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Ludwig-Bölkow-Technologiepreis : Firmen stocken Forschungsetat auf

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wirtschaft in MV verfünffacht Ausgaben / Land hebt bis 2020 Technologieförderung an

svz.de von
erstellt am 09.Okt.2014 | 20:31 Uhr

An die Stärke wird Mecklenburg-Vorpommern auch die nächsten Jahrzehnte nicht heranreichen: Die Autoindustrie, der Maschinenbau, die Pharmabranche – die Dominanz der Forschungs- und Entwicklungsabteilungen der westdeutschen Großindustrie ist kaum zu schlagen, glaubt Gero Stenke. Das fehle im Osten, beobachtet der Experte des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft. Gerade noch Sachsen sei etwas besser aufgestellt: „Aber Mecklenburg-Vorpommern fällt da runter.“

In den Forschungsabteilungen bekommt Mecklenburg-Vorpommern die eigene Strukturschwäche zu spüren: Die Unternehmen im Nordosten verfügen über die kleinsten Forschungsetats bundesweit. Einer Analyse des Stifterverbandes gab die Wirtschaft im Nordosten 2011 lediglich 242 Millionen Euro für Forschung und Entwicklung aus – der viertniedrigste Wert bundesweit. 2189 Mitarbeiter seien in MV in den Forschungsabteilungen beschäftigt. Zum Vergleich: Beim Spitzenreiter Baden-Württemberg gab die Wirtschaft 15,7 Milliarden Euro aus und beschäftigte 97 548 Mitarbeiter. In MV fehle es an Industrie, forschungsstarken Unternehmen und technologieintensiven Industriezweigen, meinte Strukturökonom Gerhard Heimpold vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Damit habe es das Land schwerer, „Potenziale für einen Zuwachs von Wirtschaftskraft und Produktivität nutzbar zu machen“.

Es entwickelt sich: Neue Produkte wie die, die gestern in Rostock mit dem Ludwig-Bölkow-Technologiepreis des Landes und der drei Industrie- und Handelskammern (IHK) ausgezeichnet wurden, lassen hoffen. Gegen die gewachsenen Strukturen im Süden könne sich MV zwar nicht behaupten, meint Stenke. Aber in Nischenbereichen könne das Land punkten. Die Firmen in MV versuchen es und stocken inzwischen ihren Forschungsetat auf: So haben sie – von einem vergleichsweise niedrigen Niveau aus – in den vergangenen zehn Jahren die Ausgaben fast verfünffacht und 2011 drei Mal mehr Entwickler angestellt als noch 2001, ermittelte der Stifterverband. Auch mit Hilfe des Landes: Es müsse gelingen, „die Potenziale der Wissenschaft des Landes noch stärker für die Entwicklung der regionalen Wirtschaft zu nutzen“, forderte Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) gestern in Rostock. Dazu sollten die Unternehmen die Verbundforschung – die Kooperation von Hochschulen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen und heimischen Unternehmen – besser nutzen. In den kommenden Jahren pumpt Glawe Millionen in den Fördertopf: Bis 2020 könnten entsprechende Projekte mit 168 Millionen Euro EU-Hilfe unterstützt werden. „Die Mittel für die Förderung von Forschung und Entwicklung sind um fast zehn Prozent aufgestockt worden“, sagte Glawe.

Trotzdem: Die Beihilfen für die Verbundforschung seien „sinnvoll angelegtes Geld“, meint Gero Stenke vom Stifterverband. Das biete vor allem kleineren Firmen die Chance, sich an Forschungsprojekten zu beteiligen, die sie allein kaum bezahlen könnten. Doch die Förderung allein könne das Defizit nicht ausgleichen, meint Stenke. Schnelle Fortschritte sind nicht zu erwarten: „Es dauert, bis sich ein Saatbeet entwickelt.“ Neben der Förderung würden überregionale Kooperationen beispielsweise in der Metropolregion Hamburg Chancen bieten, die Forschungsdefizite auszugleichen, erklärt Strukturökonom Heimpold.

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