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Insolvenz: Tochter Meike will kein Mitleid : Familie Schlecker ist am Ende

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Die Stimme ist brüchig, die großen Augen blicken traurig. Seit der Nachricht der Schlecker-Insolvenz sei viel darüber geschrieben worden, dass ihr Vater Anton auf einem Milliardenvermögen sitze, sagt Meike Schlecker.

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erstellt am 30.Jan.2012 | 07:22 Uhr

Ehingen | Die Stimme ist brüchig, die großen Augen blicken traurig zu den Journalisten. Seit der Nachricht der Schlecker-Insolvenz sei viel darüber geschrieben worden, dass ihr Vater Anton auf einem Milliardenvermögen sitze, sagt Meike Schlecker. "Das ist falsch, das Vermögen meines Vaters war immer das Unternehmen." Die ganze Familie - ihr Vater, sie und ihr Bruder Lars - hätten dreistellige Millionenbeträge investiert, um das Unternehmen zu unterstützen. "Es ist kein signifikantes Vermögen mehr da, sonst würden wir nicht hier sitzen und hätten keine Insolvenz angemeldet", stellt sie fest.

Schlecker hat zu einer Pressekonferenz eingeladen. Das grenzt fast an eine Sensation. Das Unternehmen hatte zuletzt 1990 an den Firmensitz in Ehingen geladen. Neben Meike Schlecker stellen sich der vorläufige Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz sowie der Finanzchef des Unternehmens, Sami Sagur, den Fragen. Das Interesse ist groß, schließlich ist die größte Drogeriemarktkette Deutschlands mit über 30 000 Mitarbeitern pleite.

Der Spott der Konkurrenz über ein veraltetes Konzept, die Rufe nach dem Firmenpatriarchen, der mit seinem Privatvermögen einspringen soll - für Meike Schlecker Falschinformationen, die es gerade zu rücken gilt.

Sie trägt ein Jackett, die blonden Haare offen. Der 2010 begonnene Konzernumbau wäre im März beendet worden, sagt die 38-Jährige. Die eingeleiteten Maßnahmen wie die Einführung eines neuen Logos, die Verschönerung der Märkte und die Schließung unprofitabler Filialen seien richtig. Es sei "bitter", dass so kurz vor der Umsetzung die Insolvenz kam.

Schlecker will aber weitermachen und ist stolz darauf, dass die Firma auch nach dem Konzernumbau immer noch mehr Filialen besitzt als die gesamte Konkurrenz. "Wir geben uns kämpferisch", sagt Meike Schlecker.

Mitleid lehnt sie dagegen etwas melodramatisch ab: "Ich will mich nicht beschweren und wir werden zurechtkommen", diktiert sie den Journalisten in die Blöcke.

Insolvenzverwalter Geiwitz ist vom Amtsgericht Ulm derweil zum "starken" vorläufigen Verwalter bestimmt worden. Damit hat er die gesamte Befugnis über das Vermögen von Anton Schlecker übernommen. Das sei ein wichtiges Signal an die Gläubiger. Die wichtigsten Lieferanten hätten inzwischen wieder ihre Arbeit aufgenommen.

Geiwitz sagt, Anton Schlecker habe ihm gegenüber geäußert, dass er das Geschäft auf die nächste Generation überleiten wolle. "Eine Familienlösung wird es nur mit Zustimmung der Gläubiger geben", sagte Geiwitz aber.

Die Dienstleistungsgesellschaft ver.di forderte, beim Konzept auf die mehr als 30 000 Beschäftigten zu setzen. Die Erfahrung und der Sachverstand der Beschäftigten seien nun gefragt, sagte das für den Handel zuständige Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger.

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