Studie : Das Leben der Rentner 2040

 
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Wir werden älter und anders alt: Ohne Zusatzversorge geht es nicht. Hintergründe und Grafiken für einzelne Berufe und Regionen in MV exklusiv nur bei uns.

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13. November 2015, 12:00 Uhr

Die Bundesregierung rechnet damit, dass die Renten bis 2029 um insgesamt 41 Prozent steigen. Die Autoren einer Studie der Prognos AG warnen dagegen, dass die Altersbezüge 2040 gemessen am vorherigen Einkommen niedriger ausfallen werden als heute. Hintergründe zur Debatte über die neue Renten-Studie von Rasmus Buchsteiner.

Wie ist die Lage heute?
Im Osten erhalten Rentner 1020 Euro monatlich, im Westen 833 Euro. Den Unterschied erklären Experten mit der höheren Frauenbeschäftigung zu DDR-Zeiten. Das Bild wird erst komplett, wenn berücksichtigt wird, wie viel sich Rentner von ihrem Geld leisten können. Am höchsten ist die Rentenkaufkraft im Oberspreewald-Lausitz-Kreis, am geringsten in Nordfriesland.

Wie wird sich die Rentenhöhe in 25 Jahren entwickeln?
Die Löhne werden deutlich stärker steigen als die Renten. Das Bruttorentenniveau – die Standardrente nach 47 Beitragsjahren gemessen am Durchschnittseinkommen – werde bis 2040 um sieben Prozentpunkte auf 39 Prozent zurückgehen, so die Studie. Während das Rentenniveau sinkt, rechnen die Autoren mit einem Anstieg des Renten-Beitragssatzes von 18,7 auf 24 Prozent.

Wie gross sind die regionalen Unterschiede?
Überdurchschnittliche Rentensteigerungen sind besonders im Süden und Südwesten sowie in Hamburg zu erwarten. Im Osten wird die Rentenhöhe bis 2040 sinken.

Reicht die gesetzliche Rente im Alter allein aus?
Jahre lang in die Rentenkasse eingezahlt hat – erhält aktuell 47,5 Prozent seines vorigen Gehalts – aktuell 1314 Euro. Das Rentenniveau wird bis 2029 auf 44,7 Prozent fallen. 1998 hatte es noch bei 53,6 Prozent gelegen. Die Regierung stellt klar, dass die gesetzliche Rente allein nicht mehr den Lebensstandard sichert. Wer die staatliche Riester-Förderung voll ausnutzt, könnte 2029 mit privater Vorsorge und gesetzlicher Rente ein Rentenniveau von 51,2 Prozent erreichen. Doch viele Arbeitnehmer schöpfen die Förderung nicht voll aus, haben keine Riester-Verträge oder zahlen nicht mehr ein.

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Erläuterungen zur Prognos-Studie:
Warum arbeitet Prognos mit individualisierten Erwerbsbiografien?

Die Entwicklung des künftigen Versorgungsniveaus in der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) wird in der Regel anhand des Eckrentners aufgezeigt. Das ist auch sinnvoll, wenn die Leistungsfähigkeit der gesetzlichen Rentenversicherung als Ganzes eingeschätzt werden soll. Mit der Lebenswirklichkeit der meisten Versicherten hat dies aber wenig zu tun: Niemand verdient sein ganzes Erwerbsleben lang Jahr für Jahr exakt das Durchschnittseinkommen. In der Realität arbeiten Menschen auch mal Teilzeit, sie unterbrechen ihre Erwerbstätigkeit für Kindererziehung, sie schlagen sich mit einem Minijob durch, werden arbeitslos oder krank. 

Um dieser Lebenswirklichkeit Rechnung zu tragen, müssen die Rentenperspektiven individuell betrachtet werden. Dafür werden in der Studie für ausgewählte Frauen- und Männerberufe typische Erwerbsbiografien aus den Daten der Deutschen Rentenversicherung abgeleitet. Es wird gezeigt, welche Rente ein Elektroinstallateur oder eine Verkäuferin tatsächlich erwarten dürfen.

Was ist der Eck- oder Standardrentner?

Der Eckrentner ist ein rechnerisches Konstrukt, für das eine Erwerbsbiografie mit 45 Beitragsjahren und ein stets durchschnittliches Gehalt unterstellt werden. Für ein Jahr Durchschnittsverdienst und entsprechende Beitragszahlung wird in der gesetzlichen Rentenversicherung ein Entgeltpunkt erworben. Die Altersrente des Eckrentners beruht somit auf genau 45 Entgeltpunkten. Mit steigender Regelaltersgrenze verlängert sich auch die Erwerbsbiografie des Eckrentners von 45 auf 47 Jahre.

Warum werden die Erwerbsbiografien regionalisiert?

Ausschlaggebend für die spätere Leistung aus der gesetzlichen Rentenversicherung ist die individuelle Erwerbsbiografie: über wie viele Jahre wird welches Einkommen erzielt? Hierauf haben regionale Unterschiede zum Beispiel in der Wirtschaftskraft einen erheblichen Einfluss.

Welche regionalen Faktoren bestimmen die individuelle Erwerbsbiografie?

Einkommensunterschiede ergeben sich aufgrund der unterschiedlichen regionalen Wirtschaftskraft und -dynamik. Im Bundesdurchschnitt wächst die Wirtschaft jährlich um rund 1,3 Prozent (real) bis 2040. Regional ergeben sich zum Teil deutliche Abweichungen: Wirtschaftsstarke Regionen wie München und Hamburg haben eine überdurchschnittliche Einkommensdynamik. In strukturschwächeren Regionen entwickeln sich die Einkommen der Beschäftigten dagegen unterdurchschnittlich. Auch das Risiko arbeitslos zu werden, hängt entscheidend von der Wirtschaftsstärke der jeweiligen Region ab.

Beide Faktoren – Einkommensdynamik und Arbeitslosigkeitsrisiko – werden in den Erwerbsbiografien für die entsprechenden Regionen berücksichtigt.

Was bestimmt die Rentenkaufkraft?

Innerhalb Deutschlands gibt es deutliche Unterschiede in den Lebenshaltungskosten und den regionalen Preisniveaus. Aufgrund dieser regionalen Differenzen ist eine einheitliche Rentenhöhe für Deutschland insgesamt wenig aussagekräftig. Die Studie berücksichtigt deshalb die Kaufkraftunterschiede in den Regionen. Dadurch relativieren sich die Rentenhöhen zum Teil erheblich. Unterstellt wird außerdem ein für Rentner typischer Warenkorb – mit u.a. anteilig höheren Ausgaben für Wohnen und Gesundheit.

Wie ist das Bruttorentenniveau definiert?

Das „individuelle“ Bruttorentenniveau der in der Studie untersuchten Berufe zeigt an, wie hoch die eigene Rente in Relation zum durchschnittlichen Einkommen der letzten fünf Jahre ist. Das allgemeine Bruttorentenniveau zeigt hingegen die Relation der Eckrente eines Jahres bezogen auf das Durchschnittseinkommen aller Versicherten desselben Jahres.

Warum steigen die Renten bei gleichzeitig sinkendem Rentenniveau?

Die Renten im Jahr 2040 werden in der Studie in Preisen für 2014 ausgewiesen. Daran ist erkennbar, dass die Renten in den nächsten 25 Jahren real steigen werden. Gleichzeitig sinkt das allgemeine Bruttorentenniveau (des Eckrenters mit 47 Entgeltpunkten) von heute gut 46 Prozent auf 39 Prozent in 2040. Diese auf den ersten Blick widersprüchliche Entwicklung erklärt sich dadurch, dass die Löhne real stärker steigen als die Renten. Da die Löhne stark genug wachsen und ihr Wachstum deutlich über der Inflationsrate liegt, legen auch die Renten real zu. Das sinkende Rentenniveau bedeutet, dass sich die Rentner in 25 Jahren – gemessen an ihrem letzten Erwerbseinkommen - etwa ein Sechstel weniger leisten können.

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