Einigung in letzter Minute - Karstadt-Beschäftigte können aufatmen

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02. September 2010, 10:21 Uhr

Die 25.000 Karstadt-Beschäftigten können aufatmen: Der Investor Nicolas Berggruen, der die insolvente Warenhauskette übernehmen will, hat sich am Donnerstag mit den Gläubigern des Immobilienfonds Highstreet auf Mietnachlässe für die Kaufhäuser geeinigt. Die Einigung mit den Kapitalgebern sei „auf gutem Weg“, erfuhr die Nachrichtenagentur ddp aus Verhandlungskreisen. Wie es weiter aus Kreisen hieß, wurde eine mündliche Übereinkunft erzielt. Formal war die Zustimmung am Abend noch nicht abgeschlossen.

Eine Einigung über geringere Mieten war Bedingung für den Einstieg des US-Milliardärs Berggruen. Damit ist der Weg für die am Freitag erwartete Genehmigung des Insolvenzplans durch das Essener Amtsgericht frei - mehr als ein Jahr nach der Pleite des Unternehmens. Die drohende Zerschlagung des über 100 Jahre alten Traditionskonzerns dürfte damit abgewendet sein.

Ein Teil der Gläubiger des Fonds, dem 86 der 120 Karstadt-Warenhäuser gehören, traf sich am Donnerstag in London, um über die von Berggruen geforderten Mietnachlässe zu sprechen. Der Investor hält die Mieten, die für die Immobilien gezahlt werden müssen, für deutlich zu hoch. Die Gläubiger wiederum, die über Anleihen direkt an den Gebäuden oder indirekt an Highstreet beteiligt sind, bangen um ihre Einlagen: Zahlt Karstadt weniger Miete, erhalten sie eine geringere Rendite.

Mit den Anleihegläubigern wurde nach Angaben eines Berggruen-Sprechers - wie im Vorfeld erwartet- recht bald Einigung erzielt. Diese stimmten dem Konzept „zu 100 Prozent“ zu. Am Abend wurde dann indirekt bestätigt, dass auch mit der anderen Gläubigergruppe, den sogenannten Mezzanine-Kapitalgebern, Übereinkunft erzielt wurde.

Mit der Einigung auf der Highstreet-Gläubigerversammlung in allerletzter Minute dürfte auch Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg aufatmen, der sich bis zuletzt für das Berggruen-Konzept eingesetzt hatte - auch, als der italienische Kaufhausunternehmer Maurizio Borletti weit nach Ablauf der Frist ein Gegenangebot einreichte. Görg hatte für den Fall des Scheiterns ein Liquidationsszenario vorbereitet, wonach die Sport- und Premiumhäuser bis Jahresende verkauft und alle anderen Filialen bis Ende Februar 2011 geräumt werden sollten.

Laut „Financial Times Deutschland“ soll Borletti versucht haben, die Mezzanine-Geldgeber zum Verkauf ihrer Kredite an ihn zu bewegen.

Diese Gläubiger sind mit einer Mischung aus Eigen- und Fremdkapital an dem von Goldman Sachs und Deutsche Bank geführten Highstreet-Konsortium beteiligt und haben deshalb weder Sicherheiten noch Stimmrechte, erhalten dafür aber höhere Zinsen. Zudem hat jeder von ihnen ein Vetorecht, falls etwa die Zinsen gekürzt würden. Das machte eine Einigung innerhalb dieser Gläubigergruppe bis zuletzt so schwierig.

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