Fernbusse : Duell: Bahn gegen Bus gegen Auto

Fernbusse sind mittlerweile eine gute Alternative zur Bahn.
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Fernbusse sind mittlerweile eine gute Alternative zur Bahn.

Auch die Konkurrenz auf der Straße ist nicht immer pünktlich – dafür aber unschlagbar preiswert

svz.de von
03. Dezember 2014, 07:44 Uhr

Sechseinhalb Stunden von Hamburg nach Köln, mehr als zwei von Nürnberg nach München – es kann aber auch deutlich mehr werden. Genau weiß man es vorher nicht. Wer sich in einen Fernbus setzt, braucht Zeit. Auf wichtigen Strecken kommt jeder Zweite zu spät – ergab zumindest eine Stichprobe des Verkehrsclubs Deutschland (VCD). Meistens wegen Staus oder weil der Bus schon verspätet losfuhr.

Die Fahrpläne der Busanbieter müssten realistischer werden, fordert VCD-Präsident Michael Ziesack. Aber er erntet Kopfschütteln bei den Busunternehmern. Der ökologisch orientierte Verkehrsclub hatte Testfahrer in die Busse gesetzt, die eigentlich ganz gute Noten verteilten. Etwa zum Personal: Vier von fünf Busfahrern bekommen eine Eins oder eine Zwei. Ähnlich die Ausstattung der Fahrzeuge, die meist neu sind und WLAN haben. Auch die Bahnhöfe schneiden noch ordentlich ab. „Die Kunden sind mit den großen zufrieden, in vielen Mittelstädten muss aber nachgebessert werden“, meint Ziesack. Allein die Pünktlichkeit ließ demnach deutlich zu wünschen übrig. 52 Prozent der Busse kamen mindestens sechs Minuten nach der geplanten Zeit an – ab diesem Zeitpunkt spricht auch die Bahn von Verspätung.

Der Bundeskonzern sorgte erst kürzlich für Aufsehen mit seinen Verspätungen. Nur einmal gelang es der Bahn in den vergangenen fünf Jahren, mehr als 80 Prozent ihrer Fernzüge pünktlich ans Ziel zu bringen. Die Tendenz weist eher nach unten. Doch 80 Prozent schafften auch die Fernbusse, widerspricht der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer dem Verkehrsclub. Der Branchenverband bezweifelt, dass die VCD-Testfahrer mit ihren 229 Fahrten auf Hauptstrecken repräsentative Zahlen einholen konnten.

„Wer bestimmte Verbindungen gezielt heraussucht, wird kein objektives Ergebnis bekommen“, kritisiert Hauptgeschäftsführerin Christiane Leonard. Sie verweist auf die besseren Zahlen der Stiftung Warentest vom Sommer, die die 80 Prozent als „erfreulich gut“ bewertete. Aber auch die Warentester waren auf ausgewählten Strecken unterwegs.Pro Woche gibt es bundesweit aber rund 7500 Fahrten. Busfahrgäste nehmen in Kauf, dass sie bei Verspätungen schwächere Rechte haben als bei der Bahn. Die entschädigt schon bei einer Stunde Verspätung, Busanbieter erst ab zwei Stunden.

Im Test der Stiftung Warentest kamen drei Prozent der Busse länger als eine halbe Stunde zu spät. Doch ist den Passagieren das überhaupt wichtig? Nach der Umfrage legen 44 Prozent der Buskunden Wert auf Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit - immerhin mehr als bei der Bahn, wo 28 Prozent darauf zählen.

Beim Fernbus dominiert der Preis alles andere: Drei Viertel der Befragten wählen deshalb den Bus. Durchschnittlich 5,84 Euro von München nach Nürnberg oder 16,66 Euro von Hamburg nach Köln – da kann die Bahn nicht mithalten. Neun Millionen Menschen stiegen deshalb 2013 in einen Fernbus, in diesem Jahr könnten es doppelt so viele sein, erwartet die Branche.

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