Ausbau Glasfasernetz : Der Seelöwe landet in Rostock

Jukka-Pekka Joensuu (r.) von Cinia unterschreibt die Ankunftsboje.
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Jukka-Pekka Joensuu (r.) von Cinia unterschreibt die Ankunftsboje.

Neue digitale Autobahn zwischen Finnland und Deutschland gelegt. Investoren erwarten Investitionen in Milliardenhöhe

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12. Januar 2016, 21:00 Uhr

Das Kabel ist nicht viel dicker als eine Salami. Von einer schwarzen Hülle ummantelt, ziemlich unscheinbar. Das Innenleben aber hat es in sich: acht Paare optische Glasfasern, die in der Lage sind, ein Volumen von 15 Terabit pro Sekunde auf die Reise zu schicken. Es ist, als schnürte man ein Datenpaket aus 25 000 Musikstücken – und schickt es innerhalb eines Wimpernschlags von A nach B. Genauer genommen von Rostock nach Helsinki.

Seit Dinestag verbindet die beiden Städte das unterseeische Kabel Sea Lion, der Seelöwe. Mitten auf der Ostsee, zehn Kilometer vor Marktgrafenheide, verbanden Ingenieure auf dem Schiff Ile-de-Bréhat die letzten Enden – nach 93 Tagen. Es ist die erste direkte Datenverbindung zwischen Finnland und Deutschland. Eine digitale Autobahn, 1 170 Kilometer lang. Verlegt von einem kleinen Roboter, der das Kabel anderthalb Meter unter den Meeresgrund drückte. Die Investoren sind das finnische Unternehmen Cinia und Hetzner-Online, ein Nürnberger Anbieter für Internet-Dienstleistungen. „Das Kabel ist ein echter Highway“, sagt Jukka-Pekka Joensuu, einer der Geschäftsführer von Cinia. Nach Inbetriebnahme im Frühjahr sei es die schnellste und kürzeste Verbindung zwischen Mittel- und Nordeuropa. „Und von da“, sagt er, „ist es nicht mehr weit bis Asien.“

Der Seelöwe ist in Finnland ein Prestigeprojekt. Joensuu bezeichnet es als „Schlüsselinitiative“. 2013 gab die finnische Regierung eine Machbarkeitsstudie in Auftrag. Ein Jahr später kam der Beschluss – mit Förderung der EU. Finnland stärkt mit dem Kabel seinen Status als digitaler Knotenpunkt zur Mitte Europas. „Schnelle, sichere und gute Datenübertragung sind schon jetzt wichtig“, sagt Joensuu, „aber in den nächsten zwei bis drei Jahren wird es elementar.“ Laut Cinia könnte sich das schwarze Kabel in Gold verwandeln: Das Unternehmen erwartet in einer Dekade Investitionen in Höhe von zwei bis drei Milliarden Euro.

Und das erste Geld ist bereits eingespielt. Der Mitinvestor Hetzner nutzt in Zukunft eine der acht Glasfasern des Kabels. In Tuusula, einem Vorort von Helsinki, werden die Daten in Zukunft auf finnischer Seite verarbeitet. Hetzner beginnt in den nächsten Monaten mit dem Bau eines Rechenzentrums; direkt neben dem Hauptstadtflughafen. Ein neuer Standort in Finnland hätte sich angeboten, sagt Arno Pischer, Vertriebsleiter des Unternehmens. „Niedrige Strompreise, das kühle Klima und die Nähe zu Russland“, sagt er.

Ist alles fertig, besteht eine direkte Verbindung zwischen Frankfurt/Main und Helsinki – über Rostock. In der Hansestadt müsse nur noch ein kurzes Stück verlegt werden, dann steht auch der Weg nach Frankfurt/Main. Für den normalen Verbraucher ist das Kabel aber eher eine Salami: An der Schnelligkeit des Internets in Mecklenburg-Vorpommern ändert sich vorerst nichts.

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