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Parchims neuer Tower in Betrieb : Die Chinesen kommen

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Flughafen Parchim will ins Passagiergeschäft einsteigen: Terminal wird erweitert. Investitionen in Industriepark bleiben jedoch aus

svz.de von
erstellt am 18.Mai.2015 | 20:30 Uhr

Chinesen im Anflug: Die ersten sollen in diesem Jahr auf dem Flughafen Parchim landen und in der mecklenburgischen Provinz ihre Deutschland-Tour beginnen – pro Flugzeug 300 Gäste. Zunächst sei eine Testphase vorgesehen, erklärte Flughafensprecher Jiasong Zheng, später der Regelbetrieb. So zuversichtlich sich Zheng auch gibt, noch können sich die chinesischen Touristen mit dem Kofferpacken Zeit lassen. Ursprünglich sollten die ersten Asiaten schon im Sommer auf dem einstigen Militär-Flughafen des chinesischen Eigners Jonathan Pang in Parchim von Bord gehen. Zheng rechnet jetzt mit den ersten Flügen „noch in diesem Jahr“. Genauere Termine könne er aber nicht nennen: „Wir tun alles, um unsere Vorhaben noch 2015 zu realisieren.“ Zusammen mit dem chinesischen Partner eines staatlichen Reiseveranstalters werde versucht, die Deutschland-Touren zu vermarkten – Erfolg offen.

Zumindest am Boden nehmen die Touristen-Pläne in Parchim Gestalt an: Nach dreieinhalb Jahren Bauzeit ging gestern der drei Millionen Euro teure neue Flughafen-Tower offiziell in Betrieb. Zudem rüstet der Anlagenbauer SRK Systems aus dem nordrhein-westfälischen Herdecke bis Juli den Terminal in Parchim mit zwei neuen Gepäcksortieranlagen aus, bestätigte das Unternehmen. SRK stellt komplette Anlagen für die Beförderung von Gepäckstücken an Flughäfen her und liefert sie alle Welt – nach Skandinavien, Tirana, Bratislawa, Moskau, Turkmenbashi. Auch in Rostock-Laage und Berlin-Schönfeld wird mit Anlagen aus Herdecke das Gepäck der Fluggäste sortiert. Die Anlagen für Parchim seien für 300 Passagiere je Flugzeug konzipiert, erklärte SRK-Sprecher Robert Kleinschmidt. Ende Juli sollen die Sortierer sowohl für abfliegende als auch ankommende Maschinen mit je 30 bzw. 53 Meter Rundlauf montiert werden und Röntgengeräte in das System integriert sein. Der Auftrag sei zunächst auf die beiden Anlagen begrenzt. Das System biete aber Möglichkeiten der Erweiterung, sagte Kleinschmidt. Zuwachs in der Abflughalle: Der bestehende Terminal werde ausgebaut, erklärte Zheng. Bisher konnten rund 100 Passagiere auf einmal am Flughafen abgefertigt werden, künftig sollen es 300 sein.

Trotz der Millionen-Investitionen: Acht Jahre nach der Übernahme des ehemaligen Militärflughafens bleibt der chinesische Investor Jonathan Pang weit hinter den Erwartungen zurück. „Wir wollen den Standort Parchim ganz weit nach vorne bringen“, kündigte Pang vor fast zwei Jahren mal wieder an. Im zweiten Quartal 2014 solle der reguläre Flugbetrieb aufgenommen werden, stellte er damals bei einem Spitzentreffen von Transport- und Logistikunternehmern in Aussicht. Noch zu Jahresbeginn hieß es, im Februar solle der Regelbetrieb starten. Jetzt ist frühestens von 2016 die Rede. Beim Flughafen-Verkauf hatte der Landkreis dem Chinesen vom einstigen Kaufpreis in Höhe von 30 Millionen Euro zwölf Millionen erlassen. Pang hatte sich zu Investitionen von 7,7 Millionen Euro verpflichtet.

Noch bleibt der Parchim-Deal für Pang aber ein dickes Verlustgeschäft: Seit seinem Einstieg hat er allein für den Betrieb des Platzes schätzungsweise mehr als 25 Millionen Euro zugeschossen – die erhofften Flugbewegungen blieben aber weitgehend aus. Auch die angekündigten Millionen-Investitionen im Industriepark am Airport sind weiter nicht in Sicht. Es lägen derzeit keine entsprechenden Bauanträge vor, teilte ein Kreissprecher gestern mit. Ursprünglich sollte ein ersten Abschnitt bereits 2009 fertig gestellt sein.  

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