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WIRTSCHAFT : Die Strompreissparer

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Eine Idee aus MV erobert Deutschlands Kommunen: die elektronische Auktion für Strom und Gas / Kommunen schwören auf Schweriner Firma

svz.de von
erstellt am 01.Jan.2014 | 17:06 Uhr

Wie drückt eine Kommune den Strompreis um 40 Prozent? Der Hausmeister könnte im Rathaus, der Schule, Kita und bei der Straßenbeleuchtung jede zweite Glühbirne herausdrehen. Es geht aber auch anders, wie die Schweriner Kubus GmbH zeigt. Das Unternehmen hat die elektronische Auktion für Städte und Gemeinden zur Einsatzreife gebracht. „Damit erzeugen wir richtig Wettbewerb unter den Stromanbietern, was die Preise schmelzen lässt“, sagt Geschäftsführer Hans-Werner Reimers. Auch für Gas geht das. „Ich hatte den Eindruck, dass die öffentliche Hand mehr für ihre Energie bezahlt als private Unternehmen mit vergleichbarer Abnahmemenge“, schildert der 57-Jährige. Als Hauptprobleme erkannte er lange Ausschreibungszeiten bei Kommunen und die Tatsache, dass nur ein sehr kleiner Anbieterkreis einbezogen wurde.

„Man zahlt Sicherheitszuschläge für eventuelle Preisänderungen am Strommarkt, wenn mehrere Wochen zwischen Ausschreibung und Entscheidung liegen“, sagt Reimers. Also ersannen seine Mitarbeiter gemeinsam mit einem Kooperationspartner eine Internetplattform, auf der sie Ausschreibungen für die Kommunen einstellen. Mehrmals im Jahr wird eine jeweils vierstündige Auktion veranstaltet, es sind schon mal über ein Dutzend Anbieter dabei. Zwei Tage später kennt der Gewinner die Entscheidung der jeweiligen Kommune.

Seit 2009 gibt es diese Auktionen. Einer der ersten Kunden war der damalige Landkreis Ostvorpommern. Er spart aufs Jahr gerechnet 50 000 Euro zum vorherigen Strompreis, sagt Reimers. Den bislang größten Deal landete Kubus in diesem Jahr, als die Firma für mehr als 1500 bayerische Kommunen die Stromlieferungen für die Jahre 2014 bis 2016 ausschrieb. Die Städte und Gemeinden im Freistaat erzielten gegenüber den Preisen aus der letzten Bestellung von 2009 – Lieferanten waren damals ausschließlich Eon Bayern und die Lechwerke – Einsparungen von etwa 40 Prozent: in Euro 21 Millionen. Ihnen kam zugute, dass die Preise an der Leipziger Strombörse stark gesunken sind. Stefan Graf vom Bayerischen Gemeindetag zeigt sich im Kubus-Magazin „Spektrum“ sicher, dass die Energieversorger die günstigen Börsenpreise ohne die Auktionen vermutlich nicht an die Kommunen weitergegeben hätten. Für die Gemeinde Selbitz in Oberfranken mit 4400 Einwohnern etwa sind pro Jahr 22 000 Euro Ersparnis errechnet worden. Kämmerer Michael Munzert freut sich: „Das ist schon ein guter Betrag“, sagt er.

Die Idee spricht sich herum. Kommunen in Schleswig-Holstein, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen, Thüringen und Niedersachsen gehören zu den Kunden. Aktuell laufen Gespräche im Saarland, erklärt Reimers. Ausgerechnet in Mecklenburg-Vorpommern jedoch halten sich viele Kommunen, vor allem im Westteil des Landes, zurück. Der mutmaßliche Grund: Der örtliche Energieversorger Wemag liegt zu 100 Prozent in kommunaler Hand. Die Lokalpolitiker wollten dem eigenen Unternehmen nicht wehtun, auch wenn das den Einkauf verteuert, sagen Beobachter.

Allerdings sind die Kommunen zur Ausschreibung verpflichtet. „Darauf weist der Verband immer wieder hin“, sagt der Geschäftsführer des Städte- und Gemeindetages Mecklenburg-Vorpommern, Michael Thomalla. Im Ostteil des Landes rechnet Thomalla mit einem wachsenden Interesse an der Stromausschreibung und -auktion mit Kubus, denn der kommunale Anteil am Vertrieb des dortigen Versorgers e.dis sei Mitte 2013 aufgegeben worden.

Die Kubus GmbH gehört den kommunalen Spitzenverbänden Mecklenburg-Vorpommerns und Schleswig-Holsteins. An Gewinnen sei man nicht interessiert, sondern an guten Dienstleistungen, sagt Thomalla. Für neue Anteilseigner aus der kommunalen Familie bundesweit sei das Unternehmen offen. Interesse signalisierten demnach bereits der Städte- und Gemeindebund Sachsen-Anhalt und der Bayerische Gemeindetag.


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