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Stralsund : Ende April steht Volkswerft still

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Bei aktuellem Auftrag für Spezialschiffe der dänischen Reederei DFDS Termin nicht eingehalten / Ingenieure bereits gekündigt

von
erstellt am 03.Apr.2014 | 21:30 Uhr

Ende des Schiffsbaus nach mehr als 70 Jahren am Strelasund: Ende April schwimmt das letzte Schiff aus dem Dock, wenn es Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann nicht gelingt bis dahin einen Käufer für die insolvente Traditionswerft zu finden. Die beiden Spezialschiffe „Ark Germania“ und „Ark Dania“ sind die letzten Aufträge, die auf der Volkswerft abgearbeitet werden.

Dafür war eine extra Schiffbaugesellschaft gegründet worden, in der derzeit noch 250 Schiffbauer und 23 Azubis beschäftigt sind. 52 Ingenieure sind in der Firma Shipdesign mit der Konstruktion der Transporter beschäftigt. Die Ingenieure sind laut Insolvenzverwalter bereits „vorsorglich gekündigt worden“. Berthold Brinkmann ist nach eigenen Aussagen im Gespräch mit anderen Schiffbauunternehmen, um mit weiteren Aufträgen für Shipdesign das Knowhow in Stralsund zu halten.

Aber auch die letzten beiden Spezialschiffe sind nicht im Zeitplan. „Das erste Schiff ist bis zum Termin am 20. Februar nicht fertig geworden, bestätigt Cord Schellenberg, Sprecher des Insolvenzverwalters. Es musste eine Strafzahlung geleistet werden.

Auch der letzte Auftrag der P + S Werft über zwei Fähren für die deutsch-dänische Reederei Scandlines geriet den Schiffbauern zum Fiasko. Die Fähren waren 200 Tonnen zu schwer und führten die Werft in die Insolvenz. Vom vereinbarten Kaufpreis von 200 Millionen Euro konnte letztlich nur ein Zehntel realisiert werden.

Beim aktuellen Auftrag der „Ark Germania“ für die dänische Reederei DFDS hat sich nach mehrtägiger Probefahrt eine Fehlschwingung im Getriebe gezeigt, ein Klopfgeräusch im Leerlauf, das vom Zulieferer Siemens Flender-Getriebe verursacht sei. „Wir sind mit Siemens Flender im Gespräch“ sagt Schellenberg. Fakt ist, dass der Spezialtransporter weiter auf der Werft liegt. Am zweiten RoRo-Transporter sind noch 30 000 Stunden zu leisten. Schellenberg ist optimistisch, dass die „Ark Dania“ bis Monatsende fertig gestellt ist. Dann müssten nur noch Zulieferleistungen erbracht werden. Das bedeutet für die 1941 gegründete Traditionswerft, dass damit auch die Arbeit ausläuft. Darlehen des Landes für die Transfergesellschaft und für Betriebskosten für den aktuellen Auftrag seien bereits zurückgezahlt, versichert Schellenberg.

Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann zeigt sich weiter optimistisch, einen Käufer zu finden. Neben Nordic Yards in Wismar und Warnemünde interessiert sich der Hamburger Windenergieanlagenhersteller New Global Wind für die Werft. Brinkmann spricht von weiteren Interessenten.

Im März 2012 geriet die damalige P+S Werft in die wirtschaftliche Schräglage. Im Juni 2012 wurde bekannt, dass den Werften 200 Millionen Euro fehlen. Im Juli gaben Bund und Land staatliche Garantien von 152,4 Millionen Euro. Inzwischen beschäftigt sich ein Untersuchungsausschuss im Landtag mit der Insolvenz.


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