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Arbeitsmarkt MV : Düsterer Advent in der norddeutschen Metallindustrie

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Die Metall- und Elektroindustrie im Norden kommt seit Jahren nicht mehr richtig voran. Abseits der Erfolgsunternehmen Airbus und Daimler bröckeln die Fundamente und die Wettbewerbsfähigkeit nimmt ab.

svz.de von
erstellt am 01.Dez.2015 | 14:46 Uhr

Die Auftragsbücher werden dünner, die Investitionen dümpeln dahin und die Umsätze stagnieren. „Das wird eher ein trüber Advent“, sagte Thomas Lambusch, Präsident des Arbeitgeberverbandes Nordmetall, am Dienstag in Hamburg. „Bei 80 Prozent der Unternehmen reichen die Aufträge nur für höchstens ein halbes Jahr Arbeit. Die Hurra-Rufer werden immer weniger, die Industrie im Norden leidet unter der schlechtesten Auftragslage seit vier Jahren.“

Die herbstliche Konjunkturumfrage unter 213 Unternehmen in den fünf Küstenländern habe eine Fortsetzung der seit nunmehr dreieinhalb Jahren dauernden Seitwärtsbewegung gezeigt. Einigen Metallbranchen, wie dem Flugzeugbau und der Automobilindustrie, gehe es gut. Die Hauptbranchen Maschinenbau und Elektroindustrie hätten sich jedoch deutlich verschlechtert. Die Kapazitäten seien nicht ausgelastet, die Investitionen zu niedrig. Unter der Strich beurteilen aber immer noch die meisten Unternehmen im Norden ihre Geschäftslage als entweder gut (28,7 Prozent) oder befriedigend (48,3 Prozent). Rund 23 Prozent halten dagegen ihre Geschäftslage für unbefriedigend oder schlecht.

Lambusch warnte vor einem Prozess der „schleichenden Deindustrialisierung“, der durch die zunehmend schlechtere Qualität des Standortes Deutschland ausgelöst werde. So seien auch Produktionsverlagerungen ins Ausland wieder ein Thema; elf Prozent der Firmen verfolgten entsprechende Pläne. Der mit Abstand wichtigste Grund seien die hohen Arbeitskosten in Deutschland. Nur drei Prozent der Unternehmen könnten die steigenden Kosten über höhere Preise weitergeben. Vor diesem Hintergrund sei im nächsten Jahr eine harte Tarifrunde zu erwarten.

Im Hinblick auf die hohe Zahl von Flüchtlingen ermittelte die Umfrage zwar eine offene Haltung der Unternehmen, aber auch viel Unsicherheit. Mehr als die Hälfte der Firmen könnten sich vielleicht vorstellen, Flüchtlinge einzustellen, nur 13 Prozent sagten von vornherein nein. „Es besteht noch ein großer Informationsbedarf“, sagte Lambusch. Das betreffe den rechtlichen Rahmen der Beschäftigung von Flüchtlingen, die Qualifizierung und Sprachschulung, die Zusammenarbeit mit Behörden und eventuelle finanzielle Zuschüsse.

Bislang habe die Branche den Eindruck gewonnen, dass Flüchtlinge auf einem hohen akademischen Qualifikationsniveau am schnellsten zu integrieren seien. „Zwischen einem Elektriker aus Syrien und einem Elektriker mit unserer Ausbildung gibt es aber schon erhebliche Unterschiede in der Qualifikation“, sagte Lambusch. Das sei für die Unternehmen eine Herausforderung.

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