zur Navigation springen

Serie rund ums Geld : Drum prüfe, wer sich ewig bindet...

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Teil 9: Beteiligungen – Geschlossene Fonds sind für Kleinanleger kaum zu empfehlen / Regionale Projekte als Alternative

svz.de von
erstellt am 15.Sep.2014 | 11:44 Uhr

Bei einem geschlossenen Fonds (Beteiligung) erwirbt ein Investor keine Fondsanteile wie bei offenen Fonds, sondern Gesellschaftsanteile und ist somit Mitgesellschafter an einer unternehmerischen Beteiligung. Je nach Vertrag können diese Anteile in den ersten fünf bis 15 Jahren nicht an den Initiator zurückgegeben werden. Ein geregelter Handel wie bei offenen Fonds findet in den ersten Jahren kaum statt.

Wie funktioniert ein Geschlossener Fonds?

Über einen geschlossenen Fonds werden in der Regel der Bau oder der Erwerb einzelner oder auch mehrerer Investitionsgüter (Immobilie, Schiff, Flugzeug, Windkraft- oder Solaranlage, Wald- und Agrarflächen…) finanziert. Während der Zeichnungsfrist können Anleger Geschäftsanteile erwerben. Sind alle Geschäftsanteile platziert (verkauft), wird der Fonds geschlossen. Im Verkaufsprospekt veröffentlicht der Initiator der Beteiligung alle wichtigen Informationen (Geschäftszweck, Firmenstruktur, Konzeption, Kosten, Prognosen, Risiken ect.) zur Beteiligung. Der Emittent und das Emissionskonsortium (meist Banken) sind für die Vollständigkeit und Richtigkeit der Angaben verantwortlich. Der Prospekt wird von der Bafin (Bundesaufsichtsamt für Finanzen) geprüft. Eine betriebswirtschaftliche Prüfung der Beteiligung erfolgt von der Bafin hingegen nicht. Da Beteiligungen meist Gesellschaften sind, unterliegen sie in der Regel keiner staatlichen Aufsicht. Ein großes Manko für den Privatanleger. Man spricht hier deshalb auch vom Grauen Kapitalmarkt.

Chancen

Anleger werden über Ausschüttungen und/oder Verkaufsgewinne zum Ende der Vertragszeit an den Gewinnen der Gesellschaft beteiligt. Diese können beachtlich sein. Abschreibungen und Verlustbeteiligungen in der Startphase können dem Anleger steuerliche Vorteile bringen.

Risiken

Die Risiken bei geschlossenen Fonds sind nicht unerheblich. Der Anleger hat oft keinen Einfluss auf die Geschäftspolitik der Initiatoren, ist nach dem Kauf bis zum Vertragsende von der Leistung der Geschäftsführung des Projektes abhängig – trägt jedoch als Mitgesellschafter das volle unternehmerische Risiko. Je nach Vertrag, kann der maximale Verlust auch über die Höhe des eingesetzten Kapitals hinausgehen. Steuerliche Vorteile können verloren gehen, wenn die Beteiligung nachhaltig keinen Gewinn erwirtschaftet. Erträge werden meist über jährliche Ausschüttungen an die Anleger bezahlt. Weil viele Projekte in der Investitionsphase keine oder nur geringe Erträge erwirtschaften, zahlen Initiatoren die Ausschüttungen anfangs gerne aus der Substanz – also aus den Anlagegeldern, um die Investoren bei Laune zu halten. Dieses Geld fehlt dann für das Projekt.

Kosten

Die Kosten bei Geschlossenen Fonds können erheblich sein. Neben dem Agio (in der Regel 5 Prozent auf die Beteiligungssumme) fallen oft weitere Vertriebskosten an. Banken erhalten neben dem Agio meist weitere Provisionen aus dem Fondsvermögen (Kickbacks). Die Gesamtprovisionen können damit schnell bis über 15 Prozent anwachsen. Diese Kosten sowie weitere projektbezogene Kosten müssen erst erwirtschaftet werden, bevor der Anleger einen nachhaltigen Ertrag erzielt.

Fazit

Geschlossene Fonds sind nicht für Kleinanleger geeignet. Auch Selbstständige sollten überlegen, ob sie ihr Geld nicht lieber in das eigene Unternehmen investieren, um es zu stärken und damit die finanzielle Abhängigkeit von ihrer Hausbank zu reduzieren. Interessenten sollten den Verkaufsprospekt sorgfältig lesen und nur in Projekte investieren, die sie verstehen und die sie sich ansehen können.

Alternativen

In den letzten Jahren wurden die ersten Bürgerbeteiligungen initiiert, bei denen man sich schon mit kleinen Beträgen an regionalen Projekten wie alternativen Energien beteiligen konnten. Solche Beteiligungen haben Zukunft, da die Anlegergelder in der Region verbleiben, Projekte mit ökologischen und sozialen Zielen finanziert und somit auch die regionale Wirtschaft gestärkt werden kann. Leider gibt es hier noch zu wenige regionale Initiativen. Schade, denn die Identifizierung mit diesen Projekten ist bei den Anlegern viel höher als bspw. bei Immobilien in den USA.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen