Frühling bei Gärtnereien : Der unbewusste Wunsch nach Gelb

Im Gartenfachmarkt Grönfingers in Rostock stehen Primeln zum Verkauf bereit.
Im Gartenfachmarkt Grönfingers in Rostock stehen Primeln zum Verkauf bereit.

Unmittelbar nach Weihnachten schalten die Gärtnereien auf Frühling um

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08. Januar 2016, 11:45 Uhr

Sehnsucht nach Frühling mitten im eisigen Winter: Kaum sind die Festtage vorbei, wollen viele Menschen offenbar Frühlingsblumen. „Schon unmittelbar nach dem Fest war die Nachfrage riesengroß“, sagt der Geschäftsführer des Gartenfachmarktes Grönfingers in Rostock, Eckhard Heinemann. Dort wurden mehr als 70 000 Primeln für den Start in die Frühjahrssaison mitten im Winter gezogen, außerdem 200 000 Stiefmütterchen und etliche Tausendschönchen.

„Wir haben auch Hyazinthen und Narzissen im Angebot, so als wäre schon Ostern“, sagt Thomas Ortmann, dessen Familiengärtnerei in Sanitz, Landkreis Rostock, sich ebenfalls bestens auf den Saisonstart vorbereitet hat. Ähnlich sieht es bei Michael Zube in Steinhagen bei Bützow oder bei Nordflor in Barth aus.

„Kein Gartenbaubetrieb lässt sich dieses Geschäft entgehen“, ist sich der Geschäftsführer des Gartenbauverbandes Nord, Frank Schoppa, sicher. Er spricht für 350 Mitgliedsbetriebe in Mecklenburg- Vorpommern, Schleswig-Holstein und Hamburg.

„Während in der Natur noch Winter ist, kann bereits das erste Geld des Jahres verdient werden. Zu einer Zeit, da es im Blumenhandel eher ruhig zugeht“, bemerkt er. Angesichts des globalen Wettbewerbs haben viele Gärtnereien die Produktion von Schnittblumen wegen des Kostendrucks komplett eingestellt. Auf die Frühjahrsblüher im Topf jedoch will jedoch kaum ein Betrieb verzichten.

Mit viel Fingerspitzengefühl haben im Sommer etliche Mitarbeiter bei Grönfingers pro Stunde bis zu 350 winzige Pflänzchen in Töpfe gesetzt. Nach vier, fünf Monaten stehen die ersten in voller Blüte.„Drei Dinge sind für diese Punktlandung wichtig: Berufserfahrung, Sortenvielfalt und Glück“, verrät Geschäftsführer Heinemann. „Zuletzt wurden vor allem klassische Sorten wieder verstärkt nachgefragt, darauf haben wir uns eingestellt“, berichtet er und zeigt auf einfarbige und vergleichsweise einfache Blüten mit kurzen Stielen.

Gleich daneben stehen gefüllte und gekräuselte Sorten, mehrfarbige, sogenannte Kissenprimeln und auffallend langstielige Exemplare.

Bei den Farben gibt es einen heißen Favoriten. „Fast alle Kunden greifen zu gelb. Das hat mit dem Wetter zu tun. Nach grauem November und Dezember sehnen sich alle nach Licht. Und gelb symbolisiert die Sonne, bei vielen funktioniert das unbewusst“, erklärt der Verkaufsstratege. Doch später geht der Trend hin zu kräftigen Farben, zu rot, blau und violett, und möglichst mit gefüllten Blüten, heißt es unisono bei den Gärtnern im Land.

Auch die Discounter bieten Frühjahrsblüher an. Deren Primeln & Co kommen vor allem aus Süddeutschland. Angesichts der günstigeren Klimabedingungen im Vergleich zum Norden ist der Energieeinsatz dort spürbar geringer. Das hat Auswirkungen auf den Preis. „Ein Problem hingegen sind die langen Transportwege. Da sind wir mit unseren Angeboten aus der Region wieder im Vorteil“, sagt Verbandschef Schoppa.

Bis zum Jahresende war der Witterungsverlauf auch für den Norden günstig. „Kein Frost, zuletzt auch immer mal wieder Sonne, das hat dem Pflanzenwachstum gutgetan“, sagt Grönfingers-Geschäftsführer Heinemann.

Ansonsten kann das Unternehmen auf moderne technische Möglichkeiten zurückgreifen. Sinkt das Thermometer wie in den vergangenen Tagen in Richtung Gefrierpunkt, springt automatisch eine Fußbodenheizung an, die sämtliche Töpfe optimal an der Wurzel mit Wärme versorgt. Fehlt Wasser, wird das Gewächshaus wenige Millimeter hoch komplett mit gespeichertem Regenwasser geflutet, bis sich alle Töpfe ausreichend vollgesogen haben. „Ein ausgeklügeltes System, das uns hilft, Kosten zu sparen“, zeigt sich der Grönfingerschef mit einer seiner jüngsten Investitionen zufrieden.

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