Mindestlohn : Die 15 Lohn-Tricks der Arbeitgeber

Mehr Geld: Bundesweit profitieren 3,7 Millionen Beschäftigte vom Mindestlohn.
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Gewerkschaften: Wirtschaft umgehen mit „krimineller Kreativität“ Mindestlohnregeln / Unternehmer weisen Kritik zurück: nur Einzelfälle

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03. März 2015, 07:55 Uhr

Gestrichene Zuschläge, weniger Urlaubstage, Abzüge für die Messernutzung: In MV versuchen einige Arbeitgeber mit Tricks das seit Jahresbeginn geltende Mindestlohngesetz zu umgehen – häufig zum Nachteil für Arbeitnehmer. Die Erfahrungen nach 7500 Anrufen an der Mindestlohn-Hotline zeigten die „ganze kriminelle Kreativität von Lohndumpingunternehmen“, erklärte DGB-Landeschef Uwe Polkaehn gestern und forderte die Arbeitgeber auf, das Mindestlohngesetz einzuhalten: Geschäftsmodelle, die auf illegalen Billiglöhnen basierten, müssten beendet werden.

Der Druck auf die Arbeitgeber wächst: Bereits vergangene Woche hatte Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) die Unternehmen davor gewarnt, Zuschläge zu kürzen, um die Mindestlohnregeln einzuhalten: Angesichts der demografischen Entwicklung könne er Arbeitgebern nur raten, Beschäftigte ordentlich zu entlohnen, „damit die Leute im Land bleiben“.

Vorerst zeigen die Chefs aber Kreativität: Nach der Auswertung von 7500 Anrufen an der Mindestlohn-Hotline hat der DGB 15 Tricks ausgemacht, mit denen Mindestlohnregeln umgangen werden sollen:

Arbeitszeit-Trick

Es werden neue Verträge mit reduzierter Arbeitszeit vorgelegt, aber die Arbeit im alten Umfang erwartet.

Überstunden-Trick

Ein Teil der Arbeit wird zum Mindestlohn abgerechnet, Überstunden tauchen aber auf dem Lohnzettel nicht auf.

Weihnachtsgeld-Trick

Es werden Zuschläge (Nacht-, Sonntagszuschläge) und Weihnachts-/Urlaubsgeld in den Grundlohn eingerechnet, um auf 8,50 Euro pro Stunde zu kommen.

Bereitschaftsdienst-Trick

Es werden Pausen, Warte- und Bereitschaftszeiten nicht mehr vergütet.

Gutschein-Trick

Es werden Naturalien als „Bezahlung“ angeboten wie in Kinos Eintrittskarten, in Bäckereien Essen-, in Wellness-Centern Solariumgutscheine.

Urlaubs-Trick

Urlaubstage werden auf das gesetzlich vorgeschriebene Minimum (24 Tage) reduziert, um die Mindestlohnkosten wieder „reinzuholen“.

Praktikums-Trick
Arbeitsverhältnisse werden als Praktika oder Volontariate deklariert, obwohl es sich nicht um Lernverhältnisse handelt.

Sohnemann-Trick

Minijobber werden angehalten, Familienangehörige unter 18 Jahren bei ihrem Arbeitgeber anzumelden, um die Ausnahmeregelung für Minderjährige zur Umgehung des Mindestlohnes zu nutzen.

Trinkgeld-Trick

Kellnerinnen und Kellner sollen das Trinkgeld in einen Topf werfen, um daraus die Lohnerhöhung zu finanzieren.

Kilo-Trick

Saisonarbeiter sollen während der Ernte nach Kilo und nicht nach abgeleisteten Stunden bezahlt werden.

Fixlohn-Trick

Minijobberin im Einzelhandel sollen mit ihrem Vertrag übers Jahr gesehen eine feste Summe bekommen – ohne Berücksichtigung des Mindestlohns pro Zeitstunde.

Kundenpauschalen-Trick

Beschäftigte im Dienstleistungssektor sollen eine Kundenpauschale erhalten, unabhängig von der Dauer ihrer Anwesenheit im Betrieb.

Umsatz-Trick

Beschäftigte sollen zwar den Mindestlohn erhalten, müssen dann aber eine mehrprozentige Abgabe auf ihren Umsatz an den Arbeitgeber entrichten.

Schwarzarbeit-Trick

Beschäftigte erhalten nur für eine geringe Stundenzahl den Mindestlohn, der Rest wird „schwarz“ ausgezahlt.

Augen-zu-Trick

Es wird von manchen Arbeitgebern ohne Begründung der Mindestlohn nicht gezahlt oder behauptet, für bestimmte Tätigkeiten, Anstellungsverhältnisse (Minijobs) oder Be-triebsgrößen gelte er nicht.

Nicht bezahlte Überstunden, Urlaubskürzungen: Es gebe einige „Verzerrungen“. Das seien aber Einzelfälle, wies die Vereinigung der Unternehmensverbände Mecklenburg-Vorpommern (VUMV) den Versuch zurück, die Unternehmen unter Generalverdacht zu stellen. Die Wirtschaft setze die Mindestlohnregeln korrekt um, versicherte VUMV-Sprecher Jens Matschenz. Allerdings sei es gerechtfertigt, auch bisherige freiwillige Leistungen bei der Neuberechnung einzubeziehen. Den Unternehmen mache derzeit vielmehr der hohe bürokratische Aufwand der von der Mindestlohnregel geforderten Arbeitszeiterfassung zu schaffen. Statt monatliche müssten jetzt wöchentliche Nachweise erfolgen, sagte Matschenz. Das sei vor allem für kleinere Betriebe kaum leistbar.  

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