Firmen aus MV : Fairer Handel gefragt wie nie

Vertreiben Bio-Kinderkleidung aus Fairem Handel: Cornelia Helms (l.) und Katharina Schlaak aus Rostock.
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Vertreiben Bio-Kinderkleidung aus Fairem Handel: Cornelia Helms (l.) und Katharina Schlaak aus Rostock.

Umsatz nachhaltiger Produkte wächst in Deutschland auf neues Rekordhoch: Auch Firmen aus MV setzen auf mehr Gerechtigkeit

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26. November 2014, 11:50 Uhr

Kaffee, Schokolade, Bananen oder Blumen: Immer öfter landen fair gehandelte Produkte in den Einkaufstaschen der deutschen Verbraucher. Der Handel mit nachhaltigen Produkten boomt und der Markt wächst stetig – auch in MV. Jedes Jahr werden neue Rekordumsätze vermeldet.

Im vergangenem Jahr kauften die Bundesbürger dem Verein Transfair zufolge faire Produkte für einen Gesamtwert von rund 654 Millionen Euro. Damit gab jeder Deutsche knapp acht Euro pro Kopf für gerecht gehandelte Waren aus. „Immer mehr Verbraucher legen Wert auf einen sozial und ökologisch verantwortlichen Konsum“, begründet Kai Falk, Geschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE), die Entwicklung. Produkte die das blau-grüne Fair-Trade-Siegel tragen, stehen für einen umweltschonenden Anbau sowie angemessene Entlohnung und Arbeitsbedingungen der Produzenten und Händler in Entwicklungsländern.

Der Handel reagiere auf die gestiegene Nachfrage und baue seine Sortimente entsprechend aus, so Falk. Mittlerweile seien mehr als 4000 Fair Trade zertifizierte Artikel in bundesweit knapp 42 000 Geschäften erhältlich. „Die beinahe flächendeckende Versorgung mit Fair-Trade-Produkten ist nur möglich, weil auch Discounter und Supermärkte entsprechende Waren in ihre Sortimente aufgenommen haben“, erklärt Falk.

Verglichen mit dem Gesamtumsatz im Einzelhandel von über 430 Milliarden Euro sei Fair Trade aber nach wie vor ein Nischengeschäft. Das bestätigt auch Ralf Göttlicher von der „Aktionsgruppe Eine Welt Schwerin“. Der Verein ist Träger des Weltladens in der Landeshauptstadt, der eine vielfältige Auswahl an Fair Trade Produkten anbietet. Zum Sortiment gehören unter anderem Kaffee, Kakao, Tee und Schokolade, ebenso wie Taschen, Schmuck und anderes Kunsthandwerk – alles zu hundert Prozent fair produziert und gehandelt. Knapp 800 solcher Läden gibt es in Deutschland.

„Der Hauptumsatz wird zwar in den Supermärkten erzielt, aber auch wir merken eine Steigerung“, so Göttlicher. Dennoch sehe er noch Potenzial. „Es gibt noch viele, die mit dem Konzept Fair Trade nichts anzufangen wissen. Das wollen wir ändern“, sagt er. Denn: Zu den Aufgaben des Vereins gehöre nicht nur der Verkauf gerecht gehandelter Waren, sondern auch Bildungsarbeit. So setzen sich die Mitglieder dafür ein, das Thema in der Gesellschaft bekannter zu machen und die politischen Rahmenbedingungen für Fair Trade zu verbessern.

Kritisch sieht er in diesem Zusammenhang die Vergabekriterien des Fair-Trade-Siegels. Denn nicht überall wo Fair-Trade draufsteht, ist auch zu 100 Prozent Fair-Trade drin. „Einige Produkte sind Mischprodukte mit einem Anteil an fair gehandelten Waren unter 20 Prozent. Dennoch dürfen sie das Siegel tragen“, so Göttlicher. Kritiker fordern deshalb, dass es möglich sein muss, nur einzelne Bestandteile als Fair-Trade zu deklarieren – nicht das ganze Produkt. Das soll für mehr Transparenz sorgen. „In der Handelsszene ist darüber eine heftige Diskussion entbrannt“, sagt Göttlicher.

Hundertprozentig fair produzierte und gehandelte Produkte anzubieten, war Cornelia Helms (38) und Katharina Schlaak (34) wichtig. Die Rostockerinnen betreiben seit Juni 2012 einen Online-Versandhandel für Kindermode. Unter www.fairgissmeinnicht.de bieten sie eine Auswahl an Bodies und Strampler für Babies ab 3 Monaten sowie kurz- und langärmlige Oberteile für Kinder bis 8 Jahren an. Ihre Mode aus fairem Handel ist komplett aus Bio-Baumwolle hergestellt und mit Motiven aus auf wasserbasierten Farben bedruckt. „Wir sind selbst Mütter und haben lange nach Kindermode gesucht, die ökologisch produziert ist und unseren Ansprüchen an Nachhaltigkeit und sozialer Verantwortung entspricht. Doch leider war unsere Suche meist erfolglos. Also haben wir ein eigenes Label gegründet“, erklärt Helms.

Von den Verkäufen leben können die Unternehmerinnen nicht – noch nicht. Helms: „Wir sind erst zwei Jahre am Markt, haben auch nicht viel Werbung gemacht. Aber auch wir merken eine gesteigerte Nachfrage. Die Kunden, die bei uns eingekauft haben, kommen gern wieder.“

HINTERGRUND:

Beliebte Fair-Trade-Produkte
Im vergangenem Jahr kauften deutsche Verbraucher Fair-Trade-Waren im Wert von 654 Millionen Euro. Den größten Anteil machte der Absatz von Kaffee aus. Mehr als 11000 Tonnen konnten für fast 300 Millionen Euro verkauft werden.  Blumenverkäufe  erzielten einen Umsatz von rund 103 Millionen Euro (etwa 324 Millionen Stiele). Für mehr als 58 Millionen Euro (rund 1000 Tonnen) konnten Bananen abgesetzt werden. Quelle: Transfair

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