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Saison-Vorbereitungen in MV : Erdbeeren mögen es mollig warm

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

In MV laufen die Vorbereitungen für die Saison / Damit schon Ende April die ersten Früchte reif sind, werden hunderte Folien aufgestellt

Betriebsleiter Wolfgang Loll drückt aufs Tempo. Wenn Mitte Februar auf Karls Erdbeerhof in Rövershagen nicht alle 400 Folientunnel stehen, ist der geplante Termin zum Start in die Erdbeerernte kaum zu halten. Am 26. April sollen die ersten Früchte auf dem Hof am Rostocker Stadtrand angeboten werden. Nach und nach werden dann mehr als 300 Verkaufsstände in ganz Norddeutschland bis nach Berlin täglich mit Erdbeeren beliefert.

„Je früher, desto besser. Die Kunden freuen sich auf die ersten Erdbeeren aus der Region“, sagt Loll. Aber oft sei die Nachfrage größer als das Angebot gewesen. „Deshalb haben wir noch einmal ordentlich nachgelegt“, sagt der gelernte Landwirt. Im Vorjahr standen nur 270 Folientunnel.

Auch andere Anbauer im Nordosten setzen auf Folientunnel, so der Erdbeerhof Glantz in Hohenwieschendorf (Nordwestmecklenburg), wo ab Anfang Mai geerntet werden soll, und der Hof Denissen in Wöbbelin (Ludwigslust-Parchim). Dort werden am kommenden Wochenende die ersten Pflanzen in Töpfe gesetzt, kündigt Geschäftsführerin Michaela Denissen an. Wenn oft genug die Sonne scheint, könnten acht Wochen später die ersten Früchte reif sein.

2014 wurden in Mecklenburg-Vorpommern nach Angaben des Statistischen Amtes 8462 Tonnen Erdbeeren auf einer Anbaufläche von insgesamt 737 Hektar geerntet.

In Rövershagen ziehen mit vereinten Kräften mehrere Männer die schwere Spezialfolie über die drei Meter hohe Tunnelachse. Die Gestänge wurden schon im Herbst in den Boden eingelassen. „Bei tiefem Frost hätten wir Schwierigkeiten bekommen, noch problematischer ist zu viel Regen. Da kommen wir mit unserer Technik kaum auf die Felder“, erläutert Loll.    Unterdessen sind andere Helfer dabei, in den bereits überspannten Folientunneln noch ein zusätzliches Vlies über die jeweils acht Reihen von je 150 Meter Länge zu ziehen. Durch das so erzeugte Mikroklima treiben Blätter und Blütenstände gut eine Woche eher aus als im Freiland. „Der Folientunnel selbst bringt uns 14 Tage, sodass wir insgesamt drei Wochen eher am Start sind, als wenn wir alles allein der Natur überlassen“, sagt Loll.

2011 experimentierte er erstmals mit Folientunneln. „Seinerzeit haben wir die ersten Erdbeeren am 5. Mai verkauft, zu einem Preis, der den enormen Aufwand rechtfertigt.“ Im Juni/Juli, wenn alle Erdbeeren anbieten und sich Kleingärtner selbst versorgen, seien die Preise im Keller.

„Auch bei den Sorten haben wir lange Zeit getestet, mit welchen wir ein paar Tage gewinnen können, ohne Abstriche am Geschmack zu machen“, berichtet Loll. Inzwischen sei die Produktion so ausgerichtet, dass bis in den Oktober hinein jederzeit frische Erdbeeren angeboten werden können.

Unternehmenschef Robert Dahl verweist darauf, dass mit dem früheren Saisonstart und dem späteren Saisonende die traditionelle Arbeitsspitze im Sommer gebrochen werden konnte. Erntehelfer könnten so effektiver eingesetzt werden. Dennoch werden zu Spitzenzeiten im Juni und Juli täglich bis zu 1200 Pflücker unterwegs sein.

Mit dem Bau eines eigenen Regenwasserauffangbeckens wurde ein weiteres Problem gelöst: Selbst bei anhaltender Trockenheit könnten nun alle Flächen ausreichend bewässert werden.

Wenn sich Ende März die ersten Blüten zeigen, kommen die nächsten Helfer zum Einsatz - Tausende Hummeln, die für die ausreichende Bestäubung sorgen. Nur, wenn jede Blüte mindestens zehnmal angeflogen wird, kann sich eine Erdbeere optimal entwickeln.

 

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