Lupinenernte : Eiweiß von deutschen Äckern

Fünf bis sieben Körner in unterschiedlichen Grautönen finden sich in jeder Lupinenhülse.
Fünf bis sieben Körner in unterschiedlichen Grautönen finden sich in jeder Lupinenhülse.

In Mecklenburg-Vorpommern steht die Lupinenernte unmittelbar vor dem Abschluss / Netzwerk will Anbau deutlich erweitern

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08. September 2015, 12:00 Uhr

Thomas Voss hat das Mähwerk exakt justiert. Nur zehn Zentimeter über dem Boden schneiden die Messer die trockenen Lupinenstängel ab und sorgen so dafür, dass auch die besonders tief hängenden Hülsen erfasst werden. Konzentration ist gefordert. „Die Steine leuchten einem mitunter schon entgegen. Da heißt es rechtzeitig Fuß vom Gas, Mähbalken hoch und drüber weg. Schäden an der Technik können wir nicht auch noch gebrauchen“, sagt der Landwirt. Schon das wechselhafte Wetter hat die Ernte gestört.

„Jede Sonnenstunde zählt. Wir müssen jetzt schnell fertig werden. Ansonsten sind die Verluste einfach zu hoch“, ergänzt Friedhelm Thiel. Der Geschäftsführer der Landwirtschafts GmbH Petschow ist einer der Lupine-Pioniere im Nordosten. Er ist auch Teil eines bundesweiten Netzwerks von Praktikern und Wissenschaftlern, deren Ziel es ist, den Anbau heimischer Eiweißpflanzen wie Lupine, Ackerbohne und Erbse nachhaltig zu erhöhen. Pflanzliches Eiweiß gilt als wichtiges Futtermittel in der Tierproduktion und muss bislang überwiegend importiert werden. Vor allem Soja gelangt so in die Futtertröge. Doch steigende Preise und wiederholte Qualitätsmängel lassen die Bestrebungen nach Selbstversorgung immer mehr zunehmen.

Zwischen Daumen und Zeigefinger prüft Thiel wiederholt den Reifezustand seiner Lupinen. „Die Hülsen sind schön knackig. Regen würde sie jetzt platzen lassen, und dann fallen die Körner aus“, sagt der erfahrene Landwirt und erklärt damit, weshalb er aufs Erntetempo drückt. Fünf bis sieben Körner in unterschiedlichen Grautönen finden sich in jeder Hülse. Thiel hätte gern mehr und erneuert daher seinen Appell an die Pflanzenzüchter, ertragreichere Sorten zu liefern.

Er selbst hat in diesem Jahr gleich mehrere Sorten zum Vergleich angebaut und auch unterschiedliche Saatdichten getestet. „Sind nun 90 oder doch eher 110 Pflanzen pro Quadratmeter optimal für einen hohen Ertrag? Diese Frage konnte mir noch keiner so richtig beantworten“, sagt Thiel. Er macht nun seine eigenen Erfahrungen, registriert die Wasserversorgung der Pflanzen, den Hülsenansatz, den Körneranteil. Die Ergebnisse will er allen Anbauern zugänglich machen. Der Bund fördert das Netzwerk Lupine mit 900 000 Euro.

Nach jahrelang rückläufigen Anbauflächen hatten Pflanzenzüchter, Bauernverband und die Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen eine gemeinsame Eiweißstrategie auf den Weg gebracht. Im Bundeslandwirtschaftsministerium wurde 2012 ein Programm erstellt. Wenig später band sich Mecklenburg-Vorpommern mit 28 Projektpartnern und einem Netzwerk für den „Demonstrationsanbau Blaue Lupine“ in die Bundesstrategie ein. Im Ergebnis sei die Zahl der Anbaubetriebe deutlich gestiegen, erklärt Agrarminister Till Backhaus (SPD).

In der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei in Gülzow (Landkreis Rostock) bündelt Annett Gefrom die Erfahrungen. Dabei arbeitet die Projektkoordinatorin für das bundesweite Lupine-Netzwerk nicht nur mit Betrieben wie der Petschower Landwirtschafts GmbH zusammen, sondern auch mit Verarbeitungs- und Handelsunternehmen. „Erfahrungsaustausch ist noch immer die billigste Investition“, meint die promovierte Agrarexpertin.

Speziell für die Blaue Lupine bestehe inzwischen auch eine hohe Nachfrage aus der Lebensmittelbranche. Bei der Produktion etwa von Speiseeis soll bislang genutztes tierisches Eiweiß durch pflanzliches ersetzt und auch die Bandbreite wurstähnlicher Artikel erweitert werden. Das 2014 mit dem Deutschen Zukunftspreis geehrte Unternehmen ProLupin in Grimmen will mit seinen Produkten dazu beitragen, dass der Trend zunimmt.

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