bauspeicheldrüsenerkrankungen verantwortlich sind.

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