Grüne Woche Berlin : Dieser Tag gehört MV

Spezialitätenland MV:Ministerpräsident Erwin Sellering (3. v.l.) und Landwirtschaftsminister Till Backhaus (2. v.l.) bei der Verkostung von Eierlikör aus heimischer Produktion
Spezialitätenland MV:Ministerpräsident Erwin Sellering (3. v.l.) und Landwirtschaftsminister Till Backhaus (2. v.l.) bei der Verkostung von Eierlikör aus heimischer Produktion

Ministerpräsident Erwin Sellering lobt die Leistungsfähigkeit des Nordostens: „15000 Arbeitsplätze durch die Ernährungswirtschaft“

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17. Januar 2016, 21:00 Uhr

Wie erwartet erlebte die MV-Länderhalle am Wochenende einen Besucheransturm. Rund 100  000 Gäste waren es bis gestern. Auf dem gesamten Messegelände befanden sich 120 000 Besucher.

„Die Grüne Woche ist ein Schaufenster für die großen Leistungen des Landes.“ sagte Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) am Sonnnabend, als er den MV-Ländertag in Halle 5.2b offiziell eröffnete.

Land- und Ernährungswirtschaft hätten eine lange Tradition, erklärte der Regierungschef. „Sie gehören zu den modernsten und leistungsfähigsten in ganz Europa“, so Sellering. In den vergangenen 25 Jahren seien allein in der Ernährungswirtschaft rund 250 Fördervorhaben mit einem Investitionsvolumen von rund 4,2 Milliarden ausgelöst worden. So hätten über 15 000 Arbeitsplätze gesichert oder neu geschaffen werden können. Um diese Entwicklung auch künftig zu unterstreichen, sind laut Sellering noch mehr Exporte nötig. Das Russland-Embargo, das ein Einfuhrverbot für Fleisch, Obst, Gemüse und Milchprodukte aus westlichen Ländern nach Russland beinhaltet, verkompliziere die Situation. Auf dem Russlandtag im Mai in Rostock wolle die Landesregierung deshalb mit den russischen Partner verstärkt in den Dialog treten.

Mecklenburg-Vorpommern ist seit 25 Jahren auf der IGW vertreten, seit 17 Jahren in einer eigenen Halle. Seitdem wird auch der Ländertag ausgetragen, dieses Mal vom Landkreis Nordwestmecklenburg. Unter dem Slogan „Wo die Seele lächelt“, rührte Landrätin Kerstin Weiss die Werbetrommeln für die Region zwischen Lübeck, Schwerin und Rostock. „Das ist ein Landkreis zum Urlaub machen und zum Leben“, erklärte sie und deutete auf eine starke Wirtschaft mit guten Arbeitsplätzen und –bedingungen hin.

Zur Tradition des Ländertages gehört auch der Ministerrundgang durch die MV-Halle. Mit seiner Gattin Britta, Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD), Bauernverbandspräsident Rainer Tietböhl und dem Vorsitzenden des Agrarmarketings, Günther Neumann, schlenderte Erwin Sellering von Stand zu Stand, um regionale Köstlichkeiten zu verkosten und mit den Ausstellern zu sprechen. Eis vom Hof Denissen, Graved Lachs von der Wismarer Seeperle, Sanddorntörtchen vom Cafe’ Röntgen – MV werde immer mehr zum Spezialitätenland.

Backhaus bewertete den Prozess als fortschrittlich, gerade vor dem Hintergrund, dass 2016 jede Menge Herausforderungen für die Land- und Ernährungswirtschaft bereithalte. „Die Verhandlungen auf der Agrarministerkonferenz waren zäh. Es scheint als hätte der Wahlkampfmodus schon eingesetzt“, so Backhaus. In diesem Jahr leitet MV die Konferenz. Das erste Treffen der Agrarminister und Senatoren des Bundes und der Länder fand bereits vorigen Donnerstag statt. Einige Erfolge hätten laut Backhaus verbucht werden können: „In Zukunft wird es ein einheitliches Verfahren bei der Umsetzung des ökologischen Landbaus geben.“ Dazu werde eine Koordinationsstelle in Hessen errichtet. An der Finanzierung des Vorhabens würden sich alle Länder beteiligen. Darüber hinaus waren sich die Agrarminister einig, dass sie dem TTIP-Umweltabkommen nicht zustimmen werden, sollte dies Einschränkungen der hohen ökologischen Standards in der Land- und Ernährungswirtschaft voraussetzen. Als dritten Aspekt erläuterte Backhaus, dass es von allen Seiten weitere Investitionen in Agrarstrukturen und den Küstenschutz geben werde.

Am Samstag waren auch Teilnehmer aus Mecklenburg-Vorpommern zu den beiden Demonstrationen von Umweltschützern und Bauern nach Berlin gereist. Umweltverbände und Grüne protestierten gegen die nach ihrer Ansicht fortschreitende Industrialisierung der Landwirtschaft. Das Motto ihrer Demonstration lautete „Wir haben Agrarindustrie satt.“
Der Landesbauernverband und Landwirte unterstützten dagegen die Demonstration „Wir machen Euch satt!“. Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Till Backhaus (SPD) sagte: „Ja, wir haben ein Überdüngungsproblem zulasten des Grundwassers, verursacht durch die Landwirtschaft, aber Dünger und Pflanzenschutzmittel sind deswegen noch kein Teufelszeug.“
Pflanzen brauchten eine medizinische Behandlung zur Abwehr von Krankheiten und Schädlingen. Ohne Pflanzenschutzmittel könnte kaum noch ein Betrieb in Deutschland überleben, ergänzte der Minister. „Damit würde der Landwirtschaft das Ende erklärt, mit der Folge, dass die Produkte dann nur noch aus dem Ausland bezogen werden könnten.“ Backhaus forderte beide Seiten auf, von „nicht durchsetzbaren Maximalforderungen Abstand zu nehmen.“

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