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IHK-Treffen : Die Zukunft ist schlicht norddeutsch

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Gestern Abend in Zarrentin: Zwei IHK aus Schwerin und Lübeck lassen 25 Jahre Wirtschaftsgeschichte passieren und wagen Ausblicke

von
erstellt am 21.Okt.2014 | 12:00 Uhr

Hochkarätig besetzt und an historischer Stelle haben gestern Abend die Industrie- und Handelskammern zu Schwerin und Lübeck ein Stück deutsch-deutscher Wirtschaftsgeschichte aufgearbeitet. „Grenzenlos erfolgreich“ war das Motto der Podiumsdiskussion, die im Zarrentiner Kloster vor gut 120 Gästen stattfand. Und es waren eben nicht nur die Vertreter der Kammern, die da die letzten 25 Jahre des wirtschaftlichen Geschehens in Westmecklenburg und im Osten Schleswig-Holsteins aufarbeiteten. Im Saal saßen auch zahlreiche Vertreter einheimischer Betriebe, von Unternehmerverbänden, Selbstständige, kommunale Politiker.

Wie sehr die Grenzen sich inzwischen verwischt haben, zeigte sich schon in der Diskussion. Sowohl Schwerins IHK-Präsident Hans Thon als auch Hauptgeschäftsführer Siegbert Eisenach kommen eigentlich aus dem Westen, sprechen aber längst von „unserer“ Entwicklung im Osten. Umgekehrt hat Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer lange Jahre in Schwerin als Minister gewirkt.

Kooperation, norddeutsche Identität, egal ob sie gut tut oder echt ist, eine gemeinsame Stimme der Norddeutschen in Richtung Berlin und Brüssel und keine bedingungslose Ausrichtung auf Hamburg waren dann die Schlagworte in den Reden und in der Diskussion. Letztere wurde von SVZ-Chefredakteur Michael Seidel moderiert. Und Seidel sprach schnell die Verteilungskämpfe um die Fördermittel an, die die Gebiete an der Grenze oft zu direkten Konkurrenten werden ließen. IHK-Präsident Thon sprach hier von einem Geschenk, ohne die Fördermittel wäre ein Aufbau so nicht möglich gewesen. Minister Meyer gab offen zu, Unternehmen aus dem Westen abgeworben zu haben und IHK-Präses Friedericke C. Kühn bekannte, dass das für ihr Haus ein Riesenproblem gewesen sei.

Doch die Dinge haben sich gewandelt. Inzwischen hat man auf schleswig-holsteinischer Seite erkannt, dass z. B. der Megapark Valluhn-Gallin für die ganze Region gut ist. Fast die Hälfte der dort Beschäftigten wohnt nämlich in Schleswig-Holstein. Es gab Zeiten, da wollte der Westen gerade dieses Gebiet um jeden Preis verhindern.

Alles wurde an dem gestrigen Abend zur Sprache gebracht: Wer wie den 9. November erlebte, wie die ersten Hilfeleistungen für den Osten passierten, wann die erste Euphorie vorbei war und die Ostalgie und Westalgie ihre Blütezeiten erlebten und wie es künftig weitergehen soll. Klare Meinung fast aller Anwesenden: Mit ungleichen Löhnen in Ost und West wird der Aufholprozess im Osten auch angesichts des Facharbeitermangels nicht weitergehen können. Auch wenn kein Nordstaat in Sicht ist, so wird ohne Kooperation zwischen den Norddeutschen gar nichts mehr gehen.

Und Hamburg? Die Metropolregion? Die sei eine Chance, mehr aber auch nicht. Die beiden Flächenstaaten im Norden verbinde mehr, Hamburg habe seine eigenen Interessen. Getragen werden muss die norddeutsche Kooperation am Ende von den Unternehmern der Region, den Menschen. Die Kammern können da nur helfen. Gestern haben sie dafür einen Anfang gemacht.

 

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