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Landeswettbewerb : Der Dorfkonsum kehrt zurück

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

In MV nur noch in jeder zweiten Gemeinde Lebensmittelmarkt / Land lobt Wettbewerb aus und will Nahversorgung auf dem Lande wiederbeleben

svz.de von
erstellt am 21.Mai.2014 | 07:47 Uhr

Tageseinkauf am Dorfanger: Das Land will in ausgewählten Orten auf dem Lande die Nahversorgung wiederbeleben. Mit einem Wettbewerb werden Ideen zur Sicherung der Nahversorgung in ländlichen Regionen gesucht, erklärte Infrastrukturminister Christian Pegel (SPD) gestern in Schwerin: „In den Dörfern gebe es nahezu keine Nahversorgung mehr.“ Aufgrund der sinkenden Nachfrage ziehe „sich der Einzelhandel aus den Dörfern zurück“. Nun würden bis Mitte Juni Ideen gesucht, Dienstleistungsangebote neu zu organisieren, die Lebensmittelversorgung zurück in die Dörfern zu holen und das Dorfleben zu aktivieren.

Die Versorgungslücken sind groß: Während sich in den Städten die Einkaufsfläche explosionsartig vergrößert hat, haben in vielen Dörfern die letzten Läden für immer das Licht ausgemacht. In MV gebe es nur noch in jeder zweiten Gemeinde stationäre Lebensmittelversorger, erklärte Pegel. Das treffe besonders ältere Menschen ohne eigenes Auto.

Der Discounter-Boom hat die Dörfer zur einkaufsfreien Zone gemacht. Zwischen 2000 und 2007 ging die Zahl der Lebensmittelgeschäfte in Deutschland den Angaben zufolge um 37 Prozent zurück. In den Städten in MV stieg hingegen die Versorgungsdichte auf ein überdurchschnittliches Niveau – auf 1,6 Quadratmeter Verkaufsfläche je Einwohner, 0,2 Quadratmeter mehr als im Bundesdurchschnitt.

MV entdeckt den Markt in der Dorfmitte neu: Lebensmittelgeschäfte hätten ehedem Einkaufsmöglichkeiten geboten aber auch eine soziale Funktion gehabt, meinte Pegel. Mit dem Wettbewerb solle „am Konsum angeknüpft und das soziale Leben in den Dörfern stimuliert werden“. Dabei gehe es neben Ideen für neue Einkaufsmöglichkeiten auch um Dienstleistungen oder auch um Transportmöglichkeiten, damit auch Einwohner aus Nachbarorten das neue Dorfzentrum erreichen könnten. Es funktioniere nicht, auf die Ansiedlung eines Discounters im ländlichen Raum zu warten. „Wir müssen die Selbstheilungskräfte vor Ort motivieren“, meinte Pegel.

Dem neuen Wettbewerb war Modellprojekt in vier Orten vorausgegangen – in Brunow (Ludwigslust-Parchim), Altenpleen (Vorpommern-Rügen), Sarow (Mecklenburgische Seenplatte) und Schmatzin (Vorpommern-Greifswald). Pegels Vorgänger, Ex-Minister Volker Schlotmann, hatte das Projekt 2011 gestartet, um nach dem Test eine landesweite Strategie zur Nahversorgung zu entwickeln. Jedes der vier Projekte war damals mit bis zu 100 000 Euro unterstützt worden. Drei der vier Projekte sind den Angaben zufolge noch am Markt. In Schmatzin scheiterte die Eröffnung eines Dorfladens an den Investitionskosten. Zwar habe das Land eine 100 000-Euro-Hilfe zugesagt. Die Kosten hätten aber darüber gelegen und die Gemeinde das Geld nicht aufbringen können, sagte Bürgermeister Klaus Brandt gestern: „Mit etwas mehr Geld hätte es geklappt.“

Zusätzliche Finanzhilfe aber auch die vom Land angekündigte Strategie zur Entwicklung der ländlichen Versorgung ist nicht in Sicht: Stattdessen stellt das Land für den neuen Wettbewerb nur noch 250 000 Euro für Investitionen bereit. Vor drei Jahren waren es noch 400 000 Euro für vier Projekte. Das liege im Rahmen der Möglichkeiten. Pegel lehnte langfristige Finanzhilfen für die Betriebskosten der Dorfläden wie in Schleswig-Holstein ab: Bei sinkenden Förderetats müssten Strukturen geschaffen werden, die sich selbst tragen, sagte er.

Die Opposition begrüßte die neue Initiative: Als Treffpunkt im Dorf erfüllen solche Projekte eine wichtige soziale Funktion, sagte Linksfraktionschef Helmut Holter. Damit solche Projekte nicht länger von Wettbewerben und Projektförderung abhängig blieben, sollten aber Regionalbudgets eingeführt und „eine kontinuierliche und im Haushalt abgesicherte Förderung der ländlichen Räume“ gewährleistet werden.

 

 

 

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