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Der Osten sieht rot

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Schwerin | Die Stromkonzerne kassieren den Osten ab: Trotz sinkender Preise an der Leipziger Strombörse verlangen die Energieriesen von Kunden in den neuen Ländern bis zu 46 Prozent höhere Tarife als im Westen. Mehr noch: Bundesweit treiben die Versorger in diesem Jahr von den Verbrauchern etwa eine Milliarde Euro zu viel ein, ergab eine Studie der Grünen-Bundestagsfraktion hervor. Und das, obwohl der Einkauf an der Börse seit 2008 um 30 bis 40 Prozent billiger geworden ist. Gerade vollzogene Preiserhöhungen seien "nicht gerechtfertigt", heißt es in der Studie. Während Haushaltskunden seit 2008 im Schnitt sieben Prozent mehr zahlen mussten, wurden Gewerbe- und Industriekunden deutlich besser gestellt. Für sie sanken die Preise teilweise zweistellig. Die Versorger machen Kasse: In den letzten vier Jahren seien die Strompreise in Deutschland mehr als viermal so stark gestiegen wie im europäischen Vergleich. "Es ist nicht hinnehmbar, dass der Wettbewerb auf dem deutschen Strommarkt immer noch nicht funktioniert", kritisierte die stellvertretende Grünen-Fraktionschefin Bärbel Höhn. "Die Zeche zahlt der Verbraucher." Allein im Juni und Juli planten bundesweit 30, im August 39 Versorger für Millionen Kunden Tarifsteigerungen um bis zu 13 Prozent, ermittelte das Vergleichsportal check24.de. Der Grünen-Studie zufolge steckt sich allein RWE durch die Preiserhöhungen für zwei Millionen Kunden etwa 100 Millionen Euro ungerechtfertigt in die eigene Tasche. Die höheren Tarife seien weder mit gestiegenen Beschaffungskosten noch mit der gestiegenen Umlage für Erneuerbare Energie zu begründen. "Hier wird ein Deckmantel benutzt, um ungerechtfertigte Preiserhöhungen zu kaschieren", sagte Höhn. Die Umlage sei nur geringfügig gestiegen. Höhn weiter: "Die stark gesunkenen Einkaufspreise an der Börse müssen endlich von den Energieversorgern an die Kunden weitergegeben werden." Die Marktmacht von RWE und Eon müsse dringend gebrochen werden, forderte die Grüne. Sie hätten auf der Erzeugerseite quasi Monopolstellungen und könnten die Preisbildung beeinflussen.

Höhere Tarife bekommen vor allem die Verbraucher im Osten zu spüren. Dort sind die Kunden ohnehin bereits schlechter dran. Einer Analyse von check24.de zufolge ist der Strom in den neuen Ländern sieben Prozent teurer als im Westen. So muss ein Haushalt für 5000 kWh zwischen Rostock und Fichtelberg durchschnittlich 1261 Euro zahlen, Kunden zwischen Flensburg und Bodensee hingegen nur 1180 Euro. "In der Spitze betragen die Preisunterschiede bis zu 46 Prozent", erklärte Isabell Wendorff von check24. Kunden im sächsischen Delitzsch müssen bis zu 453 Euro mehr überweisen als beim günstigsten Grundversorger, dem bayrischen GW Stockstadt. Kunden in MV kommen kaum besser weg. Nur in Schwerin, Neubrandenburg, Greifswald, Neustrelitz, Waren und Wismar liegen die Tarife unter dem Bundesschnitt. Die Stromversorgung Greifswald ist einer der günstigsten Grundversorger - 5000 kWh kosten 1100,06 Euro. Die Stadtwerke Neustrelitz verlangen 1106,01 Euro, die Energieversorgung Schwerin 1130,50 Euro, die Stadtwerke Neubrandenburg 1142,21 Euro, die Stadtwerke Waren 1150,98 Euro und die Stadtwerke Wismar 1172,15 Euro, ermittelte check24. In allen anderen Landesteilen wird mehr fällig. Am teuersten: die Stadtwerke Rostock mit 1157,83 Euro und die Stadtwerke Pasewalk mit 1257,04 Euro.

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erstellt am 03.Aug.2010 | 06:50 Uhr

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