Landwirtschaft : Erste Garnelen aus Grevesmühlen

Eine Delikattesse: Garnelen
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Eine Delikattesse: Garnelen

Heute sollen die ersten Kilogramm White Tiger Prawns in der Garnelenfarm auf dem Land abgefischt werden.

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06. Juli 2015, 12:00 Uhr

Fangfrische Pazifik-Garnelen sind in Deutschland eine teure Delikatesse. Anders als die gekochten und tiefgefrorenen Shrimps in den Supermärkten sind sie frisch kaum zu bekommen. „Es ist unmöglich, sie aus Südamerika oder Südostasien in deutsche Küchen zu bringen, ohne dass sie anfangen zu riechen“, sagt Garnelenliebhaber Andreas Kleinselbeck. Der Spezialist für erneuerbare Energien hat sein Büro in Berlin zugemacht und in Grevesmühlen eine Garnelenfarm aufgebaut. Am Montag werden die ersten Kilogramm White Tiger Prawns abgefischt. „Später sollen es 50 bis 60 Kilo pro Wochentag sein, etwa 15 Tonnen im Jahr.“

Der Standort der Farm „Cristalle Garnelen“ in Nordwestmecklenburg ist nach seinen Recherchen derzeit in Deutschland der einzige Produzent für Pazifik-Garnelen in dieser Größenordnung. Ebenfalls 15 Tonnen im Jahr soll eine benachbarte Zwillingsanlage liefern. Sie ist das Pilotprojekt des Anlagenbauers Green Aqua Farming aus Wismar, von dem Kleinselbeck seinen Betrieb errichten ließ.

Auch wenn frische Shrimps für knapp 50 Euro pro Kilo auch für die meisten verzichtbar sind - bei Gourmets und Spitzenköchen wecken sie Begehren. David Langer, Chefkoch vom „Sauvage“ in Berlin, lobt: „Ob roh, pochiert, gebraten oder gegrillt – frische Garnelen haben einen einzigartigen Geschmack.“ Kleinselbeck will etwa die Hälfte seiner Ernte an Restaurants in Berlin absetzen, den Rest an Privatkunden. Pro Jahr importiert Deutschland 56 000 Tonnen Shrimps laut Statistik.

Auf die Idee mit den Garnelen kam der Ingenieur, als er in seiner vorherigen Profession Abnehmer für Wärme aus erneuerbaren Energien suchte. In Florida fand er Aquafarmen als Großabnehmer. Das Aquafarming interessierte ihn letztlich so stark, dass er umsattelte und 1,6 Millionen Euro investierte.

Das Land förderte die Anlage knapp zur Hälfte, denn Mecklenburg-Vorpommern hat dabei nach Ansicht von Agrarminister Till Backhaus (SPD) Nachholbedarf.

Farmen in Thailand, Indien, Vietnam oder Ecuador stehen wegen  Umweltschäden  in der Kritik. Zudem geht es bei einem hohen Besatz nicht ohne Antibiotika. „Wir verzichten ganz auf Antibiotika, Medikamente und jegliche Zusatzstoffe“, sagt Kleinselbeck. Die Larven, aus denen sich in einem halben Jahr 20 Zentimeter lange Garnelen entwickeln, bezieht er aus zertifizierter Zucht in den USA. Jeden Monat wird ein Becken neu besetzt. Sollte einmal eine Charge eine Krankheit haben, wäre der Verlust groß. Um keine einzuschleppen, entschied er sich für Einwegverpackungen, auch wenn sie nicht seiner Idee von Nachhaltigkeit entsprechen.

Die Garnelen schwimmen in 28 Grad warmem Leitungswasser, dem 15 Promille Meersalz beigemischt werden, wie Fischereibiologe Gregor Jähne erläutert. Er kam nach seinem Master-Abschluss in die Farm. Futter sind winzige Pellets aus Fischöl, Fischmehl und pflanzlichen Bestandteilen wie Weizen, Raps und Soja.

Das Wasser der Kreislaufanlage wird gereinigt und wiederverwendet. Ein Teil verdunstet, Schmutzwasser geht in die kommunale Kläranlage. Diese liefert wiede-rum Wärme für den Betrieb der Farm. Dieses System ist nach Einschätzung des BUND ein umwelttechnischer Fortschritt.

Wenn die Garnelen groß genug für die Pfanne sind, werden sie gefangen, in Eiswasser gesetzt und elektrisch getötet. Ein Schweriner Express-Dienst bringt sie zu den Kunden.

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