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Privatisierung : Dickes Geschäft: Landgut vor Verkauf

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

BVVG privatisiert 615 Hektar volkseigenen Boden auf einen Schlag / Waldverkauf in MV soll 2014 abgeschlossen werden

Es ist das spektakulärste Geschäft bei der Privatisierung des ehemals volkseigenen Bodens in MV: 615 Hektar Acker- und Grünland, Seen, Forsten, mehr als 40 Gebäude – die Bodenverwertungs- und -verwaltungsgesellschaft (BVVG) stellt das Gut Boldebuck nahe Güstrow zum Kauf – zum Meistgebot. Eine so große zusammenhängende Fläche, konzentriert rund um einen Agrarbetrieb – „ein Filetstück“, erklärte Johann Jakob Nagel, Chef der BVVG-Niederlassung Schwerin gestern: So etwas habe es im Privatisierungsverfahren in MV noch nie gegeben, werde es auch nicht wieder geben. Das Gut sei ausgeschrieben worden, die ersten Interessenten gebe es bereits. Das Gut war in den 90er-Jahren vom Bund an den Alteigentümer verpachtet worden – mit einer Kaufoption. Im September laufe der Vertrag aus, erklärte Nagel. Der Alteigentümer könne zum Höchstgebot einsteigen. Bis 25. März könnten noch Kaufangebote abgegeben werden.

Das wird teuer: Im vergangenen Jahr nahmen die Bodenprivatisierer bei Verkehrswertverkäufen von Acker- und Grünland in MV im Schnitt 16 438 Euro je Hektar ein – mit fast zwei Prozent mehr als ein Jahr zuvor der bisher höchste Stand. Bei einem Flächenverkauf sei auch ein Spitzenpreis von 36 000 Euro je Hektar gezahlt worden. Damit liegen die Bodenpreise in MV um gut 1000 Euro höher als im ostdeutschen Durchschnitt, der 2013 bei 15 411 Euro lag. Und die Preise steigen weiter – um gut fünf Prozent auf 17 200 Euro, erwartet Nagel. Nach Hochrechnungen kann der Bund allein durch den Verkauf des Gutes Boldebuck mit Einnahmen zwischen 10 und 20 Millionen Euro rechnen, schätzen Experten.

Damit wird das Geschäft für die bundeseigene BVVG eines der lukrativsten in diesem Jahr. Acker oder Wald: „Die Nachfrage ist ungebrochen“, sagte Neubrandenburgs BVVG-Chef Bettina Walter. 13 200 Hektar Acker und Grünland seien im vergangenen Jahr privatisiert worden, davon 6100 Hektar an Alteigentümer zu begünstigten Preisen, aber auch 4300 Hektar zu Höchstgeboten. In diesem Jahr stünden wieder 13 100 Hektar Agrarfläche zum Verkauf, dazu 3000 Hektar Wald. Satte Einnahmen für die Bundeskasse: 185 Millionen Euro soll der Acker- und Waldverkauf sowie die Verpachtung in diesem Jahr einbringen, etwa 16 Millionen weniger als in diesem Jahr. Die BVVG habe in MV 2013 eines der erfolgreichsten Jahre abgeschlossen, sagte Walter. Die Norddeutschen steuerten fast zwei Fünftel zum Überschuss bei. Das Bodengeschäft hatte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) im vergangenen Jahr insgesamt in Ostdeutschland 436 Millionen Euro eingebracht.

In diesem Jahr solle neben dem direkten Flächenverkauf zum Höchstgebot vor allem der begünstigte Flächenerwerb an Alteigentümer fortgesetzt werden. Derzeit würden in MV noch 316 Anträge vorliegen, sagte Walter – „eine sehr komplexe juristische Aufgabe“. Teilweise gehörten schon die Erben und Erbeserben zu den Antragstellern. Manche Kaufberechtigten wohnten inzwischen in Kanada, Südafrika oder Australien und hätten von Übersee entsprechende Anträge gestellt. Zudem solle in diesem Jahr der Waldverkauf von allen eigenständigen Losen abgeschlossen werden, kündigte Nagel an – für rund 3000 Hektar, jeweils Flächen zwischen 0,5 und 15 Hektar, stehe der Eigentümerwechsel an.

Mehr als zwei Jahrzehnte Privatisierung: Die BVVG bereitet sich indes auf das Ende des Bodenverkaufs vor. „Unser Geschäft ist endlich“, sagte Walter. Noch habe die BVVG in MV 76000 Hektar zu privatisieren. Damit sei die Bundesgesellschaft aber nur noch „auf dem zweiten Tabellenplatz“, sagte Nagel. Inzwischen habe das Land die BVVG als größten Bodeneigentümer in MV abgelöst.


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erstellt am 31.Jan.2014 | 11:24 Uhr

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