Gesundheit MV : Ende im Streit um Herzchirurgie

Herzpatienten aus Westmecklenburg können künftig in Schwerin operiert werden.
Herzpatienten aus Westmecklenburg können künftig in Schwerin operiert werden.

Rostock und Schwerin gründen gemeinsames Herzzentrum. Auch Herzklappenersatz per Katheter wird dadurch möglich.

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06. November 2015, 12:00 Uhr

Schwer herzkranke Patienten aus Westmecklenburg müssen künftig keine weiten Wege mehr auf sich nehmen. Die Rostocker Universitätsmedizin wird in den Schweriner Helios Kliniken eine herzchirurgische Niederlassung eröffnen. Beide Häuser unterzeichneten gestern in Schwerin eine entsprechende Vereinbarung.

Vorausgegangen war ein jahrelanges Tauziehen der Helios-Kliniken mit den Krankenhaus-Planungsverantwortlichen, die lange der Eröffnung einer – neben Rostock und Karlsburg – dritten Herzchirurgie im Land nicht zustimmen wollten. Helios hatte argumentiert, dass derzeit noch etwa 600 von jährlich 2050 Mecklenburgern und Vorpommern, die am Herzen operiert werden müssten, in andere Bundesländer geschickt würden. „Diese Patienten im Land zu behandeln und damit auch das Geld dafür im Land zu lassen, muss doch im Interesse aller sein“, so Helios-Geschäftsführer Thomas Rupp.

Zudem möchte der Schweriner Kardiologie-Chefarzt Prof. Alexander Staudt in der Landeshauptstadt ein überwiegend in Spezialkliniken angewandtes Verfahren etablieren, Herzklappen per Katheter zu implantieren. Diese Transkatheter-Aortenklappen-Implantation, kurz Tavi, ist vor allem für hochbetagte Patienten eine Chance, die nicht mehr am offenen Herzen operiert werden könnten. Hierbei aber muss zwingend immer ein herzchirurgisches Team in Bereitschaft stehen, eine Auflage, die ohne Herzchirurgie im Haus nicht zu erfüllen ist.

Die Eröffnung der Rostocker Dependance in Schwerin ist nun ein Kompromiss, dem auch das Sozialministerium zugestimmt hat. „Wir bringen Herzchirurgen und Kardiotechniker mit, alles andere kommt aus Schwerin“, so der ärztliche Vorstand der Rostocker Universitätsmedizin, Prof. Christian Schmidt. „Alles andere“ sind 20 bis 25 neue Mitarbeiter in den Bereichen Anästhesie, Pflege und Intensivpflege, so Helios-Geschäftsführer Rupp. Die Kooperation mit Rostock sei also auch eine Chance, Fachkräfte im Land zu halten.

Teilweise müssen sie sogar ins Land geholt werden: Vier Herzchirurgen und vier Assistenzärzte in dieser Fachrichtung werden für die Herzchirurgie in Schwerin neu eingestellt, so der Direktor der Rostocker Klinik für Herzchirurgie, Prof. Gustav Steinhoff. Seit Monatsbeginn liefen erste Trainings für das künftige Schweriner Personal. Ebenfalls seit Monatsbeginn würden Schweriner Herz-Patienten – die bislang vor allem nach Lübeck überwiesen wurden – in Rostock operiert. Wenn der OP-Betrieb in Schwerin anläuft, sollen dort vorerst pro Jahr zwischen 150 und 250 Patienten herzchirurgisch versorgt werden. Bei vollem Betrieb sind jährlich maximal 350 OPs möglich.

Die Rostocker Klinik muss – zumindest rechnerisch – durch die Eröffnung der Schweriner Zweigstelle allerdings auf sechs ihrer 30 herzchirurgischen Betten verzichten. „Dabei könnten wir schon jetzt 20 mehr brauchen“, so der Herzchirurg. Es sei sicher notwendig, mit dem Sozialministerium über eine Kapazitätserweiterung zu verhandeln. Zu Versorgungsengpässen in Rostock wird es aber nicht kommen, versichert Prof. Schmidt.

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