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Feldversuch umkurvt MV

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Schwerin | Der Nordosten wird sich nicht an einem von der Bundesregierung ab 2011 geplanten bundesweiten Feldversuch für übergroße Lkw beteiligen. Das sagte gestern gegenüber unserer Redaktion Verkehrsminister Volker Schlotmann (SPD). "Aber wir werden den Verlauf des Versuchs beobachten und uns die Auswertung genau anschauen. Das Ziel muss es bleiben, Güterverkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern und nicht umgekehrt. Der Feldversuch ist in mehreren Bundesländern sehr umstritten", ließ der Minister Skepsis gegenüber den Plänen erkennen.

Erhebliche Bauchschmerzen hat damit auch die Naturschutzorganisation BUND in MV. "Das bringt nur mehr Waren auf die Straße. Wir sind dafür, den Bahnverkehr deutlich zu stärken", sagte Experte Arndt Müller. Genau umgekehrt verhalte es sich, meint hingegen LdV-Geschäftsführer Norbert Voigt: "Aus drei Fahrten werden zwei. Besonders bei Waren mit geringem Gewicht, aber großem Volumen - beispielsweise Dämmstoffen - wird sich das auswirken." Und - die Bahn sei gar nicht in der Lage, mehr Transport zu übernehmen: "Das sind nur fromme Wünsche und Sprüche."

Das Interesse der Spediteure an den neuen Lkw sei groß, begründete auch das Bundesverkehrsministerium seinen Feldversuch-Vorstoß: 300 bis 400 Unternehmen hätten bereits signalisiert, sich beteiligen zu wollen, hieß es. Mit 60 Tonnen Gesamtgewicht und 25 Metern Länge sind die Riesen-Lkw sieben Meter länger und 20 Tonnen schwerer als bisher zugelassene Lkw. Das Höchstgewicht beim geplanten Feldversuch bleibe aber auf 40 bis 44 Tonnen begrenzt.

Auch Sicherheitsbedenken lässt unterdessen LdV-Geschäftsführer Voigt nicht gelten. Bislang habe es noch keinen Unfall mit den getesteten Mega-Linern gegeben. Auch verfügten die Groß-Lkw über eine Achse mehr. "Wo Straßen und Brücken es zulassen, kann ohne weiteres damit gefahren werden - natürlich nicht in der Innenstadt", betonte der Geschäftsführer. Geplant sei, dass die Giga-Liner so genannte Güterverkehrszentren außerhalb ansteuerten. Von dort aus werde dann der weitere Transport abgewickelt.

BUND-Experte Müller befürchtet aber, dass mit der Einführung der Monster-Trucks der Ruf nach dem Ausbau der Infrastruktur einhergehe, was wiederum zu mehr Verkehr auf der Straße führe. Schon jetzt erhalte man monatlich mehrere Hilfeanrufe von Bürgern, die durch den so genannten Maut-Ausweichverkehr genervt seien. Müller bleibt dabei: "Schiene muss vor Straße gehen."

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erstellt am 30.Aug.2010 | 07:19 Uhr

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