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Bankwesen : Datenklau zur Sepa-Umstellung

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Verbraucherzentrale warnt vor unseriösen Anfragen. Auch unsere Redaktion bekam vermeintlich Post von der Sparkasse.

Die Umstellung des europäischen Geldtransferwesens auf die einheitliche Sepa-Methode – bei der anstatt der nationalen Kontonummern und Bankleitzahlen die EU-weit gültige Iban-Nummer und der Bic-Code verwendet werden – ruft Datendiebe auf den Plan.

In dieser Woche erhielt unsere Redaktion in der Prignitz eine E-Mail, mit der die Sparkasse Berlin ihre Onlinebanking-Kunden dazu aufrief, einem Link zu folgen und Kontodaten zu aktualisieren, um weiterhin den Bankservice bequem vom Computer aus nutzen zu können. Auf den ersten Blick könnten Sparkassenkunden, die diese Mail bekommen, tatsächlich glauben, es handele sich um ein offizielles Schreiben – und den Anweisungen Folge leisten. Überprüft man allerdings die angegebene Adresse, stellt man schnell fest, dass diese nicht mit dem tatsächlichen Sitz der Sparkasse Berlin übereinstimmt.

Wer sich unsicher sei, ob er tatsächlich von seiner Bank eine Mail erhalten hat, solle persönlich oder telefonisch nachfragen und um Klärung bitten, bevor er Links klickt oder Anhänge öffnet. In den Anhängen könnten sich Viren befinden, so Schaarschmidt, und wer PIN und TAN auf den falschen Internetseiten einträgt, dem könne das Konto abgeräumt werden.

 

Wichtige Fragen im Überblick: 

Was genau steckt hinter Sepa, Bic, Iban?

Sepa ist ein einheitlicher Zahlungsraum von 33 Ländern für Banktransaktionen in Euro. Bic steht für „Bank Identifier Code“ und ist der neue international gültige Bankcode, der jedoch ab 1. Februar 2014 nur noch bei länderübergreifenden Zahlungen angegeben werden muss.  Anders die Iban, die „International Bank Account Number“, die nun permanent auch innerhalb Deutschlands zum Einsatz kommt. Diese Zahlen- und Buchstaben-Kolonne setzt sich aus den bekannten Daten Kontonummer und Bankleitzahl zusammen. Neu sind der einheitliche Ländercode (DE steht für Deutschland) und die zweistellige Prüfzahl, die für jede Iban berechnet wird. In Deutschland hat die Iban 22 Stellen, in anderen Ländern kann sie noch länger sein.

Wo erfahre ich Bic und Iban?

Die Codes stehen seit 2003 auf dem Kontoauszug, im Online-Banking sowie auf vielen Bankkarten. „Leider nicht auf allen Karten“, bemängelt Frank-Christian Pauli vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Viele Girokarten seien nicht rechtzeitig angepasst worden.

Was ändert sich für die Verbraucher?

Sie müssen sich nicht nur an die Iban gewöhnen, sondern auch an neue Bezeichnungen. Einzugsermächtigungen heißen nun Sepa-Mandat und sind mit einer individuellen Mandats-Referenznummer versehen. „Das erleichtert die Zuordnung und stärkt die Kontrolle“, sagt Pauli. Wer einen Einzug stoppen möchte, müsse seiner Bank künftig diese Nummer mitteilen. „Das Erstattungsrecht gilt acht Wochen ab Buchung. Bei unbefugten Abbuchungen ohne Mandat sind es 13 Monate.“ Neu ist auch das Kürzel SDD (Sepa Direct Debit), mit dem Lastschriften auf den Kontoauszügen gekennzeichnet sind. Die Sepa-Verordnung besagt zudem, dass ein Zahlungsempfänger nicht mehr bestimmen darf, von welchem Land innerhalb der Europäischen Union aus eine Zahlung getätigt werden muss. Verbraucher können damit selbst Steuern über eine Kontoverbindung irgendwo in der EU zahlen.

Müssen Daueraufträge geändert werden?

„Verbraucher müssen nicht aktiv werden. Die Umstellung von Daueraufträgen übernimmt die Bank“, betont Pauli. Das habe den Vorteil, dass auch die Verantwortung für die Korrektheit der Angaben auf die Bank übergehe. Bereits erteilte Einzugsermächtigungen werden ebenfalls ohne Zutun der Verbraucher angepasst. „Die entsprechende Mandats-Referenznummer wird per Post mitgeteilt. Es ist ratsam, die darin angegebene Iban zu prüfen und das Schreiben aufzuheben.“

Gibt es eine Übergangsfrist?

Im Gegensatz zu Geschäftskunden dürfen Verbraucher bis zum 1. Februar 2016 weiterhin ihre Kontonummer und Bankleitzahl verwenden. Diesen Service müssen Kreditinstitute laut Gesetz nicht zwingend anbieten. „Es ist eine Kann-Regelung. Aber wir gehen davon aus, dass das alle Banken anbieten werden“, sagt Julia Topar vom Bundesverband Deutscher Banken in Berlin. Grundlegend gilt, dass die Umwandlung nicht mit Zusatzkosten verbunden sein darf. Hierfür Extra-Gebühren zu verlangen, sei gesetzlich verboten, betont Carl-Ludwig Thiele, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank aus Frankfurt am Main.

Was passiert bei Zahlendrehern?

„Bei einem Zahlendreher wird die Überweisung gar nicht erst ausgeführt“, sagt Bundesbank-Vorstand Thiele. „Damit erhält der Überweisende die Möglichkeit, die eingegebenen Daten noch einmal zu überprüfen.“ Die sogenannte Prüfziffer, die sich aus Bankleitzahl und Kontonummer errechnet und Bestandteil der Iban ist, soll verhindern, dass Geld auf einem falschen Konto landet. „Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass es doch passiert“, meint Verbraucherschützer Pauli. Kosten und Risiken trage der Verbraucher.

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erstellt am 09.Jan.2014 | 09:00 Uhr

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