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Wirtschaft : Fernbus ist da stark, wo die Bahn schwach ist

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Jeden Monat neue Linien: Branche boomt / Zahl der Verbindungen verdoppelt / Busunternehmer schließen die Fläche an

Freie Fahrt im Überlandverkehr: Seit einem Jahr machen Fernbusse der Bahn Konkurrenz und bieten eine kostengünstige Alternative. Mehr als ein Jahr nach der Liberalisierung des Fernbusmarktes stehen die Fahrgäste bei den fünf großen Linienbetreiber im Deutschlandverkehr Schlange. Inzwischen können Fahrgäste auf mehr als 5100 innerdeutschen Fahrten pro Woche wählen, geht aus einer Marktstudie das Berliner IGES Instituts und des Bundesverbandes Deutscher Omnibusunternehmen hervor. Rostock-Dresden, Hamburg-Berlin, Düsseldorf-München, Flensburg-Kiel-Berlin – monatlich kommen neue Verbindungen hinzu. Allein im ersten Jahr des freien Busmarktes hat sich das Angebot verdoppelt – von anfänglich 61 Linien Anfang 2013 auf mehr als 140 zu, ermittelte IGES. Mittlerweile verbinden mehr als 220 Buslinien Deutschlands Regionen. Heiß umkämpft: Die Strecke Hamburg-Berlin. Vier Busgesellschaften verbinden die beiden Städte.

Von Fernbusangeboten profitieren vor allem mittelgroße Städte, aber auch strukturschwache Regionen, in denen vorher Reisemöglichkeiten fehlten. „Wir sehen deutlich, wie Anbieter gezielt Strecken anbieten, wo es vorher nichts gab und eine Mindestmenge an Fahrgästen zu erwarten ist“, erklärte Studienautor Christoph Gipp.

Für Torben Greve, Chef des nach eigenen Angaben Marktführers MFB MeinFernbus GmbH ist die Erfolgsfahrt der Fernbusse längst nicht beendet: In diesem und im nächsten Jahr – „die Expansionswelle geht weiter“, schätzt der 39-Jährige. Inzwischen seien von den fünf großen Wettbewerbern die großen Städte mit neuen Buslinien verbunden worden – jetzt gehe es in die Fläche: „Da ist der Bus stark, weil die Bahnangebote meist schlecht sind.“ Allerdings sei auf dem Markt mit einer Konsolidierung zu rechnen. So müsse mit Zusammenschlüssen gerechnet werden, sagte der Busmanager. „Aber das Geschäft nimmt von Monat zu Monat zu.“

Das Staatsunternehmen Deutsche Bahn bekommt die Konkurrenz auf der Straße indes zu spüren: 40 Millionen Euro Fahrgeld gehe dem Unternehmen verloren, schätzt der Transportriese. Ein Drittel des Fernbus-Jahresumsatzes komme von Kunden, die eigentlich mit dem Zug gefahren wären, so die Bahn. Die Klagen kann MeinFernbus-Chef Greve nicht nachvollziehen: „Mit ihren eigenen Fernbusangeboten kanibalisiert sich die Bahn selbst.“ Nur etwa zehn Prozent der Fahrgäste bei MeinFernbus stiegen von der Bahn auf den Bus um. Allerdings: „Je schlechter das Bahnangebot, umso mehr Kunden nehmen den Bus.“

Zwei von fünf Fahrgästen bis 29 Jahre, aber auch Rentner, Familien, bisherige Autofahrer: Vor allem die günstigen Preise treiben immer mehr Fahrgäste in den Bus. 60 bis 70 Prozent billiger als die Bahn – das zieht an. Dabei seien die Preise in den vergangenen Monaten weiter gefallen, beobachtete Greve. Die Jagd um Marktanteile entscheiden die die Busunternehmen über den Preis für sich.

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erstellt am 09.Apr.2014 | 18:27 Uhr

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