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Tourismus : Fleesensee: Anleger zahlen drauf

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Modernisierte Hotels, bessere Vermarktung: neuer Eigner des Feriendorfes stellt Betriebskonzept vor. Totalverlust für einstige Geldgeber.

svz.de von
erstellt am 07.Okt.2014 | 07:50 Uhr

Die Rettung für eines der spektakulärsten Tourismusprojekte in MV, ein Desaster hingegen für hunderte Kapitalanleger: Das Feriendorf Land Fleesensee soll modernisiert und mit einem neuen Betreiberkonzept mehr Gäste anziehen. Dazu würden die verschiedenen Angebote besser koordiniert und vermarktet, stellte gestern der neue Eigner der Anlage, die Düsseldorfer Lindner-Investment Management (LIM), in München erstmals das neue Entwicklungskonzept vor. „Das Resort Land Fleesensee hatte bisher in erster Linie kein Qualitätsproblem, sondern ein Vermarktungsproblem“, sagt LIM-Manager Kai Richter. Bisher seien die touristischen Angebote dezentral durch die einzelnen Betriebe und Reiseveranstalter vermarktet worden. Das habe zu Streuverlusten, niedrigen Übernachtungsraten und einer geringen Auslastung geführt. Fleesensee sei bisher nicht als Marke verankert. Die Lindner-Gruppe wolle künftig die Marketingaktivitäten bündeln und sowohl auf den heimischen als auch internationalen Markt ausrichten, kündigte Richter an. Nach einem 22-monatigen Verhandlungspoker war Land Fleesensee vergangene Woche verkauft worden. Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden, so Richter.

Tausende Anleger gucken indes in die Röhre: 80-jährige Rentner aus Süddeutschland, kleine Sparer – knapp 2000 Anleger hatten in dem Prestigeprojekt in den 90er-Jahren eine lukrative Kapitalanlage gesehen und sich von Vertriebspartnern mit hochfliegenden Renditeaussichten, lukrativen Abschreibungsmodellen und Steuervorteilen locken lassen. Etwa 100 Millionen Euro hatten sie in den 90er-Jahren in einem Immobilienfonds für die 200 Millionen-Euro-Investition bereitgestellt – zwischen 30 000 und drei Million Mark, in einem Fall aber auch 15 Millionen Mark – eingebracht. Anfangs waren noch fünf Ausschüttungen von fünf Prozent überwiesen worden, später nur noch 0,5 Prozent, in den meisten Jahren aber nicht ein Cent. Jetzt herrscht Ebbe im Depot – Kapitalverlust. „Die Einlage sind sicher, ihr Wert richtet sich nach dem wirtschaftlichen Erfolg und damit dem Wert des Unternehmens“, hatte Fleesensee-Chef Detlev U. Fricke den Anlegern noch Mitte 2009 beteuert, als die Finanzprobleme immer offensichtlicher wurden – vergebens. Die Anteile seien verloren, gestand er gestern ein. Der Fonds habe nicht die Erträge gebracht, wie vor 15 Jahren erwartet. Im kommenden Jahr werde der Immobilienfonds voraussichtlich liquidiert.

Kritiker hatten immer wieder Missmangement für die Finanzprobleme verantwortlich gemacht – und offenbare Millionenzahlungen für die Finanzvermittlung. In der Not hatten die Anleger Ende 2012 einem Verkauf zugestimmt – unbestätigten Informationen zufolge für 47 Millionen Euro, die Höhe der Darlehensschuld. Mehr als ein Dutzend Anleger klagte gegen eine Vertriebsgesellschaft, die den Fonds seinerzeit angeboten hatte. Die Verfahren seien inzwischen alle beendet, erklärte der Göttinger Rechtsanwalt Markolf Schmidt. Der Ausgang: Es sei Stillschweigen vereinbart worden. Wie es in Göhren-Lebbin hieß, seien in einigen Fällen Vergleiche geschlossen worden.

Nordeuropas größtes Golf- und Ferienresort mit drei Hotels und Golfplätzen macht indes ohne den Fonds weiter: „Das operative Geschäft läuft wirtschaftlich“, meinte Fricke. „Das laufende Jahr konnten wir beispielsweise wirtschaftlich besser als im Vorjahreszeitraum abschließen.“ Etwa 30 Millionen Euro Umsatz bei einem Ergebnis von vier Millionen Euro bringe das Geschäft jährlich ein. Zu wenig, um den Kapitaldienst für einen Kredit in Schweizer Franken zu bedienen. Umgerechnet 54 Millionen Euro Darlehen: In 14 Jahren seien 16 Millionen Euro getilgt worden, die Verschuldung liege aber weiter bei 50 Millionen Euro, erklärte Fricke: Eine Ende der 90er-Jahre übliche Finanzierung, verteidigte er noch immer das Modell. Im Rückblick kommen aber auch ihm erste Zweifel: Heute wäre es schwer, ein solches Projekt in Mecklenburg-Vorpommern auf die Beine zu stellen, meint Fricke – in den 90ern sei aber die Zeit und die Erwartungen an den Standort hoch gewesen.

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