zur Navigation springen

Ausbildung : Firmen holen ausländische Lehrlinge

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

550 junge Leute aus europäischen Staaten beginnen in diesem Jahr eine Ausbildung in MV – die meisten in Hotels und Gaststätten

svz.de von
erstellt am 18.Aug.2014 | 07:45 Uhr

Ein Pärchen aus Spanien beginnt am 1. September eine Ausbildung im Schweriner Hotel Arte, zwei junge Polen lernen in der Agrargemeinschaft Holthusen bei Schwerin und werden Landwirt und Landmaschinenmechaniker. Viele Unternehmen vergeben Lehrstellen mangels deutscher Bewerber an ausländische Jugendliche.

Bei der Firma SME Stahl- und Metallbau Dömitz bewarb sich in diesem Jahr niemand für eine Lehrstelle, wie die Personalverantwortliche Anika Ehbrecht sagte: „Dann wurden wir angesprochen ob wir einem Spanier über das Sonderprogramm MobiPro des Bundes ein Praktikum geben wollten.“ Das klappte, und vom 1. September an wird der Südeuropäer Metallbau-Lehrling in dem Dömitzer Unternehmen mit 62 Beschäftigten sein. Für die Verständigung brauche man manchmal Hände und Füße, was aber kein Problem sei. Auch Polen arbeiten schon in der Firma, ein junger Schwede macht ein Praktikum.

Wie der Sprecher der Landesagentur für Arbeit, Horst Schmitt, mitteilte, beginnen im neuen Ausbildungsjahr 550 junge Leute aus dem europäischen Ausland in MV eine Lehre, etwa ebenso viele wie im Vorjahr. Mehr als ein Drittel findet eine Stelle im Hotel- und Gaststättenbereich. Dort wurden Ende Juli noch 420 Köche, 380 Restaurant- und 360 Hotelfachleute gesucht. Damit war fast jede vierte der noch 4700 freien Lehrstellen im Land eine im Hotel- und Gaststättengewerbe. „Die Kollegen haben überwiegend gute Erfahrungen gemacht“, sagte Jana Maiwirth vom Präsidium des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in MV. „Wir haben viele junge Spanier, die jetzt das zweite Lehrjahr beginnen“, berichtete sie. Die Ausländer, die über MobiPro-EU nach Deutschland kommen, lernen in ihrer Heimat Deutsch, dann absolvieren sie ein Praktikum in deutschen Betrieben.

Im Hotel Neptun in Warnemünde sind jetzt sieben von 60 Lehrlingen Ausländer. Die jungen Leute aus Spanien, Italien und Polen haben ihr Praktikum hinter sich, wie die stellvertretende Personalleiterin Jutta Lange sagte. Das Hotel verspreche sich mehr Qualität von ihnen als von den wenigen deutschen Bewerbern.

Die Landwirtschaft kann ebenfalls seit Jahren nicht alle Lehrstellen besetzen. So blieben in der Agrargemeinschaft Holthusen bei Schwerin immer wieder Ausbildungsplätze frei. „Ich habe Bedarf angemeldet bei der Arbeitsagentur“, sagte Geschäftsführerin Brigitte Roost-Krüger. Ihr wurden zwei arbeitslose Polen, beide Mitte 20, zum Praktikum vermittelt. Es passte – nun bildet der Betrieb die beiden aus. Insgesamt waren in Mecklenburg-Vorpommern Ende Juli nach Angaben der Arbeitsagentur noch 4700 Ausbildungsplätze frei. Der Geschäftsführer der Arbeitsagentur Stralsund, Jürgen Radloff, meint: „Viele Lehrstellen werden vermutlich unbesetzt bleiben.“

Ende Juli gab es in MV allerdings auch noch 2900 Jugendliche, die noch keinen Ausbildungsbetrieb fanden oder sich noch nicht für eine Lehrstelle entschieden hatten. Margit Haupt-Koopmann, Chefin der Landesagentur für Arbeit, wird nicht müde, an die Unternehmer zu appellieren, sich auch Jugendliche anzuschauen, die auf den ersten Blick nicht geeignet erscheinen. Sie könnten die so genannte Einstiegsqualifizierung zum Kennenlernen nutzen, erläuterte sie. In MV sind nach Angaben ihres Sprechers derzeit 288 Jugendliche in solch einem Praktikum. „Da könnten wir uns mehr vorstellen“, sagte er. Schleswig-Holstein zum Beispiel habe mit 588 doppelt so viele. Das Langzeitpraktikum zwischen sechs und zwölf Monaten ist für die Unternehmen kostenlos. Die Bundesarbeitsagentur übernimmt die Sozialversicherungsbeiträge für die Jugendlichen und zahlt jedem 216 Euro im Monat. „Die Arbeitgeber, die es ausprobiert haben, haben zwei Drittel der Leute übernommen“, sagte Schmitt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen