Ferkeltötung : Einschläfern oder erschlagen?

Nach dem Gesetz ist es erlaubt, nicht überlebensfähige Ferkel mit einem Schlag gegen die Wand oder auf den Boden zu töten.
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Nach dem Gesetz ist es erlaubt, nicht überlebensfähige Ferkel mit einem Schlag gegen die Wand oder auf den Boden zu töten.

Außerordentliche Beratung im Agrarministerium: Tötungspraxis von untergewichtigen oder kranken Tieren kommt auf den Prüfstand

svz.de von
23. Juli 2014, 20:34 Uhr

Das umstrittene Töten von Ferkeln in Schweinemastbetrieben hat entgegengesetzte Reaktionen ausgelöst. Im Tierzuchtgut Losten wurden Medienberichten zufolge erste Konsequenzen gezogen. Tiere, die nach Ansicht eines Veterinärs keine Überlebenschancen haben, sollen künftig mit Hilfe des Tierarztes eingeschläfert werden, hieß es. „Das wird teuer, aber wir wollen nicht mehr angreifbar sein“, wird der Geschäftsführer Alwin Neteler zitiert.

Anlass sind wiederholte Fernsehbilder, die zeigen, wie Tierpfleger unter anderem in Losten die nach ihrer Ansicht nicht überlebensfähigen oder überzählige Ferkel mit dem Kopf auf den Fußboden oder gegen die Kobenwand schlagen und so töten.

Trotz heftiger Kritik hält der Leiter des Schweinekontroll- und Beratungsrings im Land, Jörg Brüggemann, das für legitim. Kleinstferkel müssten demnach mit einem Schlag getötet werden. „Wir plädieren nicht dafür, einen Knüppel oder Hammer zu nehmen“, erläuterte der Berater. Die Kraftwirkung sei größer, wenn die Tiere durch einen Schlag auf den Boden, die Wand oder die Buchtenkante getötet werden. „Das klingt schlimm“, gab Brüggemann zu. Aber man dürfe das nicht vermenschlichen. „Wir machen Nutztierhaltung, um Lebensmittel zu produzieren.“

Im Prinzip sind die Mitarbeiter des Tierzuchtgutes Losten , wo Tierschützer heimlich filmten, demnach richtig vorgegangen. Konkret rügte Brüggemann jedoch, dass der Schlag nicht in jedem Fall hart genug erfolgte und dass die Nachkontrolle fehlte, ob die Tiere wirklich tot waren.

Einschläfern oder erschlagen? Ein Sprecher des Schweriner Agrarministeriums will sich da gegenüber unserer Redaktion nicht festlegen. „Die Regelungen sehen eine Betäubung vor dem Töten vor“, sagte er. Doch der Begriff „Betäubung“ sei weit auslegbar.

Nach seinen Worten werde daran gedacht, das Selektieren der Ferkel mit einem Tierarzt oder zumindest nach dem Vier-Augen-Prinzip vorzuschlagen. Brüggemann hält das für unnötig. Ein erfahrener Betreuer sehe das, meinte er.

Heute findet im Agrarministerium eine Beratung zu dem Thema statt. Eingeladen sind Veterinäramtsleiter der Landkreise, Schweinehalter, der Schweinekontroll- und Beratungsring und der Bauernverband. Es gehe unter anderem darum, den Pauschalverdacht gegen Schweinezüchter auszuräumen, sagte der Ministeriumssprecher.


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