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Baustelle Nord : Es stockt nicht nur auf der A 14

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Erneut müssen die Bauarbeiten an der A 14 ausgesetzt werden – dieses Mal nördlich von Magdeburg zwischen Colbitz und Dolle. Wie das Bundesverwaltungsgericht gestern in Leipzig urteilte, sind die Planungen rechtswidrig und nicht vollziehbar.

So wie beim Planungsstopp an der A 14 kommt es auch bei anderen großen Verkehrsprojekten im Norden immer wieder zu Verzögerungen. Ob A 20, Fehmarnbelt-Querung, Schnellstraße 96n auf Rügen, Nordostseekanal oder ein Autobahnzubringer in Schwerin – immer öfter bremsen fehlende Finanzen oder Gerichte wichtige Bauvorhaben. So ist es auch bei der südlichen Trasse der A 14 oberhalb von Magdeburg. Während in Mecklenburg-Vorpommern die Bauarbeiten planmäßig voranschreiten, kommt es jetzt zu deutlichen Verzögerungen in Sachsen-Anhalt.

Die Umweltschutzorganisation BUND hatte gegen das Bauprojekt vor dem Bundesverwaltungsgericht geklagt und Recht bekommen. „Es ist falsch und schlecht geplant worden. Wir werden das Verfahren natürlich weiter verfolgen, aber bis hierhin ist unsere Arbeit erst einmal getan“, sagte Oliver Wendenkampf, BUND-Landesgeschäftsführer von Sachsen-Anhalt gestern. Das Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt hat nun die Möglichkeit bekommen, in einem ergänzenden Verfahren die Mängel in der Planung zu beseitigen. Das kostet Zeit. Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Thomas Webel (CDU) rechnet damit, dass sich die Fertigstellung der A 14 von Magdeburg bis Stendal um ein Jahr verzögern wird. Zur Beschleunigung der weiteren Planungen wolle man 40 Fachleute zusätzlich einsetzen.

In Mecklenburg-Vorpommern geht das Verkehrsministerium davon aus, dass die vom Gericht verhängten Nacharbeiten in Sachsen-Anhalt schnell erledigt werden. Die A 14 sei ein wichtiges Verkehrsprojekt und habe hohe Priorität, sagte Ministeriumssprecher Steffen Wehner.


Elbquerung könnte das Projekt weiter verzögern

 

Die Industrie- und Handelskammer zu Schwerin (IHK) zeigte sich angesichts des Baustopps besorgt und forderte gestern erheblich mehr Verantwortungsbewusstsein und eine akribische Arbeitsweise im Planungsprozess von den Verantwortlichen, um die zunehmenden Verzögerungen zu verhindern. „Das schadet der Wirtschaft und damit der Schaffung von Arbeitsplätzen. Solche Verzögerungen können und dürfen wir uns nicht länger leisten“, sagte Siegbert Eisenach, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Schwerin.

Aus Sicht von Wilhelm Schefe vom Unternehmerverband Westmecklenburg ist eine durchgehende A 14 die „Lebensader für die Wirtschaft“, die so schnell wie möglich fertiggestellt werden muss. Schefe appelliert an Politik und Verwaltung in Sachsen-Anhalt, ihre Schularbeiten bei der Planung schnellstmöglich nachzuholen, damit die Verzögerungen so gering wie möglich ausfallen. Der Sprecher des Landkreises Ludwigslust-Parchim, Andreas Bonin, betont in diesem Zusammenhang noch einmal: „Jeder Zeitverzug für das Gesamtprojekt ist für uns sehr bedauerlich, denn der Landkreis profitiert letztlich nur von einer durchgehenden Trasse.“

Ob die Fertigstellung des Lückenschlusses trotz des aktuellen Baustopps in Sachsen-Anhalt wie geplant bis 2020 gelingt, bleibt ungewiss. Auch weil noch niemand verbindlich weiß, wo die Trasse am Elbufer in Brandenburg enden wird. Das wiederum dürfte direkte Auswirkungen auf die Planung der Elbbrücke haben, für die Brandenburg zuständig ist. Das Planfeststellungsverfahren läuft bereits seit dem 30. November 2009. Wann es abgeschlossen ist, bleibt unklar.

Das Projekt Lückenschluss der A 14 zwischen Schwerin und Magdeburg zählt aktuell zu den größten Verkehrsprojekten in ganz Deutschland. Es umfasst die Verlängerung der bestehenden Autobahn, die derzeit von Wismar bis zum Dreieck Schwerin führt, über Ludwigslust, Karstädt, Wittenberge, Osterburg (Altmark), Lüderitz und Colbitz.

Großprojekte im Norden:

Westverlängerung A 20

Von Ost nach West und zurück: Bislang führt die  A 20  von der A 11 in Brandenburg  bis nach Bad Segeberg. Geplant ist eine zehn Kilometer lange West-Erweiterung   bis 2017 an die A7 heran. Die geplante Investitionshöhe liegt bei 150 Millionen Euro. Vorerst geht es aber nicht weiter: Baustopp bei Bad Segeberg nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom  6. Dezember 2013. Die Richter hatten entschieden, der Schutz der Fledermäuse sei nicht hinreichend berücksichtigt worden.

Fehmarnbelt-Querung

Das Projekt ist Dauerthema unter Verkehrsplanern: eine feste Verbindung nach Dänemark. Nach jahrelanger Debatte hat sich Dänemark für den Tunnel  entschieden: Die18 Kilometer lange Querung soll aus einer zweigleisigen elektrifizierten Eisenbahnstrecke und einer vierstreifigen Straße bestehen.  5,5 Milliarden Euro werden veranschlagt.   Frühestens 2015 ist Baubeginn, 2022 soll der Verkehr rollen.

Nord-Ostsee-Kanal

Sorgenkind in der Schifffahrt: Nord-Ostsee-Kanal. Marode Schleusen, verzögerte Bauplanungen – die Oststrecke soll ausgebaut,  die Levensauer Hochbrücke erneuert und die Rendsburger Straßentunnel instandgesetzt werden. Doch bevor diese Maßnahmen umgesetzt werden können, haben die Kanalvertiefung und die Erneuerung der Schleusen Priorität.  Das dauert: Erst 2028 soll das geschafft sein. Kosten: 1,4 Milliarden Euro.

Rügen-Schnellstraße

Zügige Fahrt auf die Insel: Der erste Bauabschnitt der neuen dreispurigen Schnellstraße ist im Bau  –14 Kilometer  von der Rügenbrücke bis Samtens. Gesamtkosten:   85 Millionen Euro. Seit Ende 2012 rollt bereits auf dem ersten 2,5 Kilometer langen Abschnitt von der neuen Rügenbrücke bis nach Scharpitz der Verkehr, 2015 soll es bis Samtens gehen. Die Pläne für die fehlende Strecke bis Bergen stehen. Es besteht Baurecht, heißt es im Verkehrsministerium. Kosten: 50 Millionen Euro. Noch hapert es aber am Geld: Mit dem Baubeginn wird nicht vor 2019 gerechnet.

Autobahnzubringer

Auf den 2,1 Kilometer langen Zubringer  zur A 14 hoffen Schweriner und Pendler schon lange: Der vierspurige Ausbau der B321 vor Schwerin ist für den Bundesverkehrswegeplan angemeldet worden. Über den Abschnitt rollen im Schnitt 20 000 Fahrzeuge am Tag. Die Baukosten betragen  mehr als zwei Millionen Euro. Der Baustart ist völlig offen.

Nord-Süd-Autobahn

Bauverzögerungen bei der A 14 in Sachsen-Anhalt und Brandenburg, Baufortschritt in MV: Der erste Abschnitt zwischen der A24 und der Bundesstraße 5 südlich von Ludwigslust ist im Bau.  Brücken sind errichtet, die Trasse geschoben – ab 2015 soll der Verkehr rollen. Auch auf dem zweiten Teilstück in MV von Ludwigslust bis zur Landesgrenze könnten die Arbeiten beginnen. Es besteht Baurecht.

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erstellt am 08.Jan.2014 | 22:00 Uhr

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