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Teure Altlasten : Firmen zahlen für Ex-IHK-Chefs

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Kammern in MV müssen für Rückstellungen von zwei Millionen aufkommen

svz.de von
erstellt am 11.Mai.2015 | 08:00 Uhr

Teure Altlasten: Auch Jahre nach dem Rauswurf oder der auf eigenen Wunsch erfolgten Abberufung mehrerer Hauptgeschäftsführer der drei Industrie- und Handelskammern (IHK) in MV müssen die 82 700 Mitgliedsfirmen noch immer für ihre Ex-Chefs Millionenlasten tragen. Mit ihren Beiträgen kommen sie für Pensionsrückstellungen von 2,2 Millionen Euro auf, geht aus Bilanzangaben der Kammern und des Bundesverbandes für Freie Kammern (bffk) hervor. Allein in Neubrandenburg sind für die Versorgung eines Anspruchsberechtigten bis Ende 2011 etwa 1,2 Millionen Euro zurückgelegt worden, so der bffk-Bericht. In Rostock sind es 383 000 Euro. Für wen, darüber wollte keine der Kammern Auskunft geben – aus Datenschutzgründen, sagte eine Sprecherin.

In Schwerin profitiert offenbar der nach heftigem Streit mit dem Präsidium 2009 vor die Tür gesetzte Ex-Hauptgeschäftsführer Klaus-Michael Rothe. Sieben Jahre nach seinem Rauswurf haben sich die Rückstellungen für seine Pension mehr als verdreifacht – von 175 749 Euro 2007 auf inzwischen 574 377 Euro Ende 2013, wird im Transparenzbericht des Industrie- und Handelskammertages (DIHK) angegeben. Seine Pensionsregelung wird in der Kammer bis heute als eines der größten Geheimnisse gehütet. Die Kammer selbst machte keine Angaben. Nur so viel: Durch Zinsanpassungen und die Rentenentwicklungen müssten die Rückstellungen angepasst werden, sagte ein Sprecher. Das werde jährlich von Wirtschaftsprüfern begutachtet.

Pikant im Rothe-Fall: Während der Jurist als Aufbauhelfer von der IHK Kiel Anfang der 90er-Jahre in Schwerin für sich offenbar vorteilhafte Versorgungsvereinbarungen aushandelte, verlängerte er später die Arbeitszeit der Kammermitarbeiter um zwei auf 42 Wochenstunden ohne Gehaltsausgleich. Zudem mussten die Angestellten über Jahre auf Lohnerhöhungen verzichten.

Die Pensionsrückstellungen für IHK-Chefs, für Kammerkritiker ein Skandal: Sie seien nicht gerechtfertigt, beklagte bffk-Chef Kai Boeddinghaus: „Ein klassischer Fall von Selbstbedienungsmentalität.“

Für die IHK-Mitglieder werden die Lasten immer größer: Alle 80 IHK in Deutschland haben Pensionsrückstellungen von fast einer Milliarde Euro zurückgelegt, so der IHK-Transparenzbericht. Die beiden Handwerkskammern in MV verzichten indes nach eigenen Angaben auf Pensionsregelungen.  

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