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Pegel legt Energiekonzept vor : Der Norden unter Strom

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

MV will zu einem der größeren Stromlieferanten Deutschlands aufsteigen

svz.de von
erstellt am 17.Feb.2015 | 20:40 Uhr

Leistungszuwachs in Öko-Kraftwerken: Mecklenburg-Vorpommern will in den kommenden zehn Jahren den Energieexport ausbauen und zu einem der größeren Stromlieferanten Deutschlands aufsteigen. Bis 2025 soll der Nordosten 6,5 Prozent der in Deutschland benötigten elektrischen Energie liefern. Das sieht das gestern von Energieminister Christian Pegel (SPD) dem Kabinett vorgelegte Energiekonzept vor. „Ein erreichbares Ziel“, meinte Pegel im Anschluss an die Kabinettssitzung. So werde die Stromerzeugung nicht mehr wie bisher von Kraftwerken an einzelnen Standorten, sondern von dezentralen Anlagen in der Fläche getragen. 2013 steuerte Mecklenburg-Vorpommern etwa 1,7 Prozent zur Stromversorgung Deutschlands bei.

Dabei strebe die Landesregierung einen „ausgewogenen Energiemix“ an, heißt es in dem 68seitigen Papier. „Vorrang haben erneuerbare Energien“, sagte Pegel. Den Strom sollen vor allem Windkraftanlagen liefern, aber auch Solar-, Bioenergie- und Geothermieanlagen. Mehr als vier Fünftel der für 2025 prognostizierten 24,3 Terrawattstunden der Gesamtstromerzeugung aus erneuerbaren Energien kämen von den Windfeldern an Land und vor der Ostseeküste, wird in dem Papier erwartet. Daher würden in den kommenden Monaten weitere Eignungsgebiet ausgewiesen, kündigte Pegel an. Auch für die Wärmeversorgung soll deutlich mehr erneuerbare Energie eingesetzt werden – in fünf Jahren 14 statt derzeit acht Prozent.

Dem wachsenden Widerstand in allen Landesteilen gegen neue Windmühlen setzt die Landesregierung in ihrem Energieplan eine wirtschaftliche Teilhabe der unmittelbaren Nachbarn, die in einem Abstand von fünf Kilometern um die Windräder leben, und der betroffenen Kommunen entgegen. Investoren sollen künftig zu einem Angebot einer Beteiligung von mindestens 20 Prozent verpflichtet werden. So könnte mehr regionale Wertschöpfung entstehen, meinte Pegel. Ein entsprechendes Bürger- und Kommunalbeteiligungsgesetz solle 2015 den Landtag erreichen. Die Kritik einzelner Bürgermeister, die angespannte Haushaltslage der Kommunen schließe eine Beteiligung an Windenergieprojekten aus, wehrte Pegel ab. Der Nachweis der Rentabilität der Projekte sei gegeben, so dass den Kommunen eine Kreditaufnahme zum darlehensfinanzierten Einstieg ermöglicht werden könne, erklärte der Energieminister.

In dem mit einem Jahr Verzug vorgelegten Energiekonzept hält die Rot-Schwarz trotz aller Widerstände aus Süddeutschland am notwendigen Netzausbau fest und fordert eine gerechte Verteilung der Ausbaukosten auf alle Bundesländer. Zudem wollen Energie- und Bildungsministerium bis 2020 ein sechs Millionen Euro teures Energieforschungsprogramm auflegen und vor allem Entwicklungen zur Netzstabilität und zur Speichertechnologie voranbringen.

Die Windkraftindustrie begrüßte die Pläne des Landes. Das Konzept sei ein „großer Schritt für eine integrierte Energie- und Klimaschutzpolitik“, erklärte Andree Iffländer, Chef des Branchenvereins WindEnergy Network. Kritik kam hingegen von der Opposition: Das Energiekonzept sei „eine Enttäuschung“ und bleibe „hinter den Erwartungen und hinter den Vorschlägen des Landesenergierates zurück“, erklärte energiepolitische Sprecherin der Linksfraktion, Mignon Schwenke, gestern. Das lies Pegel nicht gelten: Das Papier sei der „größtmögliche und aktuell erreichbare Konsens“, sagte er.

 

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