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Fischerei : Der Hering ist im Netz

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Fangsaison vor Abschluss - Hoffnung auf MSC-Ökosiegel

Die Heringsfischer in Mecklenburg-Vorpommern holen nach einer kurzen Fangsaison ihre Netze ein. Die Fischereigenossenschaft in Freest (Vorpommern-Greifswald) hat den Heringsfang bereits eingestellt. „Wir hatten mit einer Dauer von rund vier Wochen eine kurze und knackige Fangsaison“, sagte gestern der Vorsitzende der Genossenschaft, Michael Schütt. Eine Ursache für das frühe Ende sei die Fangquotenabsenkung um 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zudem hätten sich sehr viele Heringe in den küstennahen Gewässern aufgehalten, so dass der Fischereiaufwand sehr gering gewesen sei.

Auch im EuroBaltic Fischwerk in Sassnitz steht die Saison vor dem Abschluss. Die Anlandungsmengen gingen bereits deutlich zurück, sagte Geschäftsführer Uwe Richter. „Wir gehen davon aus, dass vor Ostern die Verarbeitung des Frühjahrsherings abgeschlossen ist.“ Das Werk plant nach Ostern eine komplette Erneuerung seiner Fischmehlanlage für rund 2,5 Millionen Euro. Auf der neuen Anlage soll dann Fischmehl in Lebensmittelqualität produziert werden. Sie soll vor dem Start der Nordseeheringssaison im Juni in Betrieb gehen.

Insgesamt will das Fischwerk wieder mehr als 50 000 Tonnen Hering verarbeiten – wegen der Quotenabsenkungen der vergangenen Jahre kommt weniger als ein Fünftel aus der Ostsee.

Unterdessen zeichnet sich eine Lösung bei der Zertifizierung des Ostsee-Herings mit dem MSC-Siegel ab. Die Heringsfischerei in der Ostsee ist im Gegensatz zur Fischerei in der Nordsee bislang nicht MSC-zertifiziert. Der Absatz des Ostseeherings wurde deshalb in Deutschland immer schwieriger, weil Handelsketten nur noch MSC-zertifizierten Fisch verkaufen.

Die EU und Norwegen haben sich auf Bewirtschaftungspläne für den Hering im Kattegat und in der westlichen Ostsee geeinigt. Europäisches Parlament, Kommission und Rat der Europäischen Union haben eine Arbeitsgruppe eingerichtet, um Managementpläne für mehrere Arten in der Ostsee zu erarbeiten, sagte der Europaabgeordnete Werner Kuhn gestern in Sassnitz.

Nach Angaben des Instituts für Ostseefischerei ist mit der Einigung von EU und Norwegen der entscheidende Knoten geplatzt. Damit gebe es nun in allen Managementgebieten, in denen der Bestand verbreitet ist, klare Regeln für eine nachhaltige Nutzung, sagte Institutsleiter Christopher Zimmermann. Das EuroBaltic-Fischwerk hatte 2007 das Zertifizierungsverfahren begonnen und seitdem einen fünfstelligen Euro-Betrag investiert.

Langfristig wäre der Ostseehering ohne Siegel nicht mehr vermarktbar gewesen. Damit der Ostseehering mit dem Ökosiegel künftig in deutschen Supermarktregalen steht, müssen sich auch die Fischer zertifizieren lassen. Doch bei ihnen gibt es Vorbehalte. Wenn eine Vorprüfung 7000 Euro und die Nachprüfung 27 000 Euro koste, könne sich das kaum eine Fischereigenossenschaft leisten, gab der Vize-Chef des Landesverbandes der Kutter-und Küstenfischer, Schütt, zu bedenken. „Die Fischer müssen genau durchrechnen, ob es sich lohnt.“


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