Bäume aus dem Reagenzglas : Diese Allee wird geklont

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Weil es die Linden-Sorte nicht mehr gibt, klonen Forscher Kopien für die einzigartige Barock-Allee am Schloss Bothmer

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25. März 2014, 21:26 Uhr

Die 300 Jahre alte Lindenallee am Schloss Bothmer in Mecklenburg-Vorpommern gilt als gartenarchitektonische Einmaligkeit: Die beim Bau des Barockschlosses um 1730 gepflanzten Bäume sind so in Form geschnitten, dass ihre Kronen beiderseits des Wegs eine 270 Meter lange, grüne Girlande bilden. Doch sie werden gebrechlich. „Wir lehnen nicht einmal mehr eine Leiter an“, sagt der leitende Gartenbauingenieur der Staatlichen Schlösser und Gärten in Mecklenburg-Vorpommern, Dietmar Braune. Das Ende der berühmten Feston-Allee ist absehbar, wenn nicht bald nachgepflanzt wird. Nur: Die damals gesetzte Sorte „Konings“ gibt es nicht mehr.


Linden bilden nur sehr schwer Wurzeln


Als vor einiger Zeit ein Sturm mehrere Bäume umwarf, pflanzte man eine ähnliche Sorte. Doch Braune ist nicht glücklich damit: „Schon leichte Abweichungen beim Glanz der Blätter oder bei der Färbung der Triebe beeinträchtigen den Gesamteindruck ganz erheblich.“

Hilfe kommt von Klon-Forschern aus Berlin. Im In-vitro-Labor der Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät der Humboldt-Universität arbeiten sie an der Herstellung genetisch identischer Bäume. Linden sind von besonderem wissenschaftlichen Interesse, denn sie machen Schwierigkeiten. „Sie bilden nur sehr schwer Wurzeln“, beschreibt Klonforscher Matthias Zander das Hauptproblem. Je älter der Ursprungsbaum, desto schwieriger werde es mit der Wurzelbildung.

Die Berliner Wissenschaftler sind gefragt bei Gartendenkmalpflegern. So haben sie bereits für die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg Kopien einzelner historischer Bäume in Potsdam und Berlin im Reagenzglas gezogen, erzählt Zander.

Im Fall der Bothmer-Linden setzten die Forscher vorsichtshalber mehrere hundert Reagenzgläser mit Zellmaterial aus Blattknospen der Alleebäume an. Das Experiment ließ sich gut an: Auf der gallertartigen Nährlösung sprossen bald zarte Triebe. Keimfreiheit ist jetzt das oberste Gebot. Obwohl das Labor in Berlin steril arbeitet, gehen die meisten Pflänzchen bald kaputt. „Oft ist bereits das Material von der Mutterpflanze von Pilzen oder Bakterien befallen“, sagt Zander. „Bei der Linde ist man froh, wenn fünf Prozent pathogenfrei durchkommen.“

Wer diese Hürde genommen hat, hat das Schwerste erst vor sich. Die einen Zentimeter kleinen Pflänzchen müssen Wurzeln bilden. Die Wissenschaftler stellen sie dazu in Reagenzgläser mit einer neu gemischten Nährlösung, der neben Hormonen und Vitaminen auch sogenannte Auxine zugegeben werden. Diese sollen die Wurzelbildung anregen. Die Ausfallrate ist enorm. „Zehn Prozent schaffen es“, sagt Zander bedauernd. Um das Ergebnis zu verbessern, tüfteln die Berliner Wissenschaftler an neuen Methoden. So versuchen sie gerade, die Pflänzchen mehrmals täglich für 20 Minuten mit der Nährlösung zu überschwemmen. „Dabei kann die Pflanze die Nährstoffe mit allen ihren Teilen aufnehmen“, sagt Zander.


Zehn Jahre Schutz in der Gärtnerei


Haben sie erst einmal eine Wurzel, müssen die kleinen Linden nur noch wachsen, sich irgendwann an Erde gewöhnen und nach und nach auch an die Keime der natürlichen Umwelt. Von dem Berliner Bothmer-Experiment, das 2011 mit fast tausend Reagenzgläsern begonnen hatte, sind Anfang 2014 rund 80 Pflanzen übrig geblieben. Sie sind inzwischen 80 Zentimeter hoch und können demnächst abgeholt werden.

Bis sie in die Feston-Allee eingesetzt werden können, vergehen aber noch etwa zehn Jahre. Bis dahin sollen sie in einer Gärtnerei gehütet werden. Sie müssen etwas aushalten, wenn sie in die Allee kommen.

Denn dort lauert Gefahr. „Stellen Sie sich vor“, sagt Gartendenkmalpfleger Braune mit Schaudern, „wenn da ein Reh kommt und die kleinen Bäumchen aus dem Labor einfach abfrisst.“


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