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Agrarkommissar Ciolos will ostdeutsche Landwirte beruhigen : EU: Großbetriebe nicht benachteiligen

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EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos will eine finanzielle Benachteiligung großer Agrarbetriebe in der neuen EU-Förderperiode nach 2013 verhindern. Damit versuchte er, die Bedenken ostdeutscher Landwirte zu zerstreuen.

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erstellt am 06.Apr.2011 | 10:15 Uhr

Rogeez | EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos will eine finanzielle Benachteiligung großer Agrarbetriebe in der neuen EU-Förderperiode nach 2013 verhindern. Auf einer Podiumsdiskussion gestern in Rogeez (Müritzkreis) versuchte er, Bedenken ostdeutscher Landwirte zu zerstreuen. Gerade in Mecklenburg-Vorpommern dominieren große Betriebe.

"Ich habe verstanden, dass es in Ostdeutschland eine spezielle Situation gibt, die berücksichtigt werden muss", sagte Ciolos. Sie sollten nicht benachteiligt werden. Nach den Worten von Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Till Backhaus (SPD) liegt die durchschnittliche Betriebsgröße im Land bei 250 Hektar. Der EU-Kommissar plädiert dennoch für eine Kappung der Beihilfen bei einer bestimmten Betriebsgröße.

Er differenzierte zwischen großen Kooperativen, die ähnlich wie Familienbetriebe wirtschaften, und großen Kapitalunternehmen "auf Prämienjagd". Zwischen ihnen zu unterscheiden, sei oft schwierig.

Man müsse der Bevölkerung transparent machen, wofür öffentliche Gelder ausgegeben werden, sagte Ciolos. Nach seinen Worten sollen 30 Prozent der Beihilfen für Umweltleistungen der Landwirte, das sogenannte Greening, gezahlt werden. Dafür solle es keine Kappungsgrenze geben. 70 Prozent seien Einkommensunterstützungen. Die Zahlungen dafür sollten eine Obergrenze haben. Betriebe mit vielen Beschäftigten sollten mehr Beihilfen erhalten als solche mit wenigen.

Ciolos widerspach Mecklenburg-Vorpommerns Bauernpräsidenten Rainer Tietböhl, der sich durch die Kappung in der unternehmerischen Entwicklung seines Betriebes eingeschränkt sieht. "Damit bestimmen Sie, wohin ich meinen Betrieb entwickeln kann", kritisierte Tietböhl.

Agrarminister Backhaus lehnte in der Diskussion eine Kappungsgrenze erneut ab. "Jeder Hektar ist uns gleich viel wert", sagte er. 50 bis 60 Prozent der Landwirtschaftsbetriebe im Land hingen von den EU-Ausgleichszahlungen ab. "Wenn es die nicht gäbe, wären die Betriebe weg", sagte er.

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