P+S-Pleite : Fehler im Werft-Gutachten

Als Zeugen geladen: Finanzministerin Polzin, Wirtschaftsminister Glawe
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Als Zeugen geladen: Finanzministerin Polzin, Wirtschaftsminister Glawe

Minister vor Untersuchungsausschuss: Haftungsansprüche gegen KPMG ungewiss

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23. März 2015, 20:51 Uhr

Nach der P+S-Pleite setzt die Landesregierung bei ihren Entscheidungen über Finanzhilfen für die Werften stärker auf eigenen Sachverstand. Das Wirtschaftsministerium habe einen Schiffbau-Sachverständigen eingestellt, sagte Minister Harry Glawe (CDU) gestern im P+S-Untersuchungsausschuss des Landtags auf die Frage, welche Konsequenzen aus der Insolvenz der Schiffbaubetriebe in Stralsund und Wolgast 2012 gezogen worden sind. „Wir haben das Schiffbaureferat verstärkt, das war eine der Maßnahmen.“ Im Fall der P+S-Werften steht schon seit längerem das teure Gutachter-Wesen in der Kritik.  Glawe sagte bereits als zweiter Zeuge im Untersuchungsausschuss, dass das Sanierungsgutachten der Beratungsfirma KPMG fehlerhaft gewesen sei. Das habe ein Prüfgutachten im Auftrag seines Hauses ergeben. Genaueres wollte er nicht mitteilen, da die Endfassung des Berichts erst in den nächsten Tagen erwartet werde. Das Papier soll am 9. April dem Finanzausschuss des Landtags vorgestellt werden.

Auf dem Gutachten von Anfang 2010 basierten die Finanzhilfen des Landes für die P+S-Werften, die trotz der millionenschweren Hilfen des Landes im August 2012 Insolvenz anmeldeten. Das Land verlor mehr als 200 Millionen Euro. Über die Folgen der möglichen Fehler im KPMG-Gutachten äußerte sich Glawe vorsichtig: Sie bedeuteten nicht, dass die Sanierungsfähigkeit von P+S unter keinen Umständen hätte positiv bewertet werden können, sagte er.  Haftungsansprüche gegen das Beratungsunternehmen, das das Gutachten Anfang 2010 erstellte, seien ungewiss und mit erheblichen Prozessrisiken behaftet. Auch Finanzministerin Heike Polzin (SPD), die gestern nach Glawe in den Zeugenstand des Untersuchungsausschusses trat, warnte vor Schnellschüssen. „Ich würde mich scheuen, einen Stein zu werfen, bevor nicht alles belastbar vor mir liegt“, sagte sie. Alles andere käme einer Vorverurteilung gleich. 

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