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Flughafen Parchim : Flieger in Warteposition

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Neuer Flughafenterminal in Parchim im November fertig, Airport will Wartungsstandort für die Lufthansa werden

svz.de von
erstellt am 21.Okt.2015 | 21:00 Uhr

Die Gepäckbänder sind montiert, die Scanner der Gepäckkontrollen angeschlossen, die An- und Abflugschilder angeschraubt und die Halle für den künftigen Duty-Free-Shop hergerichtet: Auf dem Flughafen Parchim haben die ersten sechs Großraum-Flieger Warteposition bezogen – allerdings nur ausgemusterte Maschinen der asiatischen Airline China Eastern, die von Lufthansa-Technikern aus Hamburg gewartet und den Weiterverkauf vorbereitet werden. Ab Frühjahr sollen aber die ersten Passagierflieger aus dem Reich der Mitte in der mecklenburgischen Provinz landen, kündigte Flughafenchef Eugen Arnstedt jetzt bei einem Unternehmertreffen des Regionalmarketingvereins Mecklenburg-Schwerin an. Dazu werde noch im November der Bau des neuen Terminals abgeschlossen – eine 4000 statt bislang 900 Quadratmeter große Abfertigungshalle für mehr als 350 statt bisher etwa 100 Passagiere je Maschine. Das sei die unterste Grenze für eine ordnungsgemäße Abfertigung von Langstreckenfliegern, meinte Arnstadt. Nach Investitionen von drei Millionen Euro bleibe es zudem „ein Interims-Terminal“, solange bis der Neubau der eigentlich geplanten Abflug- und Ankunftshallen wegen Kerosinbelastung des dafür vorgesehenen Baugrundes stockt, sagte Arnstadt – eine Fertigbauhalle, spartanisch aber funktional, die nach einem Terminal-Neubau später als Technikhalle genutzt werden soll.

Nachdem Anfang des Jahres in Betrieb genommenen neuen Tower will der chinesische Flughafeneigner Jonathan Pang nach der Eröffnung des neuen Terminals ins Asien-Geschäft einsteigen: Ursprünglich sollten die ersten Fluggäste aus der Volksrepublik schon in diesem Jahr Kurs auf Parchim nehmen und dort ihre Deutschland- oder Europatour beginnen, hatte Flughafensprecher Jiasong Zheng noch im Frühjahr angekündigt. Verhandlungen mit Reiseanbietern und Tourismusvereinen im Nordwesten Chinas liefen, sagte Arnstadt. Nach Verzögerungen im Genehmigungsverfahren für den „Übergangs“-Terminals hätten die Reisepläne verschoben werden müssen.

Gelbe Hinweisschilder für Gate 1 und 2, Passkontrollstationen im neuen Terminal: Acht Jahre nach der Übernahme des ehemals von den sowjetischen Truppen genutzten Militärflughafens vermittelt Parchim zumindest manchmal den Hauch von Flughafenatmosphäre – vorerst nur, wenn die Lufthansa-Techniker die Turbinen der Wartungsmaschinen starten. Lange Genehmigungsverfahren, verzögerte Entscheidungen der chinesischen Geldgeber nach der politischen Eiszeit zwischen Deutschland und China nach dem Dalai-Lama-Besuch im Kanzleramt 2010: In den vergangenen Jahren sei die Entwicklung des Flughafens gelegentlich ins Stocken geraten. Jetzt aber sei man dabei, „den Flughafen betriebsfähig zu machen“, so Arnstadt. Künftig sollen drei bis fünf Charterflugzeuge pro Woche aus China in Parchim aufsetzen. Das Geschäft lohne, heißt es. Die Chinesen machten sich nach Europa auf, weiß Arnstadt – zum Einkaufen, zum Urlaub, Sightseeing. Darauf wolle Parchim vorbereitet sein: „In Kürze“ solle mit den Vorbereitungen für den Bau eines Airport-Hotels und einer exquisiten Shoppingmeile begonnen werden.

Der chinesische Flughafeneigner Pang wittert indes ein weiteres Geschäft: Mit Luftfracht sei nichts zu verdienen. 1,85 Euro würden derzeit für ein Kilogramm Luftfracht gezahlt – zu wenig. Vor Jahren seien es noch 5,50 Euro gewesen. „Der Markt ist zusammengebrochen“, sagte Arnstadt. Parchim sieht sich künftig vielmehr auch als Wartungsstandort für große Flieger – mit einer neuen Wartungshalle für den Riesenflieger A 380. „Es ist eine Vision“, meinte Arnstadt: „Ob es etwas wird, weiß ich nicht.“ Aber es gebe eine entsprechende Lufthansa-Option. Über die Finanzierung eines solchen Hangars sei man derzeit im Gespräch.  

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